Automatismus verteuert Gas
Gas- und Ölpreis weiter gekoppelt lassen?
Pro: Werner Brinker, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft:
Die Ölpreisbindung macht Sinn. In Verbindung mit langfristigen Lieferverträgen schützt sie vor einseitigen Preisvorgaben der Erdgasproduzentenländer.
Diese langfristigen Verträge zur Lieferung von Erdgas nach Deutschland sind eminent wichtig für unsere Versorgungssicherheit. Die Ölpreisbindung ist keine Einbahnstraße nach oben: Viele Versorger haben im vergangenen Jahr die Preise gesenkt, nachdem der Ölpreis gesunken war. Noch ein Grund: Die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis bewirkt, dass nicht jede kurzfristige Preisveränderung weitergegeben wird. Die Erhöhung – oder auch die Senkung – der Gaspreise erfolgt zeitversetzt und geglättet.
Was in der aktuellen Debatte über die Ölpreisbindung oft übersehen wird: Das Öl gibt nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt die Preise für Erdgas vor. Denn auch in Ländern ohne eine solche Bindung wie Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder Japan ist der Einfluss der globalen Ölpreisbewegungen auf die Gaspreisentwicklung sichtbar. Auch dort orientiert sich die Gaspreisentwicklung im langfristigen Trend an der Preisentwicklung des Öls als Konkurrenzenergie. Dies liegt vereinfacht gesagt daran, dass weltweit gesehen Erdgas und Erdöl wie austauschbare Produkte behandelt werden. Wegen der gesteigerten Nachfrage wird sie dann ebenfalls teurer.
Contra: Aribert Peters, Bund der Energieverbraucher
In den Gasbezugsverträgen ist der Gaspreis oft an den Ölpreis gekoppelt. Diese Klauseln sind wettbewerbsfremd, weil sie den Gaspreis an eine Größe binden, die auf dem Gasmarkt keine Rolle spielt. Die Gaspreise laufen deshalb den rasch steigenden Ölpreisen hinterher. Die Ölpreisbindung hat den Charakter einer unerlaubten Preisabsprache und sollte von den Kartellbehörden untersagt werden. Es gibt auf dem Gasmarkt Gas, das ohne Ölpreisbindung bezogen werden kann – deutlich günstiger als Gas mit Ölpreisbindung. Hinzu kommt, dass sich der Gaspreis bei steigenden Ölpreisen um höchst unterschiedliche Beträge erhöht: Am geringsten bei den Gasimporten und am stärksten bei den Endkundenpreisen. Das lässt sich beweisen und wird durch die unterschiedlich verwendeten Preisformeln bestätigt. Die Ölpreisbindung wird zusätzlich missbraucht, um entlang der Lieferkette mit steigenden Ölpreisen Gewinne zu erhöhen. Selbst bei sinkenden Ölpreisen haben Gasanbieter nichts zu befürchten, denn das Absinken der Gaspreise ist durch Vertragsklauseln gebremst. Die Gasbranche ist jedoch bereits dabei, sich von den überhöhten ölpreisgebundenen Citygate-Arbeitspreisen zu befreien. Bleibt zu hoffen, dass der Wettbewerb um Gaskunden bald dazu führt, dass die Ölpreisbindung dort landet, wo sie hingehört: in den Papierkorb.