Die in München geplante Transrapid-Strecke vom Hauptbahnhof zum Flughafen wird nun doch nicht gebaut. Die Kosten wären mit bis zu 3,4 Milliarden Euro fast doppelt so hoch ausgefallen wie ursprünglich geplant.
Transrapid wird nicht gebaut
Erst am 25. September 2007 hatten der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und sein damaliger Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) nach jahrelangem Tauziehen die Einigung über die Finanzierung bekanntgegeben. Die Finanzierungssumme von 1,85 Milliarden Euro für die rund 37 Kilometer lange Strecke vom Münchener Flughafen in das Stadtzentrum wurde von Experten allerdings bereits damals bezweifelt, da ihr eine Studie aus dem Jahr 2002 zugrunde lag.
Dies räumte nun auch das Industriekonsortium ein. Die Industrie habe von Kosten deutlich über 3,0 Milliarden Euro, genauer 3,2 Milliarden Euro bis 3,4 Milliarden Euro gesprochen, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Der Bund sei jedoch nicht bereit, seinen Anteil von 925 Millionen Euro aufzustocken. Das Land Bayern wollte maximal 500 Millionen Euro beisteuern.
Beckstein von neuer Kostenschätzung enttäuscht
Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) kritisierte die am Projekt beteiligten Unternehmen. Er sei von der neuen Kostenschätzung "sehr enttäuscht". Er habe am Mittwoch durch einen Anruf von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn von der Kostensteigerung erfahren. Noch vor sechs Monaten hätten die Unternehmen Hochtief, Bilfinger&Berger, Max Bögl, ThyssenKrupp und Siemens ein Schreiben unterzeichnet, in dem sie die Kostensumme von 1,85 Milliarden Euro für "erreichbar" erklärt hätten. Grund für den Anstieg auf 3,4 Milliarden Euro sei vor allem der Bausektor, nicht die Teile für den Transrapid, betonte er.
Siemens-Chef Peter Löscher sagte stellvertretend für die am Konsortium beteiligten Unternehmen, das Konsortium sei nicht in der Lage gewesen, den Zielpreis einzuhalten.
Die bayerische Regierung will nun externe Gutachter beauftragen, Alternativen für die Anbindung des Flughafens zu suchen. "Eine Express-S-Bahn scheidet für uns aus, weil es exorbitant die Kosten nach oben treiben würde", sagte Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU).
Beckstein sieht trotz des Scheiterns weiter Chancen für die Transrapid-Technologie. Er hoffe auf arabische Länder, die USA oder China als Partner, sagte er. Die Industrievertreter kündigten an, die Transrapid-Technologie weiterzuentwickeln. Bahnchef Mehdorn bezeichnete die Ankündigung des Konsortiums, kein Angebot im bisherigen Budgetrahmen darstellen zu können, als enttäuschend. "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren", betonte er.
ddp
