Krise ohne Ende?

Nur eine konzertierte Aktion kann die Finanzkrise bewältigen

Krise ohne Ende?

Ist es eine Kapitulationserklärung, wenn der Chef der Deutschen Bank angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten nach dem Staat ruft, weil er nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte glaubt? Wie auch immer – weltweit ist eine intensive Debatte über die Verfassung unserer Finanzmärkte und den daraus entstehenden Handlungsbedarf in Gang gekommen. Für jeden, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und über einen gesunden Menschenverstand verfügt, war eigentlich schon seit langem klar, dass manches, was sich da rund um den Globus auf den Finanzmärkten tut, nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Es wurden Finanzprodukte geschnürt, die von niemandem mehr verstanden und eingeschätzt werden konnten. Nun reiben sich die Bankenmanager, die für ihre zweifelhaften Erfolge reichlich Boni vereinnahmt haben, verwundert die Augen und keiner will es gewesen sein.

Der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bringt es auf den Punkt, wenn er feststellt: Die Party ist vorbei. Die Milliardenspritzen, die jetzt die Notenbanken ins Finanzsystem pumpen, können nur vorübergehend helfen. Nötig ist national – wie auch der Bundesfinanzminister feststellte – eine konzertierte Aktion von Politik, Bundesbank, Bankenverbänden und Bankinstituten. Nicht weniger wichtig aber ist auch ein international abgestimmtes Krisenmanagement. Auf keinen Fall darf es dazu kommen, die ganzen Lasten auf den Steuerzahler abzuladen. Auch wäre es die falsche Schlussfolgerung, wenn sich der Staat noch stärker als Banker betätigen würde. Einige Landesbanken und das Beispiel IKB zeigen, dass das auch nicht funktioniert. Das Wichtigste ist jetzt: Vertrauen schaffen! Und zwar Vertrauen in das Bankensystem und Vertrauen in die Zukunft. Das geht aber nur, wenn Investoren beispielsweise darauf bauen können, dass sie ihre Vorhaben solide finanzieren können, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen auf Grund von Kreditverkauf plötzlich ein anderer „Partner“ gegenübersteht. Kredit kommt von Vertrauen – daran sollte man sich wieder erinnern. Die Regierungen werden nicht umhin kommen, sich auf internationale Regelungen zur Banken- und Finanzaufsicht zu verständigen. Ob das alles allerdings ausreicht, einen vorübergehenden wirtschaftlichen Abschwung aufzuhalten, ist durchaus ungewiss. Aber es ist Voraussetzung dafür, dass sich die Weltwirtschaft langfristig stabil entwickeln kann. Aktuell sind die Bremsspuren, die die Finanzkrise hinterlassen hat, allerdings bereits sehr tief. Davon ist zwar Amerika am stärksten betroffen. Aber auch andere Staaten werden nicht ungeschoren davonkommen. Untergangspropheten sind jedoch nicht gefragt.