Guido Maria Kretschmer bei Vox Geschickt eingefädelt: Nähwettbewerb geht in die zweite Runde

Der Vox-Nähwettbewerb "Geschickt eingefädelt" mit Guido Maria Kretschmer geht in die zweite Staffel. Der Humor kommt natürlich nicht zu kurz, doch die Show hat auch ein gesellschaftliches Anliegen.

Thomas Kieschnick

Erfolgreiches Duo: Am 8. November startet die zweite Staffel des Nähwettbewerbs "Geschickt eingefädelt" mit Inge Szoltysik-Sparrer und Guido Maria Kretschmer. - © sebwes Images/Ridvan Yumlu-Schie

Der Armschwung beginnt mit einem leichten Schulterzucken. In einem eleganten Satz zieht Guido Maria Kretschmer ein feines Tuch von der verhüllten Schneiderpuppe. Schnitt. Acht Hobbyschneider starren auf die eben entblößte Puppe. Aufgerissene Augen, offene Münder, Schweigen. Die Puppe trägt einen Kapuzenpullover. Tagesaufgabe. Ab dem 8. November geht Deutschlands beliebtester Schneiderwettkampf in die zweite Runde. Zur Primetime (dienstags, VOX) werden dann bei "Geschickt eingefädelt" wieder Säume abgesteppt, Reißverschlüsse eingesetzt und Keile eingenäht.

Fashion-Ikone Guido Maria Kretschmer hat acht Kandidaten zwischen 18 und 68 Jahren geladen, die sich in Fertigkeits- und Kreativitätsaufgaben messen müssen. Jede Woche fliegt der oder die Schlechteste. Dem Gewinner winken 10.000 Euro. Dabei verspricht die zweite Staffel mehr Drama und Aufregung als die erste. Die neuen Wettkämpfer seien talentierter und professioneller als die Debütanten, verspricht Kretschmer.

Die neuen Aufgaben haben es in sich

Und auch die Aufgaben haben es in sich: Neben besagtem Kapuzen-Pulli müssen die Hobbyschneider auch einen Neopren-Anzug künstlerisch verwerten. Doch am Ende wird die Einschaltquote wohl von nur einem Mann bestimmt: Guido. Doch im Gegensatz zur rekordträchtigen Shopping Queen (im November wird die 1.000. Folge ausgestrahlt) ist "Geschickt eingefädelt" keine One-Man-Show.

Denn an Kretschmers Seite wacht Inge Szoltysik-Sparrer über akkurate Nähte und handwerklich abgeschlossene Säume bei den Kandidaten. Die Vorsitzende des Bundesverbandes des Maßschneiderhandwerks weiß, worauf zu achten ist. "In meinem Schrank ist bis auf Unterwäsche und Ski-Anzug alles selbst genäht", sagt sie im zitronengelben Kleid in Netzoptik. "Für eine Vertreterin des Handwerks ist das die beste Visitenkarte."

Dabei geht es Inge Szoltysik-Sparrer nicht nur um die Perfektion der Hobbyschneider vor der Kamera. Die TV-Sendung soll den Zuschauern ein Bewusstsein vermitteln: "Kleidung wächst nicht auf der Stange, sondern ist harte Hand- und Kopfarbeit. Kleidung ist kein Wegwerf-Gegenstand. Da sehe ich in Deutschland zurzeit eine gefährliche Entwicklung", sagt sie und plädiert: "Wir sollten uns weniger Kleidung gönnen – besser investieren, satt konsumieren."

Starthilfe von Udo Lindenberg

Dass für die Herstellung von Hemd, Bluse oder Hose mehrere Schritte nötig sind, soll "Geschickt eingefädelt" zeigen. Und heimische Hobbynäher zum Selber-Nähen motivieren. "Fangen Sie Schritt für Schritt an, nähen Sie für Freunde und Familie. Dann kommen auch die Erfolgserlebnisse", verspricht die Schneidermeisterin. An die heimwerkelnden Zuschauer der Sendung ist gedacht. In einem neuen Segment setzt sich Guido Maria Kretschmer höchstpersönlich an seine Nähmaschine (siehe Interview im Kasten) und vermittelt in Slow-Motion und Nahaufnahme die Grundlagen zu Kettenstichnaht, Hakenstichnaht und Tambourinstichnaht.

Bekannt wurde Guido Maria Kretschmer, als Udo Lindenberg auf einem Hippiemarkt auf Ibiza eine von Kretschmers Brokatjacken kaufte und auf seiner Tournee trug. Ein paar Jahre später waren es dann 2,5 Millionen Anzüge für den Reiseveranstalter TUI. Charmante Kritik vom Meister persönlich Kretschmer weiß wovon er spricht. Und auch das Schneiderhandwerk hat er nicht verlernt. "Das ist wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Erst vor zwei Wochen habe ich eine Babydecke für das Neugeborene von Freunden genäht. Eine Seite Samt, die andere Seite Seide. In letzter Zeit mache ich auch viele Gardinen", sagt Kretschmer.

"Möhre aus der Küchenmaschine"

Ach ja, bei allerlei schneiderischem Fachgesimpel und gesellschaftlichen Anliegen kommt bei "Geschickt eingefädelt" natürlich auch der Humor nicht zu kurz. Guido urteilt schnell, spitz und charmant über die Entwürfe seiner Schneiderlein. Die liefern ihm leichte Vorlagen. Ein Seidenponcho wird zum "russischen Friseurumhang", eine kaum identifizierbare Hose gleicht einer "Möhre aus der Küchenmaschine". Doch Guido wäre nicht Guido, könnte er nicht versöhnlich: "Wenn ich Frau wäre und in Lappland lebte, würd ich’s tragen."