Immer mehr Kfz-Betriebe leiden unter der Diesel-Krise. Einbußen bei Umsatz und Ertrag sind die Folge. Verband bekräftigt Forderung nach Nachrüst-Verordnung.
Karin Birk

Das deutsche Kfz-Gewerbe bekommt die Diskussion um Fahrverbote immer mehr zu spüren. "Die Autokäufer sind zutiefst verunsichert, drohende Fahrverbote in den Ballungsräumen machen gebrauchte Diesel fast unverkäuflich", sagte Jürgen Karpinsiki, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Berlin. Trotz deutlich gestiegener Neuzulassungen und einem leicht wachsenden Servicegeschäft sei der Umsatz im vergangenen Jahr nur um 1,4 Prozent auf 174,4 Milliarden Euro gestiegen. Als Grund nannte Karpinski den Rückgang im Geschäft mit Gebrauchtwagen um 1,9 Prozent auf 66,3 Milliarden Euro.
Mehrere hunderttausend gebrauchte Diesel stehen auf Halde
Die Kostenbelastung der Betriebe sei angesichts der vielen hunderttausend gebrauchten Diesel, die bei den Händlern auf Halde stünden zum Teil "existenzbedrohend". Dies mache sich auch beim Ertrag bemerkbar. Nach vorläufigen Berechnungen geht der Verband für 2017 von einer Durchschnittsrendite von 1,3 bis 1,6 Prozent aus. Ein Jahr zuvor waren es durchschnittlich 1,7 Prozent.
Angesichts der zunehmend angespannten Lage forderte Karpinski, dass es in Sachen Hardware-Nachrüstung älterer Diesel auf politischer Ebene endlich vorangehe. "Die Dieselfahrer, aber auch die Autohändler brauchen dringend Rechtssicherheit für die Benutzung ihrer Fahrzeuge", betonte er.
ZDK: Kosten für Hardware-Nachrüstung liegen bei 1.500 bis 3.000 Euro
Wie der Verband weiter mitteilte, bewerte die Mehrzahl der Autohändler eine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge als eine wirksame Maßnahme zum Werterhalt der Bestände und zur Verminderung der Standzeiten. Die Kosten für eine Nachrüstung veranschlagt der Verband mit 1.500 bis 3.000 Euro.
Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks und Mitglied in einer Expertengruppe im Nationalen Diesel Forum, plädierte dafür, die Entscheidung, ob ein Fahrzeug nachgerüstet werden soll oder nicht in die Hände der Autobesitzer zu legen. Wer hier Autohersteller – etwa aus Asien – verpflichten wolle, riskiere nur langwierige Rechtstreitigkeiten, fügte er hinzu.
Verband fordert finanzielle Unterstützung für Nachrüstung
Der Verband sprach sich außerdem dafür aus, die Autobesitzer in der Nachrüstung finanziell zu unterstützen. Dies gelte umso mehr, da eine groß angelegte Nachrüstaktion auch mit hohen Mehrwertsteuereinnahmen verbunden sei. Auch Hersteller sollten nach Ansicht von Hülsdonk ihren Beitrag leisten. Nach Ansicht von Thomas Peckruhn, ZDK-Vize und Sprecher des fachgebundenen Automobilhandels, könne durch eine breit angelegte Nachrüstaktion das Vertrauen in den Diesel wieder hergestellt werden. Die Krise habe sich schließlich nicht nur das Gebrauchtwagengeschäft, sondern auch massiv auf das Neuwagengeschäft ausgewirkt.
Zahl der Betriebe leicht rückläufig – Wieder mehr Auszubildende
Insgesamt ist die Zahl der im ZDK organisierten Betriebe 2017 um 270 auf insgesamt 37.470 Betriebe zurückgegangenen. Als Grund nannte Hülsdonk, dass sich vor allem fabrikgebundene Betriebe, aus den ländlichen Räumen zurückzogen hätten. Gleichzeitig habe aber die Zahl der freien Werkstätten leicht zugenommen. Entsprechend sei auch die Zahl der Beschäftigten um 1,3 Prozent auf 449.640 Mitarbeiter gesunken. Als Erfolg wertete der Bundesinnungsmeister, dass es der Branche zum vierten Mal in Folge gelungen sei, die Zahl der Auszubildenden um 3,2 Prozent auf knapp 30.000 zu erhöhen.