Branchentrend Deutschlands erster "Brezen-Drive-in"

Einen Drive-in kennt man eher von Fast-Food-Restaurants, doch eine Bäckerei in Bayern bietet auch einen Service für Brezeln an. Wo Deutschlands erster Brezen-Drive-in steht und was das Gebäck dort so besonders macht.

Sabrina Demmeler

Wenn es schnell gehen muss: Von 02:15 bis 19:00 Uhr können die Nürnberger ihre Brezeln beim Drive-In holen. - © Brezen Kolb

Wer durch Nürnbergs Straßen läuft, könnte schnell auf folgende Vermutung kommen: Hier gibt es ein Brezel-Monopol. "Brezen Kolb" hat sich seit 1957 auf das Laugengebäck spezialisiert. Hauptbahnhof und Innenstadt sind gespickt mit Brezelständen. Mittlerweile hat das Unternehmen die Brezel neu erfunden und expandiert. Im Nürnberger Osten laufen täglich über 30.000 Brezeln über die Bänder der neuen Fabrik. In der neuen Firmenzentrale ist ein Café integriert sowie Deutschlands erster "Brezen-Drive-in".

Sobald die ersten Brezeln fertig sind, öffnet das Drive-in-Fenster um 02:15 Uhr. Back-Start ist bereits Mitternacht. Aber wer kommt so früh und kauft Brezeln? Einige sind das, laut Peter Kolb, Geschäftsführer von Brezen Kolb. Der gelernte Bäcker führt den fränkischen Traditionsbetrieb in dritter Generation. Schichtdienstler wie Polizisten oder Sanitäter, aber auch Väter im Pyjama, die einen Mitternachtssnack holen. Da Brezen Kolb einige Betriebskantinen in der Stadt beliefert, beginnen sie so früh mit dem Backen.

"Drive-in" bitte nicht wörtlich nehmen

Mittlerweile fährt alles durch, was Räder hat. Auch Fahrräder und Bobbycars sind willkommen. Einmal stand eine ganze Kolonne VW-Käfer vor dem Schalter auf dem Weg zu einem Treffen. Aktuell ist die große Glasfront am Drive-in Fenster gesprungen. Der Grund: Ein Rentner verwechselte Gas und Bremse und fuhr mitten in den Drive-in. Ernsthaft verletzt wurde keiner. Bevor die Polizei auftauchte, war bereits die Presse am Unfallort. Der Brezen-Drive ist mittlerweile lokal berühmt. Peter Kolb nimmt das kaputte Glas gelassen und hängt ein Schild auf "Drive-in bitte nicht wörtlich nehmen".

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    © Sabrina Demmeler
    Butterbrezel adé: Die Vielfalt kommt gut beim Kunden an. Neben Käse oder Wurst gibt es auch ausgefallene Kreationen mit Lachs. Auch einen Brezel-Burger kreierten die Franken.
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    Das Café ist mittlerweile ein beliebtes Frühstückslokal in der Frankenmetropole.
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    Peter Kolb, geborener Wolfschmidt, stieg in den Betrieb mütterlicherseits ein. Er ließ sogar seinen Namen in Kolb ändern, da ihn Leute sowieso damit ansprachen.
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    Oben oder unten? Kolbs Brezeln liegen immer mit dem Bauch nach oben. Das gibt ihnen mehr Halt in der Auslage.

Bank glaubte nicht an Drive-in

Dabei riet die Bank Peter Kolb vom Bau des Drive-ins ab. Seine neue Firmenzentrale liegt auf der Straße, die stadtauswärts führt. Laut Bank-Berater ist hier zu wenig Verkehr. Kolbs Reaktion fiel fränkisch aus: "Bassd scho." Man darf sich nicht irritieren lassen. Viel entscheidender findet er eine klare Ein- und Ausfahrt. Dass es nur an der Straßenseite liegt, ist ein Trugschluss. Auch die Höhe des Randsteins ist wichtig. Kunden, die ihre Felgen kaputt fahren, kommen sicher nicht wieder. Heute hält alle zwei Minuten ein Auto am Brezen-Drive .

Es gibt bereits Drive-in-Konzepte von anderen Bäckereien, aber Brezen Kolb besitzt einen Vorteil. "Der Kunde möchte beim Bäcker die Auslage sehen", sagt Peter Kolb, "mit der Breze haben wir ein straffes Sortiment und sind sehr spezialisiert. Der Kunde hat auch am Drive-in eine klare Vorstellung vom Produkt, ohne die Ware direkt zu sehen". Den Drive-in hat das Unternehmen anfangs unterschätzt. Das Fenster hatte zu Beginn nicht mal eine eigene Kasse.

Butterbrezel war gestern

Wer denkt die Nürnberger essen pro Tag 30.000 Butterbrezeln, der irrt. Peter Kolb entstaubte das Image der Brezel mit unterschiedlichen Belägen: Emmentaler, Lachs, Salami, Schinken, Schnittlauch und vieles mehr. Kolbs liebste Sorte ist die Leberwurst-Brezel. Es gibt Puddingbrezeln, einen Brezel-Burger oder Alternativen zum Weizen wie die Dinkelbrezel. Vegan ist die Brezel auch, da bereits sein Großvater auf das Schweineschmalz verzichtete.

Die Kolbs haben das Backen über die Jahre perfektioniert. Aber "die Breze ist ein undankbares Gebäck", findet Peter Kolb. Es bedarf viel Zeit, viel Liebe und Know-how um eine gute Brezel zu backen. Das richtige Formen, Gären und Kühlen sind eine Wissenschaft. Ist die Brezel fertig kann sie je nach Luftfeuchtigkeit oder Lagerung schnell weich werden oder austrocknen. Gebacken wird direkt auf heißem Stein statt Aluminiumblech.

Glaubenskrieg Salz

Die meisten rubbeln grobes Salz laut Kolb ab. Deswegen setzt er auf ein feines Meersalz-Mehl-Gemisch. Natürlich gibt es auch Brezeln ganz ohne. Ob er Brezeln noch sehen kann? Ja, Kolb kann. Täglich eine Brezel muss schon sein – allein zur Qualitätssicherung.

Brezelgate: Wo ist jetzt oben und unten?

Der Bauch gehört nach unten. Das finden 86 Prozent einer Online-Umfrage. Aber haben sie Recht? - © Brezen Kolb

Ist das Glas halb voll oder leer? Gehört die Brezel mit dem Bauch nach oben oder unten? Eine Frage, die Twitter-User unter dem Hashtag "Brezelgate" diskutieren. Laut einer Umfrage der Seite jetzt.de finden 86 Prozent der Teilnehmer, dass der dicke Teil der Brezel (= der Bauch) nach unten gehört. Die Brezel soll also lächeln.

Kolbs Logo zeigt die Brezel mit dem Bauch nach oben. Also falsch herum? Nein. Laut Kolb ist die Brezel ein altes Fastengebäck. Vorbild für die geschlungene Form sind die betenden Hände der Mönche. Diese müssen also nach unten zeigen. Auch in der Auslage liegen alle Brezeln mit dem Bauch nach oben. Der Vorteil: Mehr Stabilität. Wenn die Brezel auf dem runden Bauch liegt, rollt sie leichter weg. Liegt die Brezel dagegen auf den Ärmchen balancieren die zwei Rundungen das Ungleichgewicht aus und eine ebene Fläche entsteht. Wo oben und unten ist, bleibt für viele trotzdem Ansichtssache – hauptsache die Brezel schmeckt.