Der Fall Zumwinkel beschäftigt das Handwerk. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt vor negativen Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft. Inzwischen ist der Post-Chef von seinem Amt zurückgetreten.
Elite wird Vorbildfunktion nicht mehr gerecht
"Man hat mitunter das Gefühl, dass gewisse Spielregeln für die da oben nicht mehr gelten", kritisierte der Generalsekretär des Zentralverbandes (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer. Es entstehe zuweilen der Eindruck, dass die gesellschaftliche Elite ihrer Vorbildfunktion nicht mehr gerecht werde. Allerdings warnte er auch davor, Unternehmer unter Generalverdacht zu stellen.
Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, wegen des Verdachts der Steuerhinterzieung.
"Wir drohen in eine Gesellschaft abzurutschen, die wir eigentlich schon überwunden glauben, nämlich in eine gespaltene Gesellschaft, wo Klassen wieder eine Rolle spielen", fügte Schleyer hinzu. "Die Verantwortung des Unternehmers liegt nicht nur darin begründet, am Qurtalsende die besten Zahlen vorzuweisen", mahnte der ZDH-Generalsekretär. Er regte eine Wertediskussion an.
Gleichzeitig warnte er vor einer Vorverurteilung Zumwinkels. Falls die Vorwürfe zuträfen, müssten die Verfehlungen allerdings entsprechend geahndet werden.
Post-Chef erklärt Rücktritt
Inzwischen hat Klaus Zumwinkel seinen Rücktritt zurück. Der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats der Deutschen Post habe den von Zumwinkel angebotenen Rücktritt angenommen, teilte das Unternehmen mit.
Wie es in der Mitteilung weiter heißt, hat sich der Präsidialausschuss mit dem Ermittlungsverfahren im Privatbereich von Zumwinkel befasst. Zumwinkel habe dem Ausschuss seine Entscheidung mitgeteilt, dass er im Interesse des Unternehmens sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Postbank AG zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats niederlegen werde. Der Präsidialausschuss respektiere diese Entscheidung und schlage dem Aufsichtsrat vor, zeitnah dem Wunsch nach Niederlegung nachzukommen.
Gleichzeitig dankte der Präsidialausschuss Zumwinkel für die "erfolgreiche unternehmerische Führung des Konzerns in den vergangenen 18 Jahren und für die hervorragende Leistung beim Aufbau des weltweit größten Logistikkonzerns".
ddp
