Risiko Energiepreise

Wir brauchen eine langfristige und verlässliche Strategie

Risiko Energiepreise

Die Fakten sind eindeutig: Binnen Jahresfrist hat sich der Preis je Barrel Öl verdoppelt. Jeder von uns spürt es an der Tankstelle und an seiner Rechnung für Öl und Gas. Wer Diesel tankt, musste vor zehn Jahren pro Liter den Betrag noch in Mark entrichten, den er heute in Euro hinblättert. Über die Ursachen wird viel gestritten. Sind es die Spekulanten, die nach den Finanzmärkten nun die Rohstoffmärkte zum Kasino machen? Oder steckt dahinter eine dramatische Verknappung des Ölangebots? Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass rund 60 Prozent des Preises, den wir an der Zapfsäule entrichten, an den Bundesfinanzminister fließen.

Ölförderung am Ende?

Es wird darüber gestritten, ob die Ölförderung bereits den Peak überschritten hat, also den Punkt, ab dem die Ölförderung nicht mehr zunimmt, sondern kontinuierlich abnimmt. Die Experten sind hier uneins. Aber man darf unterstellen, dass ihre Prognosen zum Teil auch interessengeleitet sind. Fakt ist aber wohl, dass die Vorräte, die zu bisherigen Preisen abzubauen sind, allmählich zur Neige gehen. Auf der anderen Seite dürfte auch feststehen, dass bei höheren Preisen noch einiges in der Erde schlummern dürfte, was auf Jahrzehnte den Bedarf decken kann. Das sollte uns nicht zur Untätigkeit oder zu Aktionismus Anlass geben. Unter die Rubrik Aktionismus fallen wohl Vorschläge wie, Gas- und Strompreise zur sozialen Daseinsvorsorge zu erklären. Da macht es schon mehr Sinn, wie es auch Bundeswirtschaftsminister Glos angekündigt hat, die Preispolitik der Versorger zu überprüfen und über die Sinnhaftigkeit der Kopplung des Gaspreises an den von Öl nachzudenken. Noch entscheidender aber ist es, sich von fossilen Brennstoffen so unabhängig wie möglich zu machen. Deutschland hat hier schon einiges erreicht. Seit 1991 hat sich der nötige Energieeinsatz, um eine bestimmte Produktionsleistung zu erzielen, um ein Fünftel verringert. Auch beim Einsatz regenerativer Energien gehört Deutschland zu den Spitzenreitern. Was fehlt, ist eine in sich stimmige Energiestrategie. Sie bedarf einer nüchternen Bestandsaufnahme und mutiger Schritte für die Zukunft. Da darf dann auch die Kernenergie nicht außen vor gelassen werden. Es muss klar gesagt werden: Der Teller hat Vorrang vor dem Tank! Die Nahrungsmittelproduktion darf nicht unter der Förderung der Produktion von Bioenergie leiden.