Expertenkommission Forschung und Innovation Experten warnen vor Fachkräftemangel

In Deutschland gibt es nach Einschätzung eines unabhängigen Expertengremiums zu viele Hemmnisse für Forschung und Innovation.

Experten warnen vor Fachkräftemangel

Zwar sei die Bundesrepublik in diesem Bereich derzeit noch "recht gut positioniert", doch stehe man angesichts der erheblich verstärkten Innovationsanstrengungen anderer Industriestaaten vor großen Herausforderungen, wie der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation, Dietmar Harhoff, bei der Vorstellung des ersten Gutachtens des von der Bundesregierung berufenen Sachverständigengremiums sagte.

Danach nimmt Deutschland zwar etwa bei der Patentierung von Erfindungen eine weltweit führende Rolle ein. Die Ausgaben für Forschung und Innovation sind dem Gutachten zufolge jedoch im Vergleich zu Ländern wie Japan, Schweden und den USA nach wie vor zu niedrig. Zudem seien die Innovationsaktivitäten bei kleinen und mittleren Unternehmen seit 2000 zurückgegangen, und Deutschland konzentriere sich zu wenig auf die Spitzentechnologie als dem anspruchsvollsten Segment der Hochtechnologiegüter.

Kritik am Steuersystem

Zu den Gründen zählt die Expertenkommission unter anderem das Steuersystem in Deutschland, das die Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere junger, innovativer Unternehmen erheblich einschränke. So wirke etwa die unterschiedliche Behandlung von Eigen- und Fremdkapital als "Innovationsbremse".

Die Kommission plädiert daher dafür, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital zu verbessern. Zudem macht sie sich für eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung stark, mit der vor allem für den Mittelstand Anreize geschaffen werden sollen.

Auch fehlen dem Gutachten zufolge den Unternehmen zunehmend gut ausgebildete Mitarbeiter. Allein aufgrund der demografischen Entwicklung stehe der erhöhten Nachfrage ein immer geringeres Angebot gegenüber. Wenn hier nicht gegengesteuert werde, fehlten in fünf Jahren mehr als 100.000 Ingenieure und Naturwissenschaftler, schätzt die Kommission.

Sie fordert daher eine stärkere Öffnung Deutschlands für ausländische Fachkräfte. Ausländer, die hier zu Lande einen Studienabschluss erworben haben, sollten in der Bundesrepublik bleiben und arbeiten können.

Auch müsse die Erwerbsquote von bereits ausgebildeten Frauen gesteigert werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Expertenkommission, Hariolf Grupp. Er mahnte zugleich bessere Bildungschancen für sozial Benachteiligte sowie eine Senkung der Zahl der Studienabbrecher an. Zudem dringt das Gremium darauf, mehr Frauen für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge zu gewinnen. Diese Maßnahmen einschließlich der gezielten Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland könnten sich nicht gegenseitig ersetzen, sagte Grupp: "Sie müssen parallel und in Kombination mit Weiterbildungsmaßnahmen verfolgt werden."

Helmut Stoltenberg/ddp