Widersprüchliche Signale zur Wirtschaftsentwicklung
Selten gab es so unterschiedliche Indikatoren
Wer derzeit Aussagen zum aktuellen Stand und zur weiteren Entwicklung unserer Wirtschaft machen will, hat es nicht leicht. Zu unterschiedlich sind momentan die Veröffentlichungen zu wichtigen Teilentwicklungen. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte jüngst die detaillierten Ergebnisse zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im 1. Quartal des laufenden Jahres. Dieses hat gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent und gegenüber dem Vorjahresquartal (kalenderbereinigt) sogar um 2,6 Prozent zugenommen. Für den weiteren Verlauf der Konjunktur ist dies eine so gute Startbasis, dass einige Prognostiker ihre Wachstumserwartungen für 2008 bereits nach oben korrigieren. Ist dieser Optimismus begründet? Sorgen machen da einige Indikatoren durchaus! So ist der Einzelhandelsumsatz im April erneut gesunken. In den ersten vier Monaten betrug das Minus gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum 0,9 Prozent. Besserung ist da auch kaum in Sicht, wie der Rückgang des GfK-Konsumklimaindex zeigt. Hiobsbotschaften auch von der Preisfront: Nach ersten Ergebnissen sind die Verbraucherpreise im Mai um drei Prozent angestiegen. In diesem Zusammenhang lässt eine weitere Zahl aufhorchen: Von Januar bis März legten die Bundesbürger durchschnittlich 14,8Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante. Eine vergleichbar hohe Quote gab es zuletzt vor 15 Jahren. Wenig Erfreuliches auch für das Bauhauptgewerbe: Im März gab es real um 7,3 Prozent weniger Aufträge als im gleichen Vorjahresmonat. Im Hochbau, der für das Handwerk besonders wichtig ist, waren es sogar 9,7 Prozent. Auf den ersten Blick sehr erfreulich ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt aktuell knapp 3,3Millionen. Aber der Rückgang gegenüber April fiel geringer aus als im Durchschnitt der letzten Jahre. Wie ist dieses Zahlenwirrwarr zu deuten? Zunächst ist festzustellen, dass das wirtschaftliche Fundament trägt. Aber einzelne Bauteile bedürfen wohl der Verstärkung. Hauptsorgenkind ist und bleibt der private Verbrauch. Die hohe Sparquote zeigt, dass die Menschen in diesem Land erheblich verunsichert sind. Diese Verunsicherung abzubauen und Mut zur Zukunft zu machen, wäre auch Aufgabe der Politik. Eine Steuer- und Abgabensenkung wäre ein solches Signal. Doch die Selbstlähmung der Großen Koalition und die Aussicht auf über ein Jahr Dauerwahlkampf lassen zweifeln, ob der Politik diese Aufgabe so schnell gelingt.