Die Konjunktur im Handwerk ist gespalten: Die Zulieferbetriebe boomen, konsumnahe Gewerke klagen. Im Konjunkturbericht des ZDH ist kein Anziehen der Binnenkonjunktur zu erkennen. Von Karin Birk, Berlin
Immer noch fehlt der private Konsum
Die Handwerkskonjunktur zeigt zum Jahresanfang kein einheitliches Bild. "Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verläuft weiterhin sehr unterschiedlich", sagte Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur aktuellen Konjunkturumfrage des Verbandes. Während die industrienahen Zulieferer und Dienstleister "auf Hochtouren" arbeiteten, litten die konsumnahen Gewerke noch immer unter der Zurückhaltung der Verbraucher. "Im Handwerk – wie schon im Handel – gibt es keine Hinweise auf eine Belebung des privaten Konsums", sagte er.
Von der Politik erwartet Schleyer deshalb gezielte Schritte. "Ohne Entlastungen der Menschen bei den Sozialbeiträgen und den Steuern, ohne mehr netto vom Brutto, wird der erhoffte Beitrag des Binnenmarktes zum Wachstum ausbleiben", warnte er. Als erster Schritt müssten bis 2009 die Folgen der "kalten Progression" ausgeglichen werden. Ziel müsse wieder ein linear-progressiver Tarifverlauf sein.
Stabile Beschäftigung
Insgesamt erwartet das Handwerk für das Gesamtjahr 2008 ein Wachstum von nominal plus 1,0 (Vorjahr: -1,1) Prozent. Real bedeute dies wie im Vorjahr ein leichtes Minus. Dabei werde sich die Beschäftigungslage bei 4,8 Millionen Mitarbeitern stabilisieren.
Wie die Frühjahrsumfrage unter rund 25.000 Handwerksbetrieben konkret ergab, haben sich Umsatz- und Auftragsentwicklung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar etwas verlangsamt, dennoch sind die meisten Betriebsinhaber noch zufrieden. So bewerteten 73 (Vorjahr: 77) Prozent der westdeutschen und 72 (75) Prozent der ostdeutschen Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage zumindest als zufrieden stellend. Für die kommenden Monate sind die Erwartungen noch etwas besser.
Hervorragend sei die Lage bei industrienahen Zulieferern wie etwa bei Feinmechanikern und im Elektromaschinenbau. Hier machten sich die Abschwächung der Weltkonjunktur und die Folgen der Finanzmarktkrise noch nicht bemerkbar, sagte Schleyer. Auslastung und Auftragsreichweiten sowie die Beschäftigung seien weiter gestiegen. Positiv sei die Lage auch im Wirtschafts- und im öffentlichen Bau sowie im Ausbaugewerbe.
Daramatische Lage im Wohnungsbau
Dramatisch angesichts stark rückläufiger Genehmigungszahlen sei dagegen die Lage im privaten Wohnungsbau. Sehr große Unzufriedenheit herrscht der Umfrage zufolge auch im Kfz-Handwerk. Noch immer sei die Nachfrage nach Autos nicht angesprungen. Und auch im Lebensmittel- und Gesundheitshandwerk stagnierten die Umsätze immer noch.
Nach wie vor angespannt ist auch die Ertragslage. Viele Handwerker müssten mit höheren Einkaufs- und Energiekosten kämpfen und hätten oft keinen oder nur einen geringen Spielraum für Preiserhöhungen. 50 bis 60 Prozent der befragten Betriebe hätten höhere Kosten zu verkraften, aber nur ein Fünftel der Betriebe habe auch die Absatzpreise entsprechend erhöhen können.