Der Einzelhandel bleibt das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft. Der Umsatz der Branche fiel im Februar deutlich schwächer aus als erwartet.
Einzelhandelsumsatz sinkt im Februar unerwartet
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sanken die Erlöse gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt real um 1,6 Prozent. Damit lagen die Umsätze um 0,3 Prozent niedriger als im Februar 2007. Im Januar war auf Jahressicht noch ein Plus von 0,3 Prozent verzeichnet worden. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2008 setzte der Einzelhandel damit real genauso viel um wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Einschließlich der Umsätze von Tankstellen und mit Kfz wurde nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Februar ein Umsatzminus von 1,5 Prozent auf Monatssicht verzeichnet. Im Jahresvergleich ergab sich damit ein Umsatzrückgang um 2,4 Prozent. Im Januar war noch ein Anstieg um 2,7 Prozent verzeichnet worden.
Nach Einschätzung von Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), sind die Februar-Zahlen ernüchternd, liegen aber "noch im Bereich unserer Jahresprognose". Pellengahr warnte davor, den Februar überzubewerten, da er der umsatzschwächste Monat im Jahr sei. Zudem machten abgesehen vom Lebensmittelhandel die anderen Bereiche Hoffnung, dass 2008 "nicht so schlecht wird". Der HDE rechnet für dieses Jahr nach wie vor mit einem realen Umsatzplus im Einzelhandel von maximal 0,5 Prozent.
"Es scheint so zu sein, dass sich der Anstieg der Lebensmittelpreise negativ auf die Umsatzentwicklung ausgewirkt hat", sagte Pellengahr weiter. Der Einzelhandel müsse in den kommenden Monaten sehr vorsichtig sein und überlegen, ob er Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben könne. "Preiserhöhungen sind im Einzelhandel eben schwer durchzusetzen", sagte der HDE-Sprecher.
Bankvolkswirte zeigten sich von den Daten enttäuscht und sagten, dass der Einzelhandel das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft bleibe. Die schwache Entwicklung sei vor dem Hintergrund der zuletzt guten Stimmungsdaten aus dem Einzelhandel enttäuschend, sagte Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch. "Der Konsum wird zurzeit vor allem vom kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise belastet", sagte er.
Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei der HypoVereinsbank, äußerte die Hoffnung, dass starke Lohnsteigerungen wie im öffentlichen Dienst für etwas Konsumauftrieb sorgen sollten. Andererseits würden weiter steigende Preise für Energie und Nahrungsmittel die Kaufkraft in den kommenden Monaten schmälern.
Michael Wojtek/ddp