Köhlers Warnung war kein Schnellschuss

Mangelnde Selbstkontrolle der Finanzwirtschaft

Köhlers Warnung war kein Schnellschuss

Bundespräsident Horst Köhler neigt eigentlich nicht zur Übertreibung. Und wenn ausgerechnet der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds, der noch früher in der deutschen Sparkassenorganisation tätig war, angesichts der Krise die Finanzmärkte als „Monster“ bezeichnete, die in ihre Schranken gewiesen werden müssten, hat er seine Gründe und wohl kaum aus dem Bauch heraus gesprochen oder mit Blick auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident Selbstdarstellung betrieben. Nein, Köhler zeichnet sich für gewöhnlich durch Zurückhaltung aus und durch ein in vielen Fällen faires und sorgfältig erwogenes Urteil. Schnellschüsse aus der Hüfte kann man dem Mann nicht vorwerfen. Warum dann ein von manchen als heftig und undifferenziert empfundener Angriff auf die Finanzmärkte?

„Monster“: Das ist, zugegeben, starker Tobak. Kein Wunder, dass jetzt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von einer generellen „Dämonisierung“ von Finanzinnovationen spricht und davor warnt, dass aus solchen Vergleichen Schäden für künftiges Wirtschaftswachstum entstehen könnten. Damit hat er sicher Recht, der monströse Vergleich passt von der Terminologie her wohl eher in die Märchenwelt. Wenn wir den Begriff genauer betrachten, verstehen wir, was der Erste Mann des Staates meint. Ein Monster ist ein „Lebewesen“, das außer Kontrolle geraten ist, das seine eigenen Schöpfer bedroht und (selbst)zerstörerisches Potenzial entwickelt. Und genau auf diesem Weg waren die Finanzmärkte: Sie haben eine Krise ausgelöst, die durch eine nicht mit ausreichenden Gegenwerten gedeckte Überbewertung von Immobilien, durch halsbrecherische Spekulationen mit komplizierten Finanzprodukten und durch einen gravierenden Mangel an Selbstkontrolle die Weltwirtschaft an den Rand einer schweren Krise manövriert hat. Nein, um „Peanuts“ handelt es sich bei den Milliardenverlusten bei den Kreditinstituten gewiss nicht, Kleinreden nützt nichts. Auch wenn Köhler alles andere getan hat, als die Finanzwirtschaft in Bausch und Bogen zu verurteilen. Er hat lediglich formuliert, was vielen Ökonomen längst schon auf der Zunge liegt: Die Finanzmärkte dürfen sich nicht noch weiter von der realen Wirtschaft abkoppeln. Unternehmen, und dazu gehören auch die Geldhäuser, die Fonds und Trusts, müssen sich an der Qualität und dem realen Bezug ihrer Produkte und Dienstleistungen messen lassen. Implizit ist dieser Forderung, dass gerade Banker und Broker diese verstehen und kontrollieren müssen. Alles andere führt in den nächsten Crash.