ZDH-Generalsekretär Schleyer Handwerk hat zu wenige Lehrlinge

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt hat sich nach Einschätzung der Bundesregierung im vergangenen Jahr "sehr erfreulich" entwickelt. Das Handwerk beklagt aber einen absehbaren Mangel an Lehrlingen.

Foto: Bäckerverband

Handwerk hat zu wenige Lehrlinge

Viele Betriebe suchten erstmals seit Jahren wieder händeringend qualifizierte Bewerber, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, dem "Handelsblatt". "In Ostdeutschland ist der Mangel bereits in diesem Jahr deutlich", sagte er. Auch im Westen drohe ein Lehrlingsmangel, sagte Schleyer. Allerdings werde diese Entwicklung erst in drei Jahren eintreten. Mit Sorge sehe das Handwerk zudem, dass jetzt schon zu wenige Schulabgänger über eine ausreichende Vorbildung verfügten.

Schleyer warnte auch vor einem Facharbeitermangel. "Für die Boombranchen wird es immer schwieriger, gute Leute zu finden", sagte er. "Die Spaltung der Gesellschaft setzt sich am Arbeitsmarkt fort."

Mit 625.914 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sei zum Stichtag 30. September 2007 das zweithöchste Ergebnis seit der Wiedervereinigung gemeldet worden, heißt es in dem vom Bundeskabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht 2008. Damit sei erstmals seit 2001 die Marke von 600.000 überschritten worden, betonte Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU). Sie bekräftigte zugleich das Ziel, "jedem ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen".

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr sei die Vermittlung sogenannter Altbewerber, fügte die Ressortchefin hinzu. Dazu habe die Bundesregierung "im Rahmen ihrer Qualifizierungsinitiative unter anderem den Ausbildungsbonus für bis zu 100.000 Altbewerber beschlossen", erläuterte Schavan. Sie forderte Betriebe und Sozialpartner auf, von diesem neuen Angebot Gebrauch zu machen und zusätzliche Ausbildungskapazitäten bereitzustellen.

Schavan unterstützte zugleich einen europäischen Leistungsvergleich in der Berufsausbildung. Unter dem Stichwort "Berufsbildungs-PISA" soll es demnach Studien in der beruflichen Bildung geben, die einen Vergleich der verschiedenen Ausbildungssysteme ermöglichen. Das deutsche Berufsbildungssystem stehe im internationalen Wettbewerb und müsse sich mit seinen Leistungen messen lassen", argumentierte die Ministerin. Sie habe daher die Initiative ergriffen, einen europäischen Leistungsvergleich in der beruflichen Bildung mit anderen Staaten abzustimmen.

ddp