Bildungsmisere

Druck auf die Politik erhöhen

Inge Kloepfer, freie Autorin. Foto: privat

Bildungsmisere

Es gibt viele Möglichkeiten, ein Land herunterzuwirtschaften. Eine der sichersten Methoden ist es, nicht genügend in seine Menschen zu investieren. Genau dies passiert seit Jahren in Deutschland. 20 Prozent unseres Nachwuchses werden auf Dauer ohne Chance bleiben. Sie werden nichts beitragen können zur Wertschöpfung und damit für unsere Gesellschaft. Diese Kinder und Jugendlichen werden die Unterschicht von morgen sein. Und wenn man ihnen irgendwann die Unterstützung kürzt, weil sie nicht mehr finanzierbar ist, dann werden sie sich wehren.

Nun leistet sich Deutschland diese „Ausfallquote“ von 20 Prozent in einer Zeit, in der die Bevölkerung dramatisch altert. Und in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft durch den weltweiten Wettbewerb von einem Produktivitätsniveau zum nächsten getrieben wird. Damit Deutschland sein Wohlstandsniveau halten kann, müsste jeder Einzelne sehr viel produktiver werden. Im Moment sieht es nicht danach aus. Die Unternehmen haben das längst begriffen – allen voran das Handwerk. Es ist den Politikern weit voraus – auch in seinem Engagement für die Verlierer unseres Systems. Kein Wunder, spüren doch die Betriebe den Mangel an potenziellen, so dringend benötigten Fachkräften als Erste. Doch allein mit ihrem Engagement ist dieser gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Katastrophe nicht beizukommen. Es setzt bei Jugendlichen an, die häufig schon zu weit weg sind von den Normen einer leistungsorientierten Gesellschaft. Die Stellschrauben liegen in der Politik. Wenn die Kanzlerin in diesem Monat zum Bildungsgipfel lädt, müssen die Unternehmen – ob Handwerk oder Industrie, ob klein oder groß – den Druck erhöhen. Sonst wird sich nichts ändern.

Inge Kloepfer, Aufstand der Unterschicht. Was auf uns zukommt. Hoffmann und Campe 2008,
19,95 Euro