Eurostat Teuerung steigt und steigt

Die negativen Rekorde reißen nicht ab. Am Montag erreichten auch die Verbraucherpreise in der Eurozone einen neuen Höchstwert. Der Preisauftrieb beschleunigte sich im Juni stärker als erwartet und erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,0 Prozent.

Teuerung steigt und steigt

Das ergab eine erste Vorabschätzung der EU-Statistikbehörde Eurostat gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Vor allem die stetig steigenden Energiepreise verteuern die Lebenshaltungskosten. Am Montag stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Erdöl erstmals auf über 143 Dollar.

EU-Länder wie Deutschland, Italien oder Spanien hatten bereits Rekordwerte bei ihren Inflationsraten vermeldet und dabei stets die Prognosen von Ökonomen übertroffen. Die Teuerungsrate von 4,0 Prozent in der Eurozone lag ebenfalls über den Erwartungen von Volkswirten. Diese hatten mit 3,9 Prozent Inflation gerechnet, nachdem die Lebenshaltungskosten im Mai um 3,7 Prozent und im April um 3,3 Prozent gestiegen waren.

Die Teuerungsrate in der Eurozone liegt inzwischen mehr als doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) anvisiert. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer HVPI-Jahresinflation von "unter, aber nahe 2 Prozent" erreicht. Bankvolkswirte gingen nach der Veröffentlichung der Eurostat-Schätzung davon aus, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter in Richtung 4,2 Prozent oder etwas mehr steigen werde. Dafür werde der ungebremste Aufwärtstrend beim Rohölpreis sorgen.

Laut Ökonomen zeichnete vor allem die Entwicklung der Energiepreise für den deutlichen Anstieg vorantwortlich. Am Montag war der Ölpreis an der Nymex auf 143,67 Dollar gestiegen. Nach Einschätzung des Generalsekretärs der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wird die anhaltende Ölpreisrallye von Spekulanten getrieben und ist nicht auf eine Verknappung des Angebots zurückzuführen. Wegen des schwachen Dollar fließe spekulatives Geld in den Ölmarkt, erklärte Abdalla Salem el-Badri.

Die Daten dürften die EZB darin bestätigen, dass die Risiken für die Preisstabilität in der Eurozone weiter gestiegen sind. Vor diesem Hintergrund hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bereits Anfang des Monats für die am Donnerstag anstehende Juli-Ratssitzung der Notenbank eine Leitzinserhöhung signalisiert. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen rechnen mehrheitlich mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf dann 4,25 Prozent.

Laut dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, müssen die Zentralbanken der "Inflationsmentalität" entgegen wirken. Er gehe davon aus, dass die EZB am Donnerstag "entschlossen handeln" und eine Zinserhöhung beschließen wird. Walter sagte der Deutschen Welle: "Das ist schmerzhaft und wird konjunkturell sicher Schäden auslösen".

ddp