Ernährungstrend für Fachkräftemangel nutzen Bäcker: "Essen rockt im Moment"

Bäckerpräsident Michael Wippler ist überzeugt: Das Lebensmittelhandwerk muss die aktuelle Begeisterung in der Gesellschaft für Ernährungstrends und die Inszenierung von gutem Essen in sozialen Netzwerken – das so genannte foodporn – gegen den Fachkräftemangel nutzen.

Steffen Guthardt

Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. - © Darius Ramazani/Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks

Ob vegan, regional oder bio – Ernährung ist heute mehr denn je ein Lifestyle-Thema, das auch junge Leute interessiert. In sozialen Netzwerken wie Instagram wird das persönliche Essverhalten heute zur Schau gestellt – gerade in der neuen Generation, die mit Internet, Smartphone und Tablet aufwächst. Bäckerpräsident Michael Wippler sieht darin eine große Chance, wie die Lebensmittelhandwerke Jugendliche ansprechen und die Attraktivität einer Ausbildung als Bäcker oder Metzger sichtbar machen können.

Wippler: Wir müssen aufräumen mit den Klischees

"Das Klischee von Bleichgesichtern mit Mehl im Gesicht, die nachts in dunklen Backstuben schuften, müssen wir endlich ausräumen", sagte Wippler bei der Pressekonferenz der Lebensmittelhandwerke auf der Internationalen Handwerksmesse.

Das Handwerk müsse deshalb noch viel offensiver und zeitgemäßer um Jugendliche werben, um dem Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen, so Wippler.

Wippler macht dabei drei wesentliche Faktoren für das Nachwuchsproblem im Handwerk verantwortlich. Aufgrund der guten Konjunktur mit nahezu Vollbeschäftigung könnten Jugendliche heute viel wählerischer bei der Berufswahl sein. Hinzu komme der demographische Wandel, der die Besetzung von Lehrstellen mit Nachwuchskräften erschwert. Nicht zuletzt trage die "verfehlte Bildungspolitik" der Bundesregierung mit einer Benachteiligung der beruflichen Bildung zur Misere bei.

Wippler übte aber auch Selbstkritik an seinem Verband: "Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht und müssen uns an die eigene Nase fassen", sagte der Bäckerchef. Die Probleme seien auch hausgemacht.

Konditoren: Selbständigkeit ist heute wenig attraktiv

Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes, wies darauf hin, dass das Handwerk neben einem Nachwuchs- auch ein Nachfolgeproblem habe. "Wieso soll sich ein junger Mensch heute noch selbstständig machen und das damit verbundene finanzielle Risiko eingehen?", warf er in den Raum.

Hier sei die gute Konjunktur für das Handwerk eher eine Bürde. Denn so lange sich junge Leute keine Sorgen um eine Stelle und ein sicheres Einkommen machen müssten, gäbe es wenige Gründe zur Selbständigkeit. Zumal Selbständigkeit mit einem Verzicht auf Freizeit und vielen Überstunden verbunden sei.

Gerade Kleinbetriebe tun sich schwer Nachfolger zu finden, sagte Schenk. Zwischen 500.000 Euro und mehreren Millionen Euro kostet ein Betrieb rechnete er vor. "Das kann sich kaum einer leisten, wenn die Nachfolge nicht in der Familie gelingt", so Schenk.