Handwerk braucht Azubis

Der drohende Lehrlingsmangel erhöht den Druck auf die Betriebe

Handwerk braucht Azubis

Während die Partei der Linken und Teile der Gewerkschaften noch immer auf eine Ausbildungsabgabe drängen, kündigt sich ein Problem an, das vielerorts in seiner Tragweite noch nicht erkannt wird: der Lehrlingsmangel. Es ist jedoch zu befürchten, und das ist ohne Häme gesagt, dass bald auch diejenigen, die sich nur schwer tragfähige Kooperationen zwischen Arbeitgebern und -nehmern vorstellen können und staatlichen Dirigismus bevorzugen, den Ernst der Lage begreifen.

Dabei sieht die Situation im Moment noch alles andere als dramatisch aus: 6,6 Prozent mehr Lehrverträge hat allein das Handwerk im vergangenen Jahr abgeschlossen – ein Erfolg, den wenige, vor allem nicht die Kritiker des Ausbildungspakts, vorausgesehen haben. Diese Zahl darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwischen den alten und neuen Bundesländern ein Graben klafft: Im Osten Deutschlands suchen Handwerksbetriebe vielerorts schon seit zwei oder drei Jahren händeringend Auszubildende.

Das ist dem demografischen Wandel mit immer weniger Schulabgängern geschuldet. Wie die Handwerkskammer zu Leipzig vor einem halben Jahr vorrechnete, dürfte der Lehrlingsmangel im Osten jedoch erst ab 2010 wirklich dramatisch werden: Dann wird die Zahl der Schulabgänger beinahe auf ein Drittel ihres Wertes von Mitte des Jahrzehnts fallen.

Die aktuelle Warnung von ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer hat viele aufgeschreckt. Schleyer erklärte in einem Interview, dass infolge der anhaltenden Belebung des Arbeitsmarkts und der demografischen Entwicklung qualifizierte Bewerber für Ausbildungsberufe im Handwerk immer öfter vergebens gesucht würden und sich der Lehrlingsmangel, zwar mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, im Endergebnis aber in allen Bundesländern zunehmend verschärfen werde. Die Warnung ist gut und richtig, sie muss aber auch die Adressaten treffen. So fordert die Handwerkskammer für München und Oberbayern, dass das Handwerk Strategien im Wettbewerb um Nachwuchskräfte entwickeln muss. Darüber hinaus sei es erforderlich, die Qualität und Attraktivität der beruflichen Bildung im Handwerk selbst weiter zu steigern.

Offensichtlich bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung: Neben der Verbesserung der schulischen Bildung (Stichwort Hauptschule) und eines nachhaltigen Werbefeldzugs aller Teile der Handwerksorganisation ist auch jeder Betriebsinhaber selbst gefordert. Auszubilden heißt, junge Menschen für den eigenen Beruf zu begeistern – und das heißt, die Zukunft zu sichern.