Baugewerbe Wohnungsbau treibt Baukonjunktur an

Die Baukonjunktur gewinnt noch weiter an Fahrt. Das liegt vor allem am Wohnungsbau und höheren Investitionen in den Straßenbau.

Karin Birk

Die Auftragslage am Bau ist gut. Insgesamt erwartet die Branche für 2016 ein Umsatzwachstum von 5,5 Prozent auf 106,5 Milliarden Euro. - © Calado/Fotolia.com

Die Auftragslage am Bau ist gut. Insgesamt erwartet die Branche für 2016 ein Umsatzwachstum von 5,5 Prozent auf 106,5 Milliarden Euro. Und auch im nächsten Jahr rechnet der Verband mit einem Plus von 3,1 Prozent auf 109,8 Milliarden Euro. Trotz guter Konjunktur entwickle sich die Ertragslage allerdings nicht in gleichem Maße, sagte Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) im Vorfeld des Deutschen Baugewerbetages. Die Preise für Bauleistungen legten nur um zwei Prozent zu. Verhalten entwickle sich angesichts des starken Wettbewerbs aller Branchen um Fachkräfte auch die Zahl der Mitarbeiter. Sie stieg im Jahresdurchschnitt auf 775.000 und werde 2017 voraussichtlich um ein Prozent weiter zulegen.

Noch immer fehlen Wohnungen

Mit Blick auf den privaten Wohnungsbau erwartet der Verband ein Umsatzplus von 8 Prozent auf 39,8 Milliarden Euro für 2016 und weiteren drei Prozent für 2017. Dahinter steht die Fertigstellung von rund 290.000 Wohnungen in diesem und rund 300.000 im nächsten Jahr. Allerdings liege der Bedarf mit mindestens 350.000 Wohnungen pro Jahr deutlich höher, gibt Loewenstein zu bedenken. "Vor allem fehlen Mietwohnungen in den Ballungsräumen im bezahlbaren Bereich", sagte er. Engpässe gebe es zudem im sozialen Wohnungsbau.

ZDB: Wohnimmobilien-Kreditlinie muss nachgebessert werden

Angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels fordert der Verband umso dringlicher Nachbesserungen bei der seit April geltenden Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie. Denn schon jetzt zeige sich, dass weniger Kredite an junge Familien und ältere Menschen vergeben würden. Der Verband unterstütze deshalb eine Bundesratsinitiative von Baden-Württemberg und Hessen, den "Fehler" bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutsches Recht wieder zu korrigieren. Denn anders als in der EU-Richtlinie seien im deutschen Recht bei der Beschränkung der Kreditvergabe keine Ausnahmen beim Bau oder der Renovierung von Wohnungen erlaubt worden.

Wirtschaftsbau- und öffentlicher Bau mit Umsatzzuwachs

Im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau erwartet der Verband sowohl für dieses und für nächstes Jahr weitere Umsatzzuwächse. Dabei profitiere der Wirtschaftsbau vor allem von der Nachfrage nach Fabrikgebäuden und steigenden Investitionen bei der Bahn, so dass der Verband hier insgesamt von einem Umsatzplus von 3 Prozent in diesem und drei Prozent im nächsten Jahr auf dann 38,1 Milliarden Euro ausgehe.

Eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft als im Vorjahr zeige auch die öffentliche Hand. "Die um eine Milliarde höheren Investitionsmittel für die Straße zeigen Wirkung", sagte Loewenstein. Auch im Hochbau hätten Länder und Kommunen mehr in Kitas, Schulen und die Unterbringung von Flüchtlingen investiert. Insgesamt erwarte der Verband im öffentlichen Bau für 2016 und 2017 ein Umsatzplus von 5,5 Prozent beziehungsweise 3,5 Prozent auf dann 30,7 Milliarden Euro.

Verband gegen weitere ÖPP-Projekte im Autobahnbau

Verärgert zeigte sich Loewenstein über die Pläne von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), weitere öffentlich-privat-finanzierte Autobahnprojekte auf den Markt zu bringen. Dazu bestehe angesichts der zur Verfügung stehenden Finanzmittel und der niedrigen Zinsen keine Veranlassung. Dies komme einer schleichenden Privatisierung gleich. Außerdem konzentriere sich der Wettbewerb dabei auf einige große Konzerne und Finanzinvestoren, wodurch der Bau-Mittelstand hier komplett verdrängt werde.

Novelle des Bauvertragsrechts in zwei Schritten gefordert

Eine mögliche Benachteiligung des Bau-Mittelstandes befürchtet der Verband auch bei der geplanten Infrastrukturgesellschaft, wie sie im Zuge der Neuregelung des Bund-Länder-Finanzausgleichs vereinbart wurde. Diese sei zwar grundsätzlich zur Beschleunigung von Bauvorhaben zu begrüßen. Es dürfe aber keine Mammutbehörde werde, die die Vor-Ort-Kompetenz vernachlässige.

Angesichts der anstehenden Reform des Bauvertragsrechts fordert der Verband das Vorhaben zu unterteilen und Teile zurückzustellen. Damit könnten nach ZDB-Angaben die Vorschläge zu den Aus- und Einbaukosten und zum Verbraucher-Bauvertrag noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Die umstrittenen Teile zum Bauvertragsrecht sollten dagegen noch weiter überarbeitet werden. Denn nach Ansicht Loewensteins wäre es unverantwortlich, die Branche und damit die Bautätigkeit mit unausgegorenen bauvertraglichen Regelungen zu belasten.