Jamaika oder Doppel-Rot?

Autofahrer nerven vor allem drei Dinge: Staus, andere Autofahrer – und Ampeln. Letztere sind deshalb so unbeliebt, weil sie den Verkehrsfluss bremsen. Politische "Ampeln" sind da nicht besser. Eine Glosse von Roman Leuthner

Jamaika oder Doppel-Rot?

Auch sie bremsen den Verkehrsfluss, zum Beispiel die Bildung einer neuen Regierung. So geschehen in Hessen, wo man sich zwar mit dem allfälligen Verweis auf "hessische Verhältnisse" tröstet, gleichwohl aber hartnäckig auf der Bremse steht.

Natürlich ist der Wähler an allem schuld. Wie konnte er auch nur so kunterbunt wählen, so dass jetzt zwischen Rot-Gelb-Grün (Ampel klassisch), Schwarz-Gelb-Grün (Ampel jamaikanisch) und Rot-Rot-Grün (rote Ampel) jede Konstellation vorstellbar ist. Gott sei Dank nur theoretisch, denn stellen Sie sich als Autofahrer, dem nichts über das Influsshalten der Dinge geht, eine Ampel mit Doppel-Rot vor! Kein Gasgeben bei der mittleren Lampe, die für gewöhnlich gelb strahlt; nichts da: Dauerstau. Oh je, was für eine Vorstellung! Doch – nur mit der Ruhe, so weit werden es die Wahlprozente-Arithmetiker schon nicht kommen lassen, da ist SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti vor, die versprochen hat, weder mit der CDU noch mit den Linken zu koalieren.

Gut, dann kommt es halt doch zur klassischen Ampel, spekulieren wir. Denkste! Denn da wollen die gelben Liberalen nicht mitziehen, da sie sich, wie sie betonen, "nicht vor den Karren spannen lassen" wollen. Seit wann eigentlich? Das heißt: Es kann dauern. Vielleicht erleben wir doch noch eine Jamaika-Ampel. Dann hätten wir mittelamerikanische Verhältnisse in Hessen – und die Bananenrepublik wäre nicht mehr weit. Pardon, nein, so weit wollen wir es dann doch nicht kommen lassen!