DHZ-Interview "Die Kauflaune der Deutschen nimmt zu"

Die Kauflaune der Deutschen nimmt zu. Für das Handwerk bedeutet das: Geduld haben. Denn mit einem gewissen Nachlauf folgen positive Auswirkungen, sagt Klaus Wübbenhorst, Vorstandschef des Marktforschungsunternehmens GfK, im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

"Die Verbraucher achten wieder mehr auf Qualität", sagt Klaus Wübbenhorst, Vorstandschef des Marktforschungsunternehmens GfK in Nürnberg. Foto: GfK

"Die Kauflaune der Deutschen nimmt zu"

DHZ: Lässt der Frühling die Kauflaune der Deutschen steigen?

Klaus Wübbenhorst: Die Kauflaune der Deutschen nimmt ganz klar zu. Das hat aber weniger mit dem Frühling als mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun. Bei unserer letzten Befragung im April äußerten sich die Deutschen sowohl zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung als auch zur Einkommenserwartung und zur Anschaffungsneigung positiv. Insgesamt rechnet der Deutsche also mit einer guten Entwicklung und deshalb steigt der Konsumklima-Index.

DHZ: Macht der hohe Energie- und Lebensmittelpreis den Verbrauchern denn gar nichts aus?

Wübbenhorst: Ganz und gar nicht. Aber sie sehen auch, dass die jüngsten Tarifabschlüsse im Vergleich zu den Vorjahren höher ausgefallen sind. Das nährt die Zuversicht, dass mehr Geld übrig bleibt. Deshalb steigt die Einkommenserwartung. Andererseits ist sie deutlich niedriger als vor einem Jahr. Das heißt, die Bürger sehen sehr wohl die höhere Inflation und die höheren Lebensmittel- und Energiepreise. Ich würde sagen: Die Verbraucher sind optimistisch, aber nicht euphorisch.

DHZ: Und sie lassen sich auch von der Finanzkrise nicht verrückt machen.

Wübbenhorst: Das stimmt. Die Finanzkrise trifft den Konsumenten nicht unmittelbar. Für ihn ist viel entscheidender, ob er einen Arbeitsplatz hat oder nicht. Und hier haben wird die gute Botschaft, dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt und die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze weiter steigt. Außerdem legen die Deutschen weniger Geld in Aktien und Aktienfonds an als noch vor ein paar Jahren.

DHZ: In den Chefetagen deutscher Unternehmen ist die Stimmung deutlich schlechter. Wie erklären Sie sich den Unterschied?

Wübbenhorst: Klar ist, dass die Unternehmen durch die Finanzkrise, etwa durch höhere Finanzierungskosten, stärker betroffen sind. Hinzu kommt, dass der starke Euro die Exporte schwächt. Beim Verbraucher werden sich die Konsequenzen daraus später niederschlagen. Deshalb hat sich der ifo-Geschäftsklima-Index im April verschlechtert, während sich der GfK-Konsumklima-Index verbessert hat.

DHZ: Wie äußert sich die bessere Stimmung der Verbraucher konkret?

Wübbenhorst: Zuerst einmal setzen die Verbraucher bei den Gütern des täglichen Bedarfs wieder mehr auf Qualität. Man greift wieder nach einer besseren Flasche Wein. In der Folge wird dann auch etwas mehr investiert. Es gibt dann vielleicht doch die neue Küchenmaschine oder das neue Fernsehgerät.

DHZ: Inwieweit könnte auch das Handwerk davon profitieren?

Wübbenhorst: Wenn die Verbraucher zuversichtlicher sind, kaufen sie nicht nur ein neues Fernsehgerät, sie lassen möglicherweise auch das Wohnzimmer streichen oder planen andere Renovierungen. Mit einem gewissen Nachlauf kommt die höhere Konsumlaune auch beim Handwerk an.

DHZ: Was könnte die gute Stimmung wieder zum Kippen bringen?

Wübbenhorst: Wenn der Inflationsdruck weiter steigt, dann ist das sicher schädlich für den Konsum. Entscheidend wird auch sein, ob die Politik die Rahmenbedingungen weiter verbessert oder aber Wahlgeschenke verteilt. Ich kann nur davor warnen. Dies würde die Berechenbarkeit und die Verlässlichkeit der Politik in Frage stellen und dem erfolgreich eingeleiteten Reformkurs nur schaden.

Interview: Karin Birk