Augenoptik und Online-Handel "Das Geschäft muss Mehrwert bieten"

Anna Nagl, Betriebswirtschafterin mit Fachgebiet Optometrie, zu den Anforderungen an Augenoptiker in Zeiten von Digitalisierung und Online-Handel.

Frank Muck

Augenoptiker sollten auch immer optometrische Dienstleistungen anbieten, um sich vom Online-Handel abzuheben. - © GHM

DHZ: Die Konjunktur läuft gut. Sehhilfen werden so oder so gebraucht. Warum ist Weiterbildung für Augenoptiker trotzdem so wichtig?

Anna Nagl: Das augenoptische Fachgeschäft muss seinen Kunden einen Mehrwert gegenüber dem Online-Handel bieten und dieser Mehrwert heißt Kompetenz. Kompetenzaufbau ist in guten wirtschaftlichen Zeiten über Weiterbildung einfacher finanzierbar als in schlechten wirtschaftlichen Zeiten.

Anna Nagl ist Professorin und Studiendekanin für Vision Science and Business (Optometry) an der Hochschule Aalen. - © Nagl

DHZ: Inwieweit spielt die Digitalisierung dabei eine Rolle?

Nagl: Der zum Teil sehr aggressive Online-Brillenhandel nimmt insbesondere kleinen selbstständigen Augenoptikern in ländlichen Gegenden dringend notwendigen Umsatz, zum Beispiel an Sonnenbrillen und Einstärkenbrillen, weg. Der Augenoptiker als erste Anlaufstelle für Sehprobleme schafft einen Mehrwert gegenüber dem Internet-Handel und hilft gerade in ländlichen Gegenden, dort, wo die Augenarzt-Dichte jetzt bereits grenzwertig ist, auch die ältere Bevölkerung optimal zu versorgen. Dieser Trend wird sich aufgrund der Altersstuktur der niedergelassenen Augenärzte weiter verschärfen. Zusätzliche Untersuchungen bringen zusätzliche Einnahmen und einen entscheidenden Mehrwert für die Bevölkerung.

"Die verlängerte Werkbank des Online-Handels ist kein Geschäftsmodell."

DHZ: Online ist ein Geschäftsfeld, was Zuwächse verzeichnet. Halten Sie die Rolle als Partneroptiker für Online-Shops für zukunftsweisend?

Nagl: Als Partner von den großen Online-Brillenhändlern kann der im Verhältnis dazu selbstständige Augenoptiker nur verlieren: sowohl aus betriebswirtschaftlicher Sicht als auch unter dem Image-Aspekt einer Brille, die nicht dem Qualitätsanspruch eines stationären Augenoptikers entspricht. Die verlängerte Werkbank des Online-Brillenhändlers ist kein Geschäftsmodell.

DHZ: Welche Rolle spielt die Digitalisierung als Legitimation gegenüber dem Kunden?

Nagl: Digitalisierung ist ein unterstützender Prozess zur besten und effizienten Problemlösung.

DHZ: Optometrische Dienstleistungen sind nicht gerade gewinnträchtig. Warum sollten Augenoptiker sie trotzdem im Angebot haben?

Nagl: Fakt ist: Auch für optometrische Dienstleistungen ist der Kunde bereit zu zahlen. Die individuelle kompetente Lösung vorhandener Sehprobleme steigert die Lebensqualität des Kunden und demzufolge ist der Kunde durchaus bereit, dafür zu zahlen. Das zeigen sehr viele Praxisbeispiele.