Sonderschau auf der Internationalen Handwerksmesse Exempla: "Handwerk und das kulturelle Erbe"

21 internationale Aussteller präsentieren auf der Sonderschau "Exempla" auf der Internationalen Handwerksmesse ihre Werke zum Thema "Handwerk und das kulturelle Erbe" und leisten so einen Beitrag zum europäischen Kulturerbe-Jahr 2018.

Jens Christopher Ulrich

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    © Dombauhütte Aachen
    UNESCO-Weltkulturerbe: Der Aachener Kaiserdom.
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    © Haber und Brandner
    Erfolgreich und beharrlich widmet sich die Firma Haber & Brandner der Restaurierung von Denkmälern.
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    © Wagner
    Färbebottich: Je öfter der Stoff nach dem Bedrucken in die Küpe getaucht wird, desto dunkler und kräftiger die Farbe.
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    © Oidtmann
    Keine Angst vor der Nadel: Bei der Restaurierung großflächiger Mosaike muss die dicke Spritze her.
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    © Marc Jenni
    Filigranes Handwerk: Der Schweizer Uhrmacher Marc Jenni in Aktion.
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    © Reetdach Peiser
    Regensicher, frostbeständig, luftfilternd und feuchtigkeitsregulierend: Ein Reetdach in Ostdeutschland.

Seit einigen Jahren rückt das Handwerk als kultureller Wert in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: Vor allem seit der Ratifizierung der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes im Jahr 2003 ist das allgemeine Interesse der Forschung am Handwerk gestiegen. Aber auch für den Erhalt von UNESCO-Welterbe-Denkmälern ist das Handwerk unverzichtbar. Der Aachener Kaiserdom etwa ist ein kunsthistorisches Ensemble von europäischer Bedeutung. Als Krönungskirche der deutschen Könige und Grabstätte Karls des Großen zieht er Besucher aus aller Welt an. Als erstes Baudenkmal Deutschlands wurde er 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Umso fordernder ist es, ihn zu erhalten. Erst 2017 wurden umfangreiche, über 30 Jahre andauernde Instandsetzungsarbeiten beendet. Eine besonders komplizierte Aufgabe hatte dabei die Firma Krings Bedachungen GmbH aus Baesweiler bei Aachen zu erledigen: Der über 100 Jahre alte Dachdeckerbetrieb erneuerte das mit Blei eingedeckte ca. 700 m² große Sechzehneck des Doms. Die auf Denkmalpflege spezialisierte Firma hat auch verschiedene andere Gebäudeteile des Kaiserdoms mit Blei oder Moselschiefer eingedeckt. Auf der Exempla 2018 wird der Betrieb ein Holzmodell mit Schiefer decken und Arbeiten mit Blei vorführen.

Historische und moderne Techniken

Die Dr. H. Oidtmann Glasmalerei GmbH aus Linnich im Kreis Düren war ebenfalls an der Instandsetzung des Kaiserdoms beteiligt. Die Firma restaurierte die Glasfenster und Mosaiken des Kaiserdoms in aufwendiger Handarbeit. Dafür wurde traditionelle Glasmalerei mit innovativen Techniken der modernen Glasgestaltung kombiniert. Das seit über 150 Jahren bestehende Familienunternehmen arbeitet für internationale Künstler, Architekten und Konservatoren im In- und Ausland. Arbeiten von Oidtmann finden sich in der Kunstsammlung des Vatikans ebenso wie im Victoria & Albert Museum in London. Auf der Exempla zeigt der Betrieb, wie Mosaike gesetzt und restauriert werden.

Die Haber & Brandner GmbH mit Sitz in Regensburg und Berlin wurde 1860 als Werkstatt für kunsthandwerkliche Metallbearbeitung gegründet. Das Unternehmen ist immer wieder an der Restaurierung und Konservierung von Weltkulturerbe-Denkmälern beteiligt, wie den Bronzeportalen des Kölner Doms, der Herkules-Figur im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel und der Alten Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel. Die Handwerker der Firma, darunter Gold- und Silberschmiede, Gürtler, Vergolder, Kirchenmaler und Metallbauer, verstehen sich auf historische Techniken ebenso wie auf moderne. Auf der Exempla restauriert die Firma einen Engel.

Die Blaudruckerei Wagner aus dem oberösterreichischen Bad Leonfelden besteht seit 1878. Heute wird der Familienbetrieb in der vierten Generation geführt. Das Unternehmen ist auf den Blaudruck spezialisiert, der 2010 in Österreich und 2016 in Deutschland in die Liste der Immateriellen Kulturgüter aufgenommen wurde. Der Blaudruck wird mit Holzmodeln, die meist aus Birnbaum- oder Buchsbaumholz geschnitten wurden, ausgeführt. Die Drucktechnik stammt ursprünglich aus Indien, bevor sie über Asien und Afrika nach Europa gelangte. Auf der Exempla 2018 bedruckt der Betrieb Stoffe und färbt sie anschließend mit Indigo.

Gebunden, nicht geschraubt oder genäht

Ein ebenfalls traditionsreiches Handwerk, das großes Können erfordert, ist das des Reetdachdeckers: Ende 2014 wurde es als eine von 27 Kulturformen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Reet wird vor allem im Norden Europas, aber auch in Asien und Afrika zur Dacheindeckung verwendet. Dank seiner Eigenschaften und lokalen Verfügbarkeit gehörte es zu den ersten Bedachungsmaterialien des sesshaft gewordenen Menschen. Die Reetdachdeckerei Martell Peiser aus Dierhagen im Kreis Vorpommern-Rügen zeigt dieses faszinierende Handwerk auf der Exempla an einem Modell. In dieser Region Ostdeutschlands wird das Reet gebunden und nicht geschraubt oder genäht wie anderswo.

Hugenottische Flüchtlinge brachten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Fabrikation von tragbaren Uhren nach Genf. Goldschmiede, die von Johannes Calvin zum Berufswechsel aufgefordert wurden, verlegten sich auf die Fertigung von Uhren, die bis in den Orient und in die amerikanischen Kolonien exportiert wurden. Mechanische Uhrwerke können mitunter aus bis zu 100 Einzelteilen bestehen. Marc Jenni aus dem schweizerischen Zürich ist Uhrmacher in der dritten Generation. Seit 2010 führt er seine eigene Firma. Auf der Exempla zeigt er einige Schritte der Uhrfertigung.

Die Internationale Handwerksmesse mit der Sonderschau "Exempla" findet vom 7. bis 13. März 2018 in München statt.