Für Panik gibt es keinen Grund, allerdings besteht erheblicher Handlungsbedarf
Finanzmärkte in der Krise
Noch vor wenigen Monaten konnte wohl kaum jemand etwas mit dem Begriff „Subprime“ anfangen. Mittlerweile hat sich jedoch herumgesprochen, dass damit Kredite gemeint sind, die überwiegend an Kreditnehmer mit geringer Bonität vergeben werden. Die Schockwellen der US-Immobilienkrise haben nun auch die internationalen Finanzmärkte erfasst. Die Börsenkurse gingen auf Talfahrt und erholen sich erst allmählich wieder. Zahlreiche Bankhäuser kamen in Schieflage. Das Ende dieses Prozesses ist wohl noch nicht erreicht. Vertrauensfördernd für das internationale Finanz- und Bankenwesen war gewiss auch nicht die Tatsache, dass ein kleiner Bankangestellter fast fünf Milliarden Euro verzocken konnte.
Finanzwelt als globales Kasino?
Da fragt man sich dann doch besorgt: Was ist in dieser Finanzwelt noch alles möglich? Tatsache ist wohl, dass kaum noch jemand überblickt, was tagtäglich auf dem Globus an finanziellen Transaktionen getätigt wird. Ist unser Finanz- und Bankwesen nur noch ein globales Kasino? Hoffentlich nicht! Denn kaum ein Bereich ist so vom Vertrauen abhängig wie der Finanzsektor. Finanzentscheidungen sind oftmals langfristige Bindungen. Man denke nur an den allseits propagierten und dringend notwendigen Aufbau einer privaten Alterssicherung sowie an die Finanzierung von Immobilien. Auch ist ein Wirtschaftsbereich wie das Handwerk aufgrund seiner Eigenkapitalschwäche dringend auf Fremdkapital zu tragbaren Konditionen angewiesen. Es gehört wohl zum Geschäft, wenn namhafte Bankenvertreter reihum beteuern, dass es keine Kreditklemme gibt und mit keinem Anstieg der Kreditzinsen zu rechnen ist. Gesundbeten alleine hilft allerdings nicht.
Um die Finanzmärkte zu stabilisieren und langfristig Vertrauen sicherzustellen, ist mehr nötig. Sowohl auf internationaler wie auf nationaler Ebene sind die Akteure dringend gefordert, ihre Hausaufgaben zu machen. Bundesbank-Vizepräsident Zeitler ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn er eine stärkere Rückkehr zu alten Tugenden der Finanzierung einfordert. Auch Fragen der Bankenaufsicht müssen neu diskutiert werden. Und noch eine Lehre ist wichtig: Gerade das amerikanische Bilanzrecht konnte die dortige Immobilienkrise nicht verhindern. Dies sollten all die bedenken, die die amerikanischen Standards IAS und IFRS auch dem Mittelstand in Deutschland überstülpen wollten. Für die Debatten zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz gibt es gute Argumente, um ein Wahlrecht zwischen HGB-Bilanzierung und IFRS-Abschluss für nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen des Mittelstandes strikt abzulehnen. Die Politik muss ferner die Stärkung der Fähigkeit unserer Unternehmen, Eigenkapital zu bilden, deutlicher in den Fokus nehmen.