Barrierefreiheit im Friseursalon Rollstuhlgerechte Friseursalons: "Wir haben eine Rampe!"

Friseursalons müssen nicht gezwungenermaßen rollstuhlgerecht sein. Auch für Rollatoren oder Kinderwägen muss ein Salon keinen problemlosen Zugang anbieten. Dennoch wäre dies ein Wettbewerbsvorteil. Ganz einfach können sie barrierefrei werden: per mobiler Alu-Rampe. Was sonst noch alles dazugehört.

Jana Tashina Wörrle

Mit der Wheelramp-Aktion sollen noch mehr Salons für Friseurkunden per Rollstuhl zugänglich werden. - © Sozialhelden e.V.

Oft sind es nur ein oder zwei Stufen, doch genau diese können zur scheinbar unüberwindbaren Barriere auf dem Weg in den Friseursalon werden. Mit Blick auf den demografischen Wandel hat das Thema Barrierefreiheit in der Friseurbranche in den vergangenen Jahren einen wichtigen Stellenwert eingenommen. Das berichtet der Zentralverband des Friseurhandwerks.

Deutschlands Gesellschaft altert und die Salons müssen sich auf ältere, zum Teil gehbehinderte Kunden einstellen. Genauso ist es aber auch für Rollstuhlfahrer und Menschen, die einen Kinderwagen dabei haben, wichtig ihren Alltag möglichst ohne Stufen, Treppen oder andere Hindernisse zu erleben. Und zu den alltäglichen Erledigungen gehört nun mal auch hin und wieder der Friseurbesuch. Genau deshalb ist der Verein der Sozialhelden auf die Branche bzw. den Verband zugegangen und hat ihm eine Partnerschaft angeboten. Das Ziel: Mehr Barrierefreiheit bzw. mehr Friseursalons für Rollstuhlfahrer zugänglich machen.

Wheelramp: So werden Friseursalons rollstuhlgerecht

Die Berliner Sozialhelden, die sich in zahlreichen Projekten für Menschen mit Behinderung einsetzen, haben mit ihrer Aktion "Tausendundeine Rampe" bereits dafür gesorgt, dass mehr als 400 Spenden finanzierte Rampen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Einsatz kommen und in Cafés, Geschäften und vielen anderen für die Öffentlichkeit zugänglichen Orten einen barrierefreien Zugang ermöglichen. Nun kooperiert der Verein direkt mit einer Branche, zu der die 1,20 bis 1,50 Meter langen Rampen aus Aluminium, besonders gut passen. „Viele Friseursalons haben am Eingang nur wenige Stufen, die man mit einer solchen Rampe problemlos überwinden kann“, sagt Andi Weiland, der Sprecher des Vereins. Die Rampen könne man entweder dauerhaft installieren oder auch nur dann auslegen, wenn dies gewünscht ist. Auf den zweiten Fall können Salons mit einem mitgelieferten Aufkleber mit dem Schriftzug "Wir haben eine Rampe!" aufmerksam machen.

Die Kooperation mit dem Zentralverband des Friseurhandwerks sieht konkret so aus, dass Innungsmitglieder derzeit beim Bestellen einer Rampe zehn Prozent Rabatt bekommen. Die Rampen kosten 179 Euro in einer Länge von 1,20 Meter und 199 Euro in einer Länge von 1,50 Meter. Bestellt werden können sie übe wheelramp . de. Um den Rabatt zu bekommen, muss man Bestellen den Vorteilscode "Innung2018" angeben.

Barrierefreiheit für Friseure nicht verpflichtend

Grundsätzlich ist man als Unternehmer in Deutschland zwar nicht verpflichtet Barrierefreiheit herzustellen. Nur wenn neu gebaut oder wesentlich umgebaut wird, treten baurechtliche Vorgaben in Kraft; dann muss Barrierefreiheit mit eingeplant werden. "Die Friseure erkennen, dass es sich lohnt auf Barrierefreiheit zu setzen. Viele Inhaber wissen aber nicht, dass es auch kostengünstige Lösungen ohne bauliche Veränderungen, um Barrierefreiheit zu vereinfachen", erklärt dazu Louisa Braune vom Zentralverband. Dieser sieht in der Kooperation mit den Sozialhelden die Chance, Barrierefreiheit und damit die gesellschaftliche Teilhabe von insbesondere Rollstuhlfahrern auf ganz praktische Art und Weise zu fördern und zugleich Friseursalons auf den klaren Wettbewerbsvorteil eines rollstuhlgerechten Salons aufmerksam zu machen.

Andi Weiland bekommt immer wieder mit, dass es sich herumspricht, wenn ein Friseurbetrieb besonders leicht mit dem Rollstuhl oder anderen Gehhilfen zugänglich ist. "Zur Barrierefreiheit gehört mehr als nur der Eingangsbereich, aber dieser ist dennoch entscheidend", sagt der Vereinssprecher und erklärt, dass Waschbecken meist höhenverstellbar seien und dass man die meisten Einrichtungsgegenstände, die in einem Friseursalon im Weg stehen könnten, bei Seite schieben kann. Doch Stufen am Eingang können abschrecken – die ausschlaggebende Barriere eben, die man jedoch mit einer Rampe überwinden kann.

Rollstuhlgerechten Friseursalon finden per interaktiver Karte

So sieht die Wheelramp aus. - © Sozialhelden e.V.

Die Rampe nennen die Sozialhelden  "Wheelramp" und knüpfen damit direkt an das Konzept der "Wheelmap" an. Die Wheelmap wiederum ist eine interaktive Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte auf der ganzen Welt. "Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und öffentlich zugängliche Orte entsprechend ihrer Rollstuhlgerechtigkeit markieren", erläutern die Initiatoren. Die Orte – darunter auch zahlreiche Friseursalons – sind nach einen einfachen Ampelsystem markiert:

  • Grün = voll rollstuhlgerecht
  • Gelb = teilweise rollstuhlgerecht
  • Rot = nicht rollstuhlgerecht

"Immer wieder rufen bei uns Inhaber von Friseursalons an und fragen, wie es zu der Markierung kommt. Die wenigsten tragen sich selbst ein", erklärt Weiland. Die Salons werden stattdessen von denjenigen online bewertet, die eine besonders gute oder eine schlechte Erfahrung gemacht haben. "Aber genau das sensibilisiert die Betriebe ja auch für das Thema", so der Sozialheld.

So sieht Barrierefreiheit im Friseursalon aus

Obwohl der Eingangsbereich so entscheidend ist, definiert die Friseurbranche Barrierefreiheit für sich etwas breiter gefasst. "Ziel bei der Gestaltung eines Friseursalons sollte sein, Menschen mit Behinderung eine größtmögliche Unabhängigkeit zu bieten und ihren Komfort zu erhöhen, damit sie sich möglichst ohne fremde Hilfe frei bewegen können", sagt Louisa Braune und gibt Betrieben, die ihre Salons umgestalten wollen ein paar Tipps mit an die Hand.

"Wenn ein Friseursalon neu gebaut wird, ist ein ebenerdiger Eingang und Fußboden, dessen Bodenbeläge rutschhemmend und fest verlegt sind, im Salon die beste Wahl. Durchgänge sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein, damit sie von Rollstuhlfahrern und Personen mit Gehhilfe ungehindert passiert werden können", sagt die Verbandssprecherin. Zudem seien Türen, die automatisch öffnen, eine tolle Lösung für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Des Weiteren gilt: Im Wartebereich sollte genügend Fläche für einen Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator vorhanden sein und im Friseurbereich selber sollten die Stühle nicht fest installiert sein, damit man sie schnell und einfach beiseiteschieben kann, um den Platz vor einem Spiegel für einen Rollstuhl frei zu machen. Insbesondere höhenverstellbare Waschbecken ohne fest installierte Sitzgelegenheiten sind wichtig, da ein Stuhl schnell beiseite geräumt werden kann und Kunden bei der Haarwäsche im Rollstuhl sitzen bleiben können.

Glastüren können für Sehbehinderte und kleine Kinder zur Gefahr werden, daher sollte das Glas immer mit Sicherheitsmarkierungen gekennzeichnet werden. Zu kleine Preisschilder sind nicht für alle lesbar, bei der Gestaltung der Auszeichnungen sollte auf eine ausreichende Schriftgröße geachtet werden.

Nachfrage nach den Alu-Rampen steigt

Doch nicht nur diese Veränderungen in den Räumlichkeiten sind Braune zufolge wichtig. So sollten auch die  Mitarbeiter im Umgang mit Kunden mit Behinderung geschult werden und ihre Hilfe in allen Belangen anbieten. "Sie sollten den Kunden jedoch immer erst fragen, ob Hilfe benötigt wird und erwünscht ist“, sagt die Branchenvertreterin und weist auf die Checkliste mit dem Titel "Barrierefreie Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen" hin, die bei den Sozialhelden online erhältlich ist.

Die Kooperation zwischen den Sozialhelden und dem Friseurhandwerk läuft nun seit rund drei Monaten und Andi Weiland kann klar bestätigen, dass die Nachfrage nach den Alu-Rampen von Seiten der Salons zugelegt habe. "Die Kooperation wird sehr positiv in der Branche aufgenommen und wir haben im Einsatz für rollstuhlgerechtere Salons bereits jetzt viel Zuspruch erhalten", sagt auch Louisa Braune. Für eine Bewertung dessen, wie stark die Barrierefreiheiten im Friseurhandwerk nun gestiegen ist, ist es aber noch zu früh. Die Wheelramp-Aktion ist noch voll im Gange.