Wirtschaftsforscher schätzen Risiken wohl zu gering ein
Prognose ohne Gewähr
Auf den ersten Blick reibt man sich beim Lesen der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute doch etwas verwundert die Augen. Da werden seitenweise die nicht unerheblichen Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland durchdekliniert. Das Nachlassen der weltwirtschaftlichen Expansion gehört genauso dazu wie die weltweiten Finanzmarktturbulenzen. Hinzu kommt der Preisauftrieb, der sich in den letzten Monaten erheblich beschleunigt hat. Die Verbraucherpreise betragen aktuell 3,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Trotz dieser düsteren Wolken am Horizont gehen die Konjunkturforscher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft besseren Zeiten entgegensieht. Denn die Frühjahrsprognose unterstellt zwar gegenüber 2007 ein schwächeres Wachstum. Insgesamt aber soll es immer noch real für 1,8 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr reichen. Woher nehmen die Experten ihren Optimismus?
Robuste deutsche Wirtschaft
Nun, sie gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft mittlerweile robuster geworden ist und mehr und mehr auch die Binnennachfrage zum Träger der wirtschaftlichen Entwicklung wird. Die Bundesregierung wird mit Freude das Lob registrieren, dass ihre Reformen zu dieser Robustheit der Wirtschaft in Deutschland beigetragen haben. Doch Vorsicht: Nicht alle Betriebe profitieren davon bislang in gleichem Maße. Und es besteht auch keinerlei Grund, sich auf diesem Lob auszuruhen! Deutschlands Wirtschaft ist nach wie vor gespalten in die Branchen, die in hohem Maße vom Export profitieren, und in die Branchen, die von der Binnenkonjunktur abhängig sind. Zu Letzteren zählt gerade auch das Handwerk, das auf den privaten Verbrauch und Bauinvestitionen – hier wieder ganz besonders im privaten Wohnungsbau – angewiesen ist. Diese Größen entwickeln sich seit Jahren unzureichend und waren von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Auch für 2008 und 2009 liegt die Zunahme des privaten Verbrauchs nach den Prognosen unterhalb des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts, wenn sich auch der Abstand deutlich verringert. Deshalb bleibt die Politik gefordert. Die Wirtschaftsforschungsinstitute plädieren selbst dafür, im Bereich der Steuerpolitik zumindest heimliche Steuererhöhungen zu vermeiden. Da kann sich das Handwerk mit seinem Motto „Mehr Netto vom Brutto“ bestätigt fühlen.