Das Elektrohandwerk ist eine Branche, an die Frauen bei der Berufswahl nicht als erstes denken. Nur zwei Prozent der Azubis im E-Handwerk sind weiblich. Das soll sich ändern. Auf der Elektronikmesse Ifa gab es deshalb extra einen Girls‘ Day. Mit dabei waren auch zwei Frauen, die als Elektronikerinnen Karrieren machen wollen.
Jana Tashina Wörrle

Selbstbewusst im Auftreten, sicher, dass der ausgewählte Berufsweg der richtige ist. Elektrotechnikermeisterin Carina Harders hat dafür einen handfesten Plan: Sobald sie ihre Facharbeit fertig und ihren Betriebswirt des Handwerks in der Tasche hat, wird die 22-Jährige den Betrieb ihres Vaters einsteigen und diesen in ein paar Jahren übernehmen.
Lena Maybauer lässt sich noch ein bisschen Zeit, bevor sie ihre komplette berufliche Zukunft festlegt. Dennoch sind die nächsten drei Jahre klar: Sie wird eine Ausbildung zur Elektronikerin im Fachgebiet Energie- und Gebäudetechnik absolvieren. Am 1. September hat sie die Lehre begonnen und schon ein paar Tage später steht sie als Role Model auf einer kleinen Bühne in Messehalle 11 der Internationalen Funkausstellung .
Es ist der Girls‘ Day der drei deutschen Elektroverbände. Am Gemeinschaftsstand der Ifa 2016 dreht sich alles um das Arbeiten mit den technischen Neuheiten, die im aktuellen E-Haus zu sehen sind. Es ist mitten in der Messehalle aufgebaut und zeigt, wie Smart Home in der Praxis funktionieren kann. Und es geht noch um vieles mehr: Welche Berufschancen bietet das Elektrohandwerk, wie läuft die Ausbildung ab und was lernt man dabei wirklich?
E-Handwerk: Mehr als Digitalisierung

"Damit das E-Haus funktioniert, mussten vorher etliche Kabel verlegt und Schaltungen aufeinander abgestimmt werden", sagt Dennis Ellwart. Das sei mehr als ein bisschen Programmierarbeit. Dennis Ellwart ist der Berliner Niederlassungsleiter der Firma Bauer Elektroanlagen, bei der Lena Maybauer ihre Ausbildung begonnen hat. Er ist immer wieder erstaunt, was Jugendliche erwarten, wenn sie sich bei ihm bewerben: Die zunehmende Digitalisierung sei zwar ein wichtiger Schritt, doch erst einmal müssten die Basics gelernte werden; Programmieren stehe nicht im Fokus.
Bei Lena Maybauer stößt er damit auf Begeisterung. "Ich möchte etwas Handfestes lernen. Ehrlich gesagt sind mit Schalter lieber als die Bedienung übers Smartphone", sagt die 16-Jährige. Zum Beruf der Elektronikerin hat ihr ihr Vater geraten. In den vergangenen Monaten hat sie ihm oft beim Renovieren geholfen und dabei ihr handwerkliches Talent entdeckt. Bei einem Bewerbungstraining in der Schule, das die Firma Bauer mit den Berliner Schülern durchgeführt hat, haben sich die heutige Azubine und ihre jetzigen Ausbilder kennengelernt.
"Der Kontakt zu Schulen ist wichtig. Wir nutzen aber auch gerne Veranstaltungen der Handwerkskammer oder Ähnliches, um unsere Lehrstellen zu besetzen", sagt Ellwart. So hat seine Firma bislang kein Problem mit dem Nachwuchs im Betrieb. Doch man müsse aktiv etwas dafür tun. Insgesamt sind derzeit in den neun Niederlassungen von Bauer 210 Azubis beschäftigt, davon haben 68 neue dieses Jahr ihre Ausbildung begonnen. Darunter allerdings nur eine Frau im gewerblichen Bereich: Lena Maybauer.
Azubis: Nur zwei Prozent sind weiblich
Im Elektrohandwerk ist das noch immer ein typisches Bild. Zum 31. Dezember 2015 waren in der Branche 38.987 Auszubildende beschäftigt, davon waren nur etwa zwei Prozent weiblich. Das und da Nachwuchskräfte wie auch in anderen Handwerksbranchen dringend gesucht sind, hat den ZVEH dazu veranlasst, den Messeauftritt auf der Ifa zu nutzen, um junge Leute anzusprechen und ihnen zu zeigen, welche Berufschancen das E-Handwerk bietet – speziell für Frauen.
Carina Harders ist eine Frau, die genau diese Chancen voll auskostet und anderen davon gern erzählt. Nach der Mittleren Reife wechselte sie aufs Wirtschaftsgymnasium, doch so richtig wohlgefühlt hat sie sich mit der Entscheidung nicht. In der zwölften Klasse war dann Schluss und sie schmiss hin, um die Ausbildung im elterlichen Elektrobetrieb zu beginnen.
"Meine Eltern haben mich immer selbst entscheiden lassen. Aber als mir klar war, dass es etwas Handwerkliches sein soll und dass ich Elektronikerin werden will, haben sie gesagt, dass sie das eigentlich schon immer wussten", sagt sie lachend, während wir im E-Haus stehen und um uns herum zahllose Bildschirme flackern. Es sind Steuerungen von Heizungen, Schaltungen von Lichtsystemen und Solaranlagen. Sie alle können per auch Smartphone oder Tablet bedient werden – Hightech für zuhause.
Für Carina Harders ist das alles nicht wirklich neu. Frisch von der Meisterschule ist sie über das, was aktuell auf dem Markt ist und in der Branche diskutiert wird, gut informiert. Aktuell steht sie kurz vor dem Ende ihrer Weiterqualifizierung zur Betriebswirtin im Handwerk; ihre Facharbeit schreibt sie über den Einsatz von Tablets im Betriebsalltag: zur mobilen Erfassung der Arbeitsstunden, von Kundendaten und zur direkten Auftragsabwicklung. Wenn sie ab Januar wieder in der Firma ihres Vaters – der Harders Lichtideen GmbH in Bad Zwischenahn – mitarbeitet, wird sie ihr Konzept in die Praxis umsetzen und die Mitarbeiter werden mit Tablets ausgestattet.
Berufliche Zukunft genau geplant

Ob Berufsschule, Meisterschule oder nun die Weiterqualifizierung – seitdem Carina Harders sich für den Beruf der Elektronikerin entschieden hat, ist sie eine Einzelkämpferin. Immer die einzige Frau unter vielen Männern. "Das hat meinen Ehrgeiz geweckt. Ich wollte mir ja nicht nachsagen lassen, dass die Jungs das besser können", sagt die 22-Jährige, die ihre berufliche Zukunft gut geplant hat.
"Mit 23 habe ich die höchste Qualifizierung, die es im Handwerk gibt, erreicht. Dann kann ich zurück in die Firma. In fünf Jahren möchte mein Vater beruflich kürzer treten und bis dahin können wir gemeinsam arbeiten", sagt Harders, die nicht ausschließen will, dass genau diese fünf Jahre auch noch reichen könnten, um eine Familie zu gründen und dann beruflich richtig durchzustarten.
Perfektes Timing und gut durchdacht, denn auch im Jahr 2016 gilt das Kinderkriegen noch immer als die Karriere-Barriere schlechthin. Zudem sind in eher männerdominierten Branchen Halbtagsstellen noch immer rar – gerade in Führungspositionen.