Experten fordern mehr Väterfreundlichkeit in der Arbeitswelt. In der Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehe es nahezu immer darum, wie Frauen Kinder und Karriere vereinbaren könnten, sagte Eberhard Schäfer, Gründer des "Papa Instituts". Väter gingen in dieser Debatte dagegen unter.
Betriebe sollen väterfreundlicher sein
"Fast überall, wo Familie draufsteht, sind Väter nicht mit drin", sagte Schäfer. Mit dem "Papa Institut" berät er Firmen und Organisationen, wie sie Väter besser fördern können.
Obwohl viele Männer ihren Job und die Familie in Einklang bringen wollten, müssten gerade junge Väter überdurchschnittlich viel arbeiten. "Ihnen wird dann oft unterstellt, sie würden aus der Familie flüchten", sagte Schäfer. "In Wahrheit bricht bei der Kindererziehung in vielen Fällen ein Einkommen weg, und das muss kompensiert werden".
Unternehmen müssen Nutzen von Väterförderung erkennen
"Die Anliegen von Vätern werden in Unternehmen häufig falsch verstanden", kritisierte der Politologe. Wer abends früher nach Hause gehen wolle, gelte schnell als überfordert oder arbeitsunwillig. Unternehmen müssten endlich den Nutzen von Väterförderung erkennen, appellierte er. Auch die männlichen Mitarbeiter seien motivierter, zufriedener und loyaler, wenn die Firma familienfreundlich arbeite. "Besser läuft es jetzt schon dort, wo die Führungskräfte selbst junge Väter sind", sagte Schäfer.
Bei ihnen sei das Verständnis größer. Männer mit Kindern und einem Job in der Führungsetage steckten dabei selbst in einem "besonders großen Dilemma". Sie könnten im Beruf nur schwer kürzer treten und müssten häufig 50 bis 60 Stunden pro Woche arbeiten. Wenn die Möglichkeit der Kinderbetreuung in der Umgebung zusätzlich schlecht sei, schnappe in jungen Familien schnell die "Traditionalisierungsfalle" zu und die Frau bleibe zu Hause. "Auch wenn Väter das nicht wollen, geraten sie oft in die Rolle des Alleinernährers", sagte Schäfer.
Der Politologe plädierte für ein höheres Elterngeld – für einen Satz von 80 Prozent des Nettogehalts statt der aktuellen 67 Prozent. Nur so könne der Anteil von Männern in der Elternzeit gesteigert werden. "Bislang verliert man in dieser Zeit ein Drittel seines Einkommens", sagte Schäfer. "Das muss man sich leisten können."
Von der Leyen: Betriebe sollen familienfreundlich handeln
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) appelliert an die deutsche Wirtschaft, sich stärker für familienfreundliche Arbeitsbedingungen einzusetzen. Es gebe in Deutschland "Nachhol- und Lernbedarf" bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte von der Leyen. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft hätten bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Den Unternehmen etwa müsse klarwerden, welchen Nutzen Familienfreundlichkeit habe – für die Wirtschaftlichkeit einer Firma ebenso wie für die Zufriedenheit und die Motivation der Mitarbeiter.
Auch DGB-Chef Michael Sommer kritisierte, die Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit werde in Deutschland noch unterschätzt. Bei dem Thema gebe es zwischen den Gewerkschaften und der Großen Koalition "große Schnittmengen", betonte er. Strittige Punkte wie Mindestlohn oder Kündigungsschutz trennten beide Seiten jedoch. Dabei seien die Einkommens- und Arbeitsplatzsicherheit besonders wichtig für Familien.
ddp