DHZ-Interview Kreditzinsen dürften niedrig bleiben

Die Krise an den internationalen Finanzmärkten beunruhigt den Mittelstand. Der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Christopher Pleister, zerstreut diese Sorgen im DHZ-Interview. Interview: Karin Birk, Berlin

Christopher Pleister bezeichnet das deutsche Bankensystem als sicher. Foto: BVR/Bernd Lammel Teaserfoto: ddp

Kreditzinsen dürften niedrig bleiben

DHZ: Kann man den Banken angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten noch trauen?

Pleister: In jedem Fall. Die deutschen Banken sind durch ihre Sicherungssysteme so abgesichert, dass sie ihren Verpflichtungen jederzeit nachkommen können. Die Sicherungseinrichtung der Volksbanken und Raiffeisenbanken sichert sogar den Bestand jedes einzelnen Instituts.

DHZ: Sie selbst sahen nach den Turbulenzen der Finanzmärkte im Spätsommer 2007 den Höhepunkt der Finanzmarktkrise schon überschritten. Hat Sie ihr Ausmaß jetzt selbst überrascht?

Pleister: Ich wäre mit dem Begriff Krise vorsichtig. Tatsache ist, dass die Mittelstandsbank IKB und die Landesbank Sachsen in Schwierigkeiten gekommen waren. Für diese Institute ist der Begriff der Krise angebracht. Bei der Entwicklung der Börsenkurse kann man noch von Kurskorrekturen sprechen, denn sowohl der deutsche als auch der amerikanische Aktienmarkt waren relativ hoch bewertet.

DHZ: Inwieweit sind die Genossenschaftsbanken in die Turbulenzen verwickelt?

Pleister: Wir sind von den aktuellen Problemen an den Finanzmärkten nicht besonders betroffen. Dies liegt vor allem an unserem Geschäftsmodell: Wir leben von den Einlagen der Kunden, die wir an unsere Kreditkunden verleihen. Verbriefungen bonitätsschwacher amerikanischer Hypotheken, so genannte Subprimes, haben wir fast gar nicht gekauft. Deshalb haben wir auch keinen großen Abschreibungsbedarf. Allerdings gibt es aufgrund der Börsenentwicklung stichtagsbedingte Abschreibungen auf Wertpapiere, bei denen wir davon ausgehen, dass sie auch weitgehend wieder korrigiert werden. Aber auch hier handelt es sich um Abschreibungen in nicht nennenswertem Umfang.

DHZ: Müssen Kunden von Genossenschaftsbanken wie in Amerika davon ausgehen, dass Ihre Kreditdarlehen verkauft werden?

Pleister: Nein. Wir halten hier an unserer bisherigen Geschäftspolitik fest. Danach muss kein Kunde einer Volks- oder Raiffeisenbank damit rechnen, dass sein Darlehen ohne sein Wissen weiterverkauft werden kann und er mit anderen Kreditkonditionen konfrontiert wird.

DHZ: Sehen Sie die Gefahr einer Kreditklemme für den Mittelstand?

Pleister: Für Deutschland sehe ich auch weiterhin keine Kreditklemme. Der Großteil der mittelständischen Unternehmen ist Kunde von Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Diese werden den Unternehmen auch weiterhin das benötigte Kapital zur Verfügung stellen. Für die Volks- und Raiffeisenbanken kann ich nur sagen, die Turbulenzen der Börse tangieren unsere Kreditvergabe nicht.

DHZ: Gilt das auch für die Konditionen oder müssen Unternehmer heute höhere Risikozuschläge bezahlen?

Pleister: Wir haben unsere Kriterien nicht verschärft. Für einen Kredit zahlt ein Kunde heute so viel wie vor sechs Monaten.

DHZ: Wo sehen Sie die Zinsen in den nächsten Monaten und was bedeutet das für Kreditzinsen?

Pleister: Ich rechne mit einem leicht rückläufigen Zinsniveau, so lange noch Unsicherheit auf den weltweiten Kapitalmärkten besteht. Die Kreditzinsen dürften deshalb auch eher niedrig bleiben.

DHZ: Sie sprechen selbst von Unsicherheit. Was raten Sie einem normalen Anleger?

Pleister: Zum Verkaufen ist es sicher zu spät. Angesichts der Entwicklung am deutschen Aktienmarkt können selektive Käufe solider Papiere aber durchaus schon wieder Sinn machen.