Automarkt in der Krise

Branchenspiegel: Niedrigstes Neuzulassungsergebnis seit 1990

Von Andreas Bücherl, Lothar Semper/Grafik: imu

Automarkt in der Krise

Baugewerbe: Die Bauwirtschaft konnte nach einer mehrjährigen Schrumpfungsphase seit 2006 die Produktion wieder moderat steigern. Im Berichtsjahr 2008 dürften die Bauinvestitionen nach Berechnung des Sachverständigenrates um real 3,3 Prozent zugelegt haben. Die einzelnen Bausparten entwickelten sich dabei sehr unterschiedlich: Der Wohnungsbau war weiterhin der Schwachpunkt des gesamten Bausektors; vor allem die rückläufige Neubautätigkeit bei Ein- und Zweifamilienhäusern machte der Branche zu schaffen. Damit hat sich die Struktur des gesamten Genehmigungsvolumens weiter zu Ungunsten des Wohnungsbaus verschoben, sein Anteil am gesamten Bauvolumen sank von 65 Prozent im Jahr 2006 auf nunmehr 47 Prozent. Gestützt wurde das Wohnungsbaugeschäft durch die Bestandsinvestitionen, wobei die energetische Gebäudesanierung eine wichtige Rolle spielte. Die gewerbliche Bautätigkeit verlief im Berichtszeitraum recht lebhaft und erwies sich als eine Hauptstütze der Baukonjunktur. Allerdings hat in den letzten Monaten der Auftragseingang an Tempo verloren. Bei den öffentlichen Bauinvestitionen setzte sich die Aufwärtsbewegung der vergangenen Jahre verstärkt fort. Infolge der verbesserten Finanzlage haben die Gebietskörperschaften zum Teil längst überfällige Infrastrukturmaßnahmen in Angriff genommen.

Handwerk für gewerblichen Bedarf: Die Maschinen- und Werkzeugbaukonjunktur hat nach Jahren des Booms 2008 den Zenit überschritten. Die Ordertätigkeit aus dem Ausland ließ im Frühjahr erste Abschwächungstendenzen erkennen. Auslöser hierfür war die weltweite Konjunkturabkühlung, die sich später durch die Finanzkrise und deren Folgen erheblich beschleunigt hat. Auf dem Inlandsmarkt fiel der Bestellrückgang dagegen noch vergleichsweise moderat aus. Trotz dieser Nachfrageberuhigung konnte die Branche dank der hohen Auftragspolster die Produktion noch um 5 Prozent ausweiten. Allerdings hat sich die Ertragssituation der Unternehmen infolge der hohen Rohstoff- und Energiekosten merklich verschlechtert. Die Landmaschinenmechaniker vermeldeten über weite Strecken des Berichtsjahres einen recht positiven Umsatzverlauf. Erst in den letzten Monaten hat sich die Geschäftslage eingetrübt, weil die Landwirte wegen der rückläufigen Erzeugerpreise ihre Investitionsausgaben für Maschinen und Geräte reduziert haben. Der drastische Absatzeinbruch auf dem Pkw-Markt hat inzwischen auch zahlreiche Autozulieferer in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht, zumal sich die Banken mit der Kreditvergabe zurückhaltender geben.

Kraftfahrzeuggewerbe: Der Automarkt hatte 2008 mit erheblichen Belastungsfaktoren zu kämpfen. Das Neuwagengeschäft kam nach dem starken Einbruch 2007 im Jahr 2008 zunächst nur sehr zögerlich in Gang. Vor allem die rasant gestiegenen Spritpreise und die Diskussionen um die CO2-basierte Kfz-Steuer haben den privaten Haushalten die Lust auf den Kauf eines neuen Autos gründlich verdorben. Im späteren Jahresverlauf ist dann die Kundennachfrage wegen wachsender Rezessionsängste und den Auswirkungen der Finanzturbulenzen massiv eingebrochen. Für das gesamte Jahr zeichnet sich ein Rückgang der Pkw-Neuzulassungen von rund 2 Prozent ab. Angesichts der hohen Kraftstoffpreise gewann der Spritverbrauch beim Kauf eines neuen Autos immer mehr an Bedeutung. Dieses Kriterium besitzt bei Verbrauchern mittlerweile den gleichen Stellenwert wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Preis eines Modells, so das Ergebnis der aktuellen „Cars Online“-Studie. Entsprechend war bei den Neuzulassungen ein klarer Trend hin zum Minisegment zu beobachten. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gaben sich die Kunden insgesamt zurückhaltend. Gefragt waren in erster Linie verbrauchsarme Kleinwagen, deren Verkaufspreise sich daher relativ restwertstabil zeigten. Im Werkstattgeschäft machte sich die gedämpfte Ausgabenbereitschaft der Autobesitzer bemerkbar. Vor allem die Halter älterer Fahrzeuge sparten an Reparatur und Pflege. Diese Wartungsmüdigkeit wird durch eine Studie bestätigt, wonach derzeit rund acht Millionen Autos mit schweren Mängeln auf Deutschlands Straßen unterwegs sind.

Lebensmittelhandwerke: Die wirtschaftliche Entwicklung von Bäckern und Metzgern war im Jahr 2008 durch extreme Kostensteigerungen, starken Wettbewerb und eine eher verhaltene Nachfrage geprägt. Zur wachsenden Kostenbelastung haben beigetragen: Erstens sind die Material- und Rohstoffpreise kräftig geklettert, wobei der Preisschub für Getreide und Mehl im Wesentlichen eine Folge der verfehlten Politik zur Förderung von Agrokraftstoffen war. Zweitens ließen die massiven Verteuerungen bei Öl und Gas die Ausgaben für Energie in die Höhe schnellen. Die zusätzlichen Aufwendungen konnten bisher nicht in ausreichendem Maße an die Verbraucher weitergegeben werden. Die hierfür notwendigen Preisanpassungen hätten angesichts der erhöhten Preissensibilität der Kunden zu nicht vertretbaren Absatzverlusten geführt. Unter diesen Umständen hat sich die Ertragssituation der Fachbetriebe tendenziell verschlechtert. Die Brauereien hatten nach wie vor einen schweren Stand. Probleme bereiteten der Branche das wechselhafte Wetter, die Rauchverbote sowie der demografische Wandel. Für 2008 zeichnet sich beim Bierkonsum ein leichtes Minus ab.

Gewerbe für den privaten Bedarf: Der Geschäftsverlauf der Gesundheitshandwerke stand im Schatten der enttäuschenden Verbrauchskonjunktur. Die Branche dürfte das Jahr 2008 zwar noch mit einem moderaten Umsatzwachstum abgeschlossen haben, die ursprünglichen Absatzerwartungen wurden jedoch nicht erreicht. Viele Patienten haben offenbar wegen der Kaufkrafteinschränkungen und der negativen Konjunktursignale die Ausgaben für Sehhilfen und Zahnersatzleistungen zeitlich verschoben oder die sparsamste Variante gewählt. Auf dem Friseurmarkt zeigten sich nach einer mehrjährigen Talfahrt seit Anfang 2008 erste Stabilisierungstendenzen. Die wirtschaftliche Situation blieb aber insgesamt angespannt, wozu in letzter Zeit auch die wachsenden Rezessionsängste der Bundesbürger beigetragen haben.