Diesen Tag dürfte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel so schnell nicht vergessen. Gegen 7 Uhr klingelten Ermittlungsbeamte der Bochumer Staatsanwaltschaft an der Tür seiner weißen Villa gegenüber dem Evangelischen Gemeindezentrum in der Mehlemer Straße im Kölner Stadtteil Marienburg.
Razzia bei Post-Chef Zumwinkel
Mehrere Stunden durchsuchten sie die privaten Räume eines der mächtigsten deutschen Wirtschaftsführer. Zeitgleich fand eine Razzia in den Büros des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post in der Bonner Konzernzentrale statt. Der Staatsanwaltschaft zufolge besteht der Verdacht, dass der 64-jährige rund eine Million Euro Steuern im Zusammenhang mit Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen hinterzogen habe.
Um 12.12 Uhr, als der Presseauflauf in der Mehlemer Straße bereits Ausmaße angenommen hatte, die zu ersten Beschwerden von Nachbarn führten, geleiteten die Beamten Zumwinkel zu einem Auto und fuhren mit ihm nach Bochum, um ihn dort in Begleitung seines Anwalts zu verhören.
Gegen 12.30 Uhr wurden mehrere Kartons mit beschlagnahmten Akten aus der Villa gebracht. Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, sei ein Haftbefehl außer Kraft gesetzt worden, da Zumwinkel sich kooperativ gezeigt und eine "Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe" angeboten habe. Zudem werde gegen weitere Beschuldigte ermittelt.
Post bestätigt Ermittlungen
Ein Sprecher der Deutschen Post bestätigte die Ermittlungen gegen Zumwinkel. Nach Informationen des ZDF und "Spiegel Online" sind die Razzien seit Wochen geplant gewesen. Wie "Spiegel Online" weiter berichtet, soll Zumwinkel seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung Steuern hinterzogen haben. Das Vermögen der Stiftung habe zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.
Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels werde bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Eine anonyme Anzeige soll das Steuerverfahren ausgelöst haben.
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Zumwinkel übernimmt einem Medienbericht zufolge Vorstandsmitglied Frank Appel vorerst die Führung des Konzerns. Dies berichtete die "Financial Times Deutschland" auf ihrer Internetseite. Appel gilt als designierter Nachfolger Zumwinkels, dessen Vertrag noch bis November 2008 läuft.
Eine Sprecherin der Deutschen Post wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Appel ist seit 2002 Vorstandsmitglied und verantwortet das Logistik-Geschäft und das internationale Briefgeschäft. Zumwinkel gilt als einer der mächtigsten deutschen Manager. Er führt seit 1990 als Vorstandsvorsitzender die Deutsche Post und ist der dienstälteste Chef eines DAX-Unternehmens. Zudem führt er die Aufsichtsräte von Deutscher Postbank und Deutscher Telekom und sitzt in den Kontrollgremien von Deutscher Lufthansa und Arcandor.
Am Wochenende hatten Spekulationen über Zumwinkels Ablösung als Telekom-Aufsichtsratschef die Runde gemacht. Die Aktie der Deutschen Post reagierte am Donnerstag mit einem deutlichen Plus von 4,1 Prozent auf 22,35 Euro.
Ralf Beunink/ddp