Dem Bürger mehr in die Tasche

Speziell das Handwerk braucht einen anziehenden Binnenkonsum

Von Lothar Semper

Dem Bürger mehr in die Tasche

Die Bundesbürger, die jetzt in den Sommerurlaub gefahren sind, haben eines schmerzlich gespürt: So teuer war der Urlaub bezüglich der Treibstoffkosten noch nie. Kommen die Urlauber nach Hause, dann werden ihnen demnächst auch noch die Rechnungen für höhere Heizkosten präsentiert. Es sind viele Milliarden Euro, die mittlerweile so der Kaufkraft entzogen werden. Die Staaten mit Öl- und Gasvorkommen geben zwar wieder viel Geld für Anschaffungen aus, wovon insbesondere die Exportindustrie profitiert.

Schwacher Binnenmarkt

Aber die Wirtschaftsbereiche, die auf den Binnenmarkt angewiesen sind, haben davon nichts. Leider kommt auch die deutsche Autoindustrie – ein Konjunkturmotor der letzten Jahre – ins Straucheln. Sie muss aber für sich selbst entscheiden, ob sie in den letzten Jahren auf sich abzeichnende wichtige Trends rechtzeitig reagiert hat. Sicherlich sollte man den Propheten, die bereits eine Rezession an die Wand malen, noch nicht folgen. Aber es lohnt schon, sich mit der Wirtschaftsentwicklung im Einzelnen und möglichen Maßnahmen im Besonderen intensiv auseinanderzusetzen. Auch muss die Frage gestellt werden, ob eine Wirtschaft, die über Jahre hinweg ihre wichtigsten Wachstumsimpulse nur aus dem Export gezogen hat, richtig aufgestellt ist. Am Handwerk kann exemplarisch nachvollzogen werden, welche Folgen dies nach sich zieht. Im letzten Jahrzehnt hat dieser Wirtschaftsbereich nicht nur Beschäftigte abbauen müssen, sondern auch deutlich Anteile an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung verloren. Dies ist aber keineswegs naturgegeben. Denn vielerorts zeigen sich bereits die Folgen mangelnder Neubauaktivitäten. Es ist festzustellen, dass die öffentliche Infrastruktur in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Und das Kernthema unserer Zeit – die Energie – ist eigentlich ein Kernthema des Wirtschaftsbereichs Handwerk. Nirgendwo ist die Kompetenz dafür so vorhanden. Aber, so komisch es klingen mag: Man muss sich Energiesparen auch leisten können. Deshalb kann man allen Politikern, die ihre verdiente Sommerpause genießen, nur raten, die Zeit auch dafür zu nutzen, darüber nachzudenken, wie es in Deutschland wirtschaftlich weitergehen kann.

Zu viel bleibt beim Fiskus

Ausschlaggebend für die binnenwirtschaftliche Entwicklung ist: Was hat der Bürger in der Tasche und was kann er dementsprechend auch ausgeben? Nach wie vor bleibt zu viel beim Fiskus hängen. Deshalb ist die Forderung des Handwerks aktueller denn je: Mehr Netto vom Brutto! Und das möglichst rasch! Verstärkt müssen dabei auch die Sozialabgaben in den Fokus genommen werden. Denn diese drohen dank Gesundheitsfonds weiter anzusteigen. Hier rächt sich die mangelnde Fähigkeit der Großen Koalition zu echten Strukturreformen.