In einem Berufsschulzentrum in Bayern hat ein Ausbilder rechtsradikale Parolen mit seinen Schülern angestimmt. Nun ermittelt die Polizei. Die zuständige Innung und der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks zeigten sich erschüttert.

Ein Ausbilder für Kaminkehrer soll in einem Schulungszentrum in Mühlbach bei Dietfurt in der Oberpfalz Nazi-Parolen gebrüllt und verbotene Lieder gesungen haben. Dabei soll er seine Schüler dazu angestachelt haben, es auch zu tun.
In einem heimlich gedrehten Video, dass dem Bayerischen Rundfunk zugespielt wurde, ist zu sehen, wie der Ausbilder zusammen mit seinen Schülern die Parolen "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" und "Sieg Heil" ruft. Dem BR zufolge existieren auch Aufnahmen, in denen die Gruppe das Horst-Wessel-Lied anstimmt, die in Deutschland verbotene Parteihymne der NSDAP. Außerdem soll die Gruppe laut BR zahlreiche antisemitische und homophobe Witze gemacht haben.
Ausbilder suspendiert
Der Vorfall ereignete sich Mitte Januar im Raucherraum der Berufsschule. "Wir haben sofort Anzeige erstattet, dem Ausbilder Hausverbot erteilt und alle Kollegen und Erziehungsberechtigten über den Vorfall informiert", sagt Peter Wilhelm, geschäftsführender Vorstand des Zentrums und Obermeister der Kaminkehrerinnung Oberfranken. Es sei das erste Mal, dass die Schulleitung von rechtsextremen Umtrieben in der Einrichtung erfahren habe.
"Wir sind über alle Maßen betroffen und distanzieren uns ganz klar von den rechtsradikalen Äußerungen", sagt Alexis Gula vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. "Wir unterstützen die Schule jetzt bei der Aufarbeitung der Ereignisse." Wie diese Maßnahmen konkret aussehen, werde die Schulleitung in den kommenden Tagen klären. Geplant sind Gespräche mit Schülern und Eltern.
Der Ausbilder aus dem Video wollte sich gegenüber dem BR nicht zu den Aufnahmen äußern. Er distanziere sich von dem Vorfall und sympathisiere nicht mit rechtsorientiertem Gedankengut, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Für ein Interview stand er dem BR nicht zur Verfügung. Jetzt ermittelt der Staatsschutz der Kriminalpolizei Regensburg. jb