Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Pessimismus nimmt zu – Wirtschaftsklima trübt sich ein

Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für Deutschland sind im Mai leicht gesunken. Der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) liegt bei minus 41,4 Punkten.

Pessimismus nimmt zu – Wirtschaftsklima trübt sich ein

Das war der niedrigste Stand seit Januar. Das ZEW verwies darauf, dass die Entwicklung der Konjunkturerwartungen im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen sein dürfte: Einerseits hätten sich die Erwartungen der Finanzmarktexperten für die USA und damit für die deutsche Exportindustrie auf Sicht von sechs Monaten spürbar aufgehellt. Andererseits nähmen die 300 befragten Finanzmarktexperten hohe Inflationsrisiken wahr und sähen daher für die Entwicklung des privaten Konsums wenig Spielraum.

"Das erste Quartal ist für die deutschen Unternehmen sehr gut gelaufen. Allerdings dürfte die Konjunkturdynamik etwas an Fahrt verlieren, weil sich bei den Unternehmen allmählich die Folgen der steigenden Refinanzierungskosten und der starke Euro bemerkbar machen dürften", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz das Umfrageergebnis.

Deutsche Aktien reagieren mit Verlusten

Als Reaktion auf den leichten Rückgang der Konjunkturerwartungen für Deutschland verzeichneten deutsche Aktien Kursverluste. Der Euro zog nach Veröffentlichung der Daten gegenüber dem Dollar an und überwand dabei die Marke von 1,56 US-Dollar.

Bankvolkswirte zeigten sich von den ZEW-Ergebnissen unbeeindruckt. Postbank-Volkswirt Brian Mandt sagte, er halte den "Pessimismus, der in den Konjunkturerwartungen zum Ausdruck kommt, halten wir für überzogen". Andreas Rees von HVB/UniCredit erläuterte, der Indikator liege gegenwärtig auf Rezessionsniveau, doch hiervon sei die deutsche Wirtschaft weit entfernt.

Weltwirtschaftsklima stürzt auf Niveau wie vor sechs Jahren

Auch das Weltwirtschaftsklima trübt sich deutlich ein, wie eine Umfrage des Münchener Ifo-Instituts ergab. Auf Basis seiner vierteljährlichen Umfrage unter rund 1.000 Experten aus 92 Ländern teilte das Institut mit, dass der Index für das Weltwirtschaftsklima auf 81,4 Punkte von 90,4 im ersten Quartal sank. Der Index erreichte damit das niedrigste Niveau seit mehr als sechs Jahren. Noch im dritten Quartal 2007 – und damit zu Beginn der Finanzturbulenzen – lag der Indikator mit 113,6 Punkten auf einem zyklischen Hoch.

Der Rückgang resultierte vor allem aus der ungünstigeren Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, aber auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate wurden weiter nach unten revidiert. Das Institut erklärte, dass die Eintrübung des Weltwirtschaftsklimas vor allem Nordamerika und Westeuropa betreffe. In Deutschland habe sich der Klimaindikator relativ wenig verschlechtert.

Das Wirtschaftswachstum in den Mitgliedsstaaten der OECD verharrte im ersten Quartal 2008 auf dem Niveau des Vorquartals. Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf Basis vorläufiger Daten mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt erneut um 0,5 Prozent. Deutschland stach sich mit einem BIP von 1,5 Prozent im ersten Quartal positiv hervor.

ddp