Der Fall Zumwinkel war erst der Anfang: Die Steuerfahnder ermitteln bundesweit gegen mehrere hundert mehr oder weniger prominente Personen. Rund 700 Verfahren sind anhängig, in denen es um Steuerhinterziehung in Höhe von vier Milliarden Euro gehen soll.
Reiche Deutsche hinterzogen bis zu vier Milliarden Euro
Insbesondere geht es um Geldanlagen in Stiftungen im Fürstentum Liechtenstein, die "augenscheinlich allein zum Zweck der Steuerhinterziehung" eingerichtet worden seien, erklärt die Bochumer Staatsanwaltschaft. Den vorliegenden Erkenntnissen komme, wie interne Überprüfungen ergeben hätten, "eine sehr hohe Beweiskraft zu".
Mittelständler wie Prominente betroffen
Vielen bekannten Persönlichkeiten stehen laut Staatsanwaltschaft in den kommenden Tagen Razzien bevor. Das "Handelsblatt" berichtet, dass bereits mehrere hundert Täter enttarnt seien. Bei den Steuersündern handele es sich meist um reiche und prominente Deutsche. Namen seien noch nicht bekannt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, verfolgen die Steuerermittler bundesweit derzeit rund 700 Verfahren. Die Ermittlungen richteten sich gegen "etwa 1.000 Namen", heiße es in Sicherheitskreisen. Betroffen seien vermögende Deutsche "vom Mittelständler bis zum Prominenten". Außerdem zeichne sich ab, dass eine ganze Reihe vermögender Deutscher über Liechtenstein noch deutlich mehr Steuerhinterziehung betrieben habe, als im Fall Zumwinkel zu vermuten sei.
Die Erkenntnisse hätten mit dem sogenannten Batliner-Verfahren nichts zu tun, hieß es weiter. Bei dem Treuhänder Herbert Batliner aus Liechtenstein waren 1997 Dateien aus der Kanzlei gestohlen worden. Aufgrund der daraus folgenden Ermittlungen wurden inzwischen Dutzende Verfahren gegen Steuersünder abgeschlossen.
Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, haben inzwischen auch die Generalstaatsanwälte in Düsseldorf und Köln Staatsanwälte abgestellt, die zusammen mit Bochumer Kollegen die Fälle bearbeiten. Grund sei die Vielzahl der Fälle, die über den Bochumer Zuständigkeitsbereich hinaus bundesweit gelagert seien. Die Staatsanwälte arbeiteten dabei gemeinsam mit verschiedenen Steuerfahndungsstellen des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kriminalpolizei Essen.
Derweil meldet das Magazin "Stern" in seiner Online-Ausgabe, dass sich 725 brisante Datensätze deutscher Kunden der Liechtensteinischen Landesbank in der Hand von Erpressern befänden. Dem Institut seien 2.325 Datensätze gestohlen worden, es habe bislang 1.600 davon gegen Zahlung eines Schweigegeldes in Millionenhöhe zurückkaufen können, habe stern.de aus Ermittlerkreisen erfahren.
Der aus Deutschland stammende mutmaßliche Hauptverdächtige habe seit 2005 von der LLB Schweigegeld in Höhe von neun Millionen Euro kassiert, zitiert stern.de die Ermittlerkreise. Er sei im November 2007 am Hamburger Flughafen gefasst worden. Vorige Woche hätten die Ermittler auch drei Komplizen des Haupttäters festgenommen. Das habe der Sprecher der dafür zuständigen Rostocker Staatsanwaltschaft, Peter Lückemann, bestätigt. Weder die Liechtensteinische Landesbank noch die deutschen Ermittler hätten sich auf Nachfrage über Details der vermissten Datensätze äußern wollen.
ddp