Die Sitten auf den Baustellen werden rauer. Mit der "Initiative Faires Handwerk" will die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main gegensteuern.
Ulrich Steudel

Auf ehrbares Handwerk treffen die Malergesellen auf den Baustellen im Raum Frankfurt/Main, Offenbach und Darmstadt immer seltener. Nicht selten verstecken sich hinter undurchsichtigen Ketten von Subunternehmen illegale Beschäftigung, Lohn- und Preisdumping. Mit ihrer Initiative für faires Handwerk möchte die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen.
Die teilnehmenden Betriebe verpflichten sich, bei allen Kernleistungen ihres Gewerks (Malerarbeiten, Wärmedämmung und Putz) ausschließlich eigene, sozialversicherungspflichtig angestellte Mitarbeiter einzusetzen. Nur bei Auftragsspitzen oder in fremden Arbeitsfeldern dürfen auch Subunternehmer oder Leiharbeiter hinzugezogen werden. Sie müssen jedoch dem Kunden als solche kenntlich gemacht werden und alle Dokumente und Erlaubnisse müssen vorliegen. Darüber hinaus verpflichtet das Siegel "100 Prozent faires Handwerk" die Betriebe zur Einhaltung des Mindestlohns, zur Abgabe an die Sozialkassen sowie zu Arbeits- und Datenschutz.
Abmahnungen gegen illegale Beschäftigung
Felix Diemerling, dem Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, sind skupellose Anbieter auf dem Bau schon lange ein Dorn im Auge. Über Sub-Subunternehmerketten umgehen sie die Gesetze und beuten zumeist osteuropäische Arbeiter als Scheinselbstständige aus. Seit 2012 geht die Innung gegen illegale Praktiken auf den Baustellen der Region wettbewerbsrechtlich vor. Rund 600 Abmahnungen wurden seither ausgesprochen. "Jeden Fall haben wir gewonnen", erklärt Diemerling.
Mit der Initiative faires Handwerk will die Malerinnung dem Thema illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit nun einen positiven Anstrich geben. Denn Nutznießer von fairen Bedingungen auf dem Bau seien ja nicht nur die Handwerksbetriebe, die sonst immer mehr Marktanteile verlieren, oder die ausgebeuteten Billiglöhner. Auch die Allgemeinheit profitiere, wenn Handwerksbetriebe in die Sozialkassen einzahlen und Steuern abführen.
Zudem verweist Diemerling darauf, dass Auftraggeber bei illegalen Anbietern erhebliche Haftungsrisiken eingehen und im Gewährleistungsfall oftmals auf dem Schaden sitzen bleiben. Mit Innungsbetrieben, die sich der Fairness-Initiative angeschlossen haben, hätten sie hingegen sogar doppelte Sicherheit. Diese müssen einerseits eine Haftpflichtversicherung vorlegen, und sollte doch ein Betrieb ausfallen, behebt ein anderer Innungsbetrieb die Mängel. Außerdem gehört die Vorlage der Freistellungsbescheinigung des Finanzamtes zum Steuerabzug bei Bauleistungen bei der Initiative zum Service.
Schwarzarbeit nicht tolerieren
30 Betriebe aus dem Innungsgebiet haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Aber dabei soll es nicht bleiben. Die Initiative hat Vorbildcharakter weit über den Großraum Frankfurt hinaus, wie Malermeister Diemerling aus den vielen Anfragen vor allem aus Süddeutschland weiß. Matthias Bucksteeg, Geschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, hält die Aktion ebenfalls für richtig und unterstützenswert. "Das Handwerk muss zeigen, dass es Schwarzarbeit und die Flucht aus den Sozialsystemen nicht toleriert. Wir dürfen das nicht als Angelegenheit zwischen Staat und Betrügern betrachten und müssen verhindern, dass solche Machenschaften auf dem Bau als normal betrachtet werden", sagt Bucksteeg.
Die Teilnehmer der Initiative berufen sich auf ihre Handwerkerehre, jenen Ehrenkodex, der für Zuverlässigkeit, Vertrauen, Qualität und Ausbildung steht, aber auch für Fleiß, Treue und Ehrlichkeit. Denn ehrlich währt am längsten.
