Neue Untersuchung bestätigt Warnungen des Handwerks
Die Mittelschicht – der große Verlierer
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat kürzlich eine aufsehenerregende Untersuchung mit dem Titel „Schrumpfende Mittelschicht – Anzeichen einer dauerhaften Polarisierung der verfügbaren Einkommen?“ veröffentlicht. Danach ist der Anteil der Bezieher mittlerer Einkommen an der gesamten Bevölkerung in Deutschland von 62 Prozent im Jahre 2000 auf 54 Prozent im Jahre 2006 gesunken. Die Wahrscheinlichkeit, in untere Einkommensklassen abzusinken, ist für die Mittelschicht höher geworden als die Wahrscheinlichkeit, in höhere Einkommensklassen aufzusteigen. Dabei geht es wohlgemerkt um Nettoeinkommen. Das Handwerk hat dies gerade in jüngster Zeit mit seiner Forderung „Mehr Netto vom Brutto“ ebenfalls thematisiert. Wie berechtigt diese Forderung ist, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im früheren Bundesgebiet beträgt der Anteil des Nettoverdienstes am Bruttoverdienst bei ledigen Arbeitern gerade noch 58,9 Prozent, bei ledigen Angestellten sogar nur noch 54,2 Prozent. Dies sind wohlgemerkt Durchschnittswerte. Im Einzelfall kann es durchaus dazu kommen, dass vom Bruttoverdienst netto nicht einmal mehr die Hälfte verbleibt. Wenn man indirekte Steuern wie Umsatz- und Mineralölsteuer mit berücksichtigt, dann ist dies schon längst der Fall. Der Mittelstand sitzt in der Steuer- und Abgabenfalle. Untere Einkommen haben Nutzen aus hohen Freibeträgen und einem abgesenkten Eingangssteuersatz. Bei den mittleren Einkommen aber ist sehr schnell der Spitzensteuersatz erreicht – bei Ledigen genügt dafür heute bereits das 1,7-Fache des Durchschnittverdienstes. Sie werden ferner massiv von der kalten Progression getroffen. Mit jeder Gehaltserhöhung rutschen Arbeitnehmer automatisch in die höhere Progression. Lohnerhöhungen, die die Inflation ausgleichen sollen, müssen deshalb immer höher sein als die Inflation selbst und gefährden damit wieder Arbeitsplätze. Darauf muss der Gesetzgeber reagieren. Und deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Bundeswirtschaftsminister Glos schon vor einiger Zeit die Debatte um eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer angestoßen hat. Die Ergebnisse der Studie des DIW verdienen allerdings nicht nur wirtschaftspolitische, sondern auch gesellschaftspolitische Aufmerksamkeit. Der Mittelstand ist die tragende und stabilisierende Kraft. Der Erfolg der Bundesrepublik ist der Erfolg des Mittelstandes. Doch die Mittelschicht ist erheblich verunsichert. Immer mehr machen sich auch aus dieser Schicht Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation. Das Handwerk und andere vom Binnenmarkt abhängige Wirtschaftsbereiche spüren dies seit Jahren an der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Das Thema gehört schnellstens auf die Agenda der Politik!