Handwerkswirtschaft: Privatkundengeschäft bleibt verhalten
Geringes Aufwärtspotenzial
Die Handwerkswirtschaft hat in Deutschland im Jahr 2007 an Schwung verloren. Wesentliche Gründe dafür waren die Nachfrageausfälle wegen der Mehrwertsteueranhebung und der Abschaffung der Eigenheimzulage sowie die Kaufkraftverluste der Privathaushalte.
Für die Entwicklung im Jahr 2008 spielen Sondereffekte keine unmittelbare Rolle mehr, vielmehr kommen wieder die Fundamentaldaten des konjunkturellen Umfeldes zum Tragen: Zum einen werden sich die Baukonjunktur und die Investitionsdynamik abschwächen, was das Bauhandwerk und die Zulieferer zu spüren bekommen. Zum anderen soll der private Verbrauch anziehen und dadurch die konsumnahen Handwerksbranchen stützen. Schließlich kann eine Normalisierung der Pkw-Nachfrage dem Kraftfahrzeuggewerbe wieder moderate Ergebniszuwächse bringen. Angesichts dieses Szenarios ist für das Handwerk ein leichtes nominales Umsatzplus und eine annähernd stabile Beschäftigung möglich.
Die Beschäftigung ist 2007 erstmals seit 1996 wieder geringfügig gestiegen. In der zweiten Jahreshälfte ist aber der Personalaufbau allmählich ins Stocken geraten. Das Handwerk dürfte daher mit keinem Personalüberhang ins neue Jahr gehen. Im Laufe des Prognosezeitraumes werden vom konjunkturellen Umfeld sowohl dämpfende als auch stimulierende Effekte ausstrahlen. So wird sich der rückläufige Wohnungsneubau negativ auf die Beschäftigung auswirken. In den konsumnahen Branchen kann die eher verhaltende Belebung der Verbrauchskonjunktur zwar kaum zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, aber sie sollte den Handwerksbetrieben zumindest die Sicherung der bisherigen Stellen erleichtern. Dagegen können die Zulieferer dank der weiterhin expandierenden Nachfrage wahrscheinlich erneut zusätzliche Mitarbeiter einstellen. In diesem Handwerkssegment wird auch am häufigsten über Fachpersonalmangel geklagt. Die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 4,2 auf 3,3 Prozent ist zu begrüßen, ein nennenswerter Einfluss auf die Beschäftigung ist aber nicht zu erwarten. Insgesamt wird das Handwerk Mühe haben, das Beschäftigungsniveau annähernd stabil zu halten, somit dürfte die Erwerbstätigenzahl 2008 jahresdurchschnittlich knapp 4,8 Millionen betragen.
Die Umsätze legten 2007 nominal nur noch geringfügig zu. Hauptgründe für das schwache Ergebnis waren zum einen Umsatzverlagerungen ins Vorjahr und zum anderen der Kaufkraftentzug der privaten Haushalte, wofür fiskalpolitische Maßnahmen und die hohen Energiepreise verantwortlich zeichneten. Nach dem Abklingen der Sondereinflüsse wird die Umsatztätigkeit der Betriebe im Jahr 2008 wieder in erster Linie von den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Diese lassen für das Handwerk eine leichte Aufwärtstendenz beim Umsatz erwarten. So setzt das Kraftfahrzeuggewerbe darauf, dass sich das Geschehen auf dem Automarkt normalisiert, was für die Branche ein moderates Umsatzplus bedeuten würde. Während sich den Zulieferern dank der anhaltend regen Nachfrage aus dem Aus- und Inland weitere Wachstumsspielräume eröffnen, muss das Bauhandwerk wegen der rückläufigen Wohnungsneubautätigkeit wahrscheinlich Abstriche bei der Umsatzentwicklung machen. Die konsumnahem Branchen hoffen zwar auf Rückenwind von der Verbrauchskonjunktur, aber angesichts der bestehenden Unsicherheiten über das Ausmaß der Nachfragebelebung ist hier Vorsicht geboten. Alles zusammengenommen scheint dieses Jahr ein nominaler Umsatzanstieg von 1 bis 1,5 Prozent erreichbar.
Im letzten Jahr haben die Handwerksunternehmen ihr Investitionsbudget spürbar aufgestockt. Der Aufwärtstrend wird sich 2008 mit deutlich abgeschwächtem Tempo fortsetzen. In den ersten Monaten des Prognosezeitraumes werden die Firmeninhaber die Investitionstätigkeit drosseln, weil sie wegen der attraktiven Abschreibungsbedingungen noch verstärkt 2007 Ausrüstungsgüter eingekauft haben. Im weiteren Jahresverlauf sollte sich dann die Anschaffungsneigung für Maschinen, Fahrzeuge und Werkzeuge wieder leicht erholen. Dafür sprechen die insgesamt noch zufriedenenstellenden Geschäftsaussichten sowie der anhaltende Rationalisierung- und Modernisierungsdruck. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten zu keinen restriktiveren Kreditkonditionen führen, wofür es nach Meinung der Banken aber bisher keine Anzeichen gibt. Denn die Handwerker sind aufgrund der schmalen Eigenkapitalausstattung auf Fremdfinanzierung angewiesen. Aus heutiger Sicht ist eine Erhöhung des Investitionsvolumens um ein Prozent auf gut 13 Milliarden Euro zu erwarten.
Die Ertragslage hat sich 2007 auf einem immer noch unbefriedigenden Niveau verfestigt. Für das laufende Jahr ist mit keiner grundlegenden Veränderung zu rechnen. In einzelnen Branchen sind je nach Konjunktur und Marktstellung durchaus Abweichungen vom Gesamttrend möglich.
Die Preise für Rohstoffe, Energie, Materialen und Vorprodukte werden zwar langsamer steigen, eine Entspannung auf der Ausgabenseite ist aber nicht erkennbar. Die Anhebung der Tariflöhne nimmt heuer stärker zu. Die zusätzliche Kostenbelastung wird aber durch den ab 1. Januar 2008 abgesenkten Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung etwas abgemildert.
An der Verkaufsfront lässt der harte Konkurrenzkampf wenig Spielraum für notwendige Preisanhebungen.