Weiterbildung für umweltfreundliches Bauen Klimaschützer auf dem Bau

Das Modellprojekt "HAKS – HandwerksAusbildung für Klimaschutz" fördert umweltfreundliches Bauen. Gewerke übergreifend sollen die Teilnehmer von der Planung bis zur Ausführung alle wichtigen Baustandards im Blick behalten.

Frank Muck

Matz Petersen (Friedrich Schmidt Bedachungs-GmbH, links im Bild) und Alexander Schierloh (Der radelnde Installateur) bringen als HAKS-Teilnehmer ihr Klimaschutzwissen auf Baustellen mit ein. - © energiekonsens

Theordor Röhm schickt seine Mitarbeiter zum Klimaschutzprojekt "HAKS – HandwerksAusbildung für Klimaschutz". Röhm ist praktisch eine Art Vorzeige-Öko in Bremen. Der Diplom-Ingenieur betreibt unter der Marke "der radelnde Installateur" einen Sanitär- und Heizungsbaubetrieb in Bremen. Röhm und sein Team erledigen alle Aufträge per Fahrrad. Seit 2001 ist er mit diesem Konzept erfolgreich. Man könnte meinen, für einen wie ihn sei es quasi Ehrensache beim Klimaschutzprojekt HAKS dabei zu sein.

Doch Röhm sieht das ganz nüchtern. Wenn jemand den Beruf des Sanitärinstallateurs und Heizungsbauers ausübe, ha er nicht automatisch das Wissen über umweltfreundliche Baustandards. Den Lehrlingen ist der Umweltschutz oft genug auch erstmal egal. Andere wiederum bringen schon ein Bewusstsein dafür mit. In jedem Fall möchte Röhm, dass sich seine Mitarbeiter beim Klimaschutz weiterbilden. Schließlich diene die Fortbildung auch der Qualitätssicherung.

Wissen rund um den Klimaschutz

An dieser Qualitätsfrage setzt das HAKS-Projekt an. Denn wer Bau-Handwerker wird, erfährt in seiner Ausbildung nicht notwendigerweise, wie man umwelfreundlich baut. Das bundesweite Projekt will dafür sorgen, dass umweltfreundliche Standards, auch in der Zusammenarbeit der Gewerke, zu jeder Bauphase Eingang in die Bausausführung finden. HAKS vermittelt den beteiligten Handwerksbetrieben alles Wissenswerte rund um diese Fragen.

HAKS ist in kostenlosen und jeweils knapp dreistündigen Modulen angelegt, die einzeln und nach Vorkenntnis und Interesse besucht werden können. Darunter sind zum Beispiel Bauphysik, effiziente Gebäudetechnik und die Qualität des Wärmeschutzes. Das Angebot richtet sich an ausbildende Meister und Gesellen sowie an die Lehrlinge selbst. Ziel ist es, dass die Teilnehmer von der Planung bis zur Ausführung alle wichtigen Baustandards im Blick behalten können. Derzeit gibt es fünd Regionen in Norddeutschland, wo Betrieben eine Qualifizierung von Auszubildenden und Fachkräften angeboten wird.

Inhalte werden mit den Teilnehmern erarbeitet

Für Werner Müller ist das Projekt auch die Gelegenheit, Bauberufe zu modernisieren. Müller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technik und Bildung an der Universität Bremen. Er hat Lehrinhalte der Module entwickelt und evaluiert das Projekt. Die Fortbildungsinhalte werden möglichst nah an der Praxis und in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern abgestimmt, sagt Müller. Konkret: Was müssen ein Dachecker oder ein Heizungsbauer lernen, damit sie nachhaltig arbeiten können.

Die Module sind so erarbeitet, dass das Ausbildungspersonal dieslben Themen bearbeitet wie die Lehrlinge – möglichst nah an der Praxis. "Die Teilnehmer entwickeln die Inhalte mit", sagt Müller. Bei Dachdeckergeselle Matz Petesern kommen die Inhalte in jedem Fall an. Den wesentlichen Vorteil sieht er darin, dass so viele verschiedene Gewerke dabei sind und dass die Teilnehmer für die Schnittstellen zwischen den Gewerken sensibilisiert werden.

Das nütze ihm zum Beispiel bei der Baustellenvorbereitung und wann welche Gewerke zum Einsatz kommen, macht es Petersen gleich ganz konkret. Der Einbau einer Dampfsperre bei einer Dämmung etwa nütze nichts, wenn erst im Anschluss die Elektriker zum Einsatz kommen und die Dampsperre mit ihren Installationen durchbrochen werden. "Es ist gut, dass nicht nur jeder stumpf seine Arbeit macht", sagt Petersen. Viel besser sei es, dass sich die Handwerker untereinander abstimmen und für die Arbeit der jeweils andern selsibilisiert werden.

Der Austausch erfolgt digital

Da die Abstimmung der Gewerke von gelingender Kommunikation abhängig ist, liefert ein Teil der Module auch die Anleitung für den Umgang mit digitalen Medien. Denn Baufortschritte sind natürlich einfacher über Tablets oder Smartphones untereinander abzustimmen und weiterzugeben, als wenn dafür fortlaufend Gesprächsrunden einberufen werden müssten. Dafür sollten alle die zugehörige Baustellen-App nutzen. Einmal pro Woche gibt es zusätzlich eine Baubesprechung.

Für Werner Müller sind digitale Medien ein ganz entscheidender Schulungsinhalt, vor allem vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes von Building Information Modeling (BIM). An Gebäudegrafiken etwa lassen sich sehr viel einfacher die sensible Schnittstellen kennzeichnen, an denen Gewerke aufeinander treffen und Abstimmungsbedarf im Hinblick auf Umweltstandards besteht.

Theodor Röhm ist auf jeden Fall zufrieden mit den Workshops. Seinen Mitarbeitern hätten die Inhalte weitergeholfen. Doch auch er selbst, – nach eigenen Worten seit seiner Jugend umweltaktiv – hält sich nicht vornehm zurück. Die Module für Geschäftsführer hat Röhm selbst absolviert.

Geeignet ist HAKS für die Berufe Dachdecker, Zimmerer, Maurer, Trockenbauer, Maler und Lackierer, Schornsteinfeger, Elektroniker, Alagenmechaniker SHK, Tischler sowie Stahl- und Betonbauer. Neben HAKS gibt es zahlreiche andere berufsbildende Projekte in Deutschland, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Infos und Kontakt: haks-projekt.de

Weitere Projekte, die sich mit Nachhaltigkeit in der Berufsbildung beschäftigen: Nachhaltige Arbeitswelt