Blähtonperlen, Holzweichfaser & Co. Öko-Trends im Trockenbau

Neue Materialien könnten den Trockenbau ökologischer machen. Doch die umweltfreundlichen Alternativen stecken zum Teil noch in den Kinderschuhen.

Michael Sudahl

Zuschneiden, anschrauben, Fugen abkleben – fertig. Im Vergleich zum konventionellen Trockenbau soll die Beplankung mit neuen Öko-Produkten laut  Hersteller mindestens 50 Prozent an Arbeitszeit sparen. - © Verotec

Zum ersten Mal entsteht in Heilbronn ein fünfstöckiges Gebäude aus Infraleichtbeton. Die Grüne Ecke, wie der Bau genannt wird, soll bei der Bundesgartenschau 2019 architektonische Maßstäbe setzen. Während sich die Mischung aus Zement, Blähtonperlen und Recyclingglas-Granulat als Rohstoff für Hausfassaden noch in der Entwicklung befindet, ist das Material im Innenausbau schon angekommen.

Exoten im Trockenbau

Ob Sanierung oder Neubau: Ohne Trockenbauplatten geht es meist nicht. Ist eine Wand einzuziehen oder eine Fläche zu unterteilen, sind Gipskarton oder Gipsfaserplatten oft gängige Varianten. Welche Alternativen der Markt bietet und wie sich die Materialien im Vergleich zu klassischen Verfahren schlagen, weiß Thomas Schmid. Der Stuckateur-Meister referiert am Ludwigsburger Ausbildungszentrum für Ausbau und Fassade. "Groß ist die Nachfrage danach noch nicht“, erklärt der Sachverständige. Als "Exoten" bezeichnet er die nachfolgenden Materialien:

Leichtbauplatten aus Blähglas bestehen aus Altglas-Granulat. Durch den Blähprozess entstehen kleine Hohlkügelchen. Dadurch sind die Platten leicht, schalldämmend, druckstabil und formbar. Das geblähte Glas ist zudem ein feuchtigkeitsunempfindlicher Untergrund, der Schimmel keinen Nährboden bietet. Laut Schmid eignen sich die Platten gut als Akustikdecke, um die Nachhallzeit in Räumen zu verkürzen, etwa in Gaststätten, Veranstaltungsräumen oder Bankfilialen.

Setzen Bauherren Trennwände aus Blähglas ein, müssen sie Brandschutzvorgaben beachten. Die Platten entsprechen noch nicht den Vorgaben für den Einsatz auf Fluchtwegen. Dafür ließen sich laut Hersteller Verotec aber problemlos alle anderen Trennwände damit verkleiden. Vorteil: Im Vergleich zum konventionellen Trockenbau können Handwerker rund 50 Prozent Arbeitszeit sparen, weil Spachteln, Schleifen und Grundieren entfällt. Stoßfugen kaschiert ein Glasgewebeband.

Holzweichfaserplatten mit Lehmputz werden vor allem aus Spreißel und Hackschnitzel heimischer Nadelhölzer hergestellt, die in Sägewerken anfallen. Zudem sind sie mit einem dünnen Lehmputz überzogen. Die Platten haben eine hohe Festigkeit und entsprechen den Schallschutzwerten für Wohnbereiche. Holzweichfaser und Lehm sind hautfreundlich, dadurch trocknet die Haut beim Verarbeiten nicht aus – wie etwa bei der Arbeit mit Gips und Zement. Baustelle und Werkzeug sind Dank der Wasserlöslichkeit leicht zu reinigen. Der Preis dieser Öko-Alternative liegt in etwa auf dem Niveau konventioneller Systeme.

Lehmbauplatten sind aus Lehm oder Ton. Stabilisiert werden sie entweder durch eine Schilfrohrmatte, Stroh oder Holzfasern (Sägespäne). Teilweise sind pflanzliche oder mineralische Zuschläge enthalten. Die Platten, deren Oberfläche als warm empfunden wird, wirken feuchtigkeitsregulierend, absorbieren Geruch und schirmen Strahlung ab. Weil sich kein anderer Baustoff so gut für die Kombination mit einer Wandheizung eignet wie Lehm, bieten mittlerweile einige Hersteller Lehmbauplatten mit integrierten Wandheizungsrohren an. Die Platten sind etwa doppelt so teuer wie ihre Kollegen aus Gipsfaser.

Bisher ein Nischenprodukt

Fazit: Viele Bauherren wollen immer noch Standard. Ökovarianten sind daher im Trockenbau noch selten. Alternativen zu Gipskarton und Gipsfaser verlangt aktuell nur ein kleiner Kundenkreis, mutmaßt Schmid. Etwa, wenn es um die Renovierung historischer Gebäude geht, oder der Innenausbau allergikerfreundlich gestaltet werden soll.

Gerade im Hallen- und Objektbau gibt es hohe Auflagen, die meistens noch am einfachsten und preisgünstigsten mit der klassischen Methode – Gips – zu erfüllen sind. Hersteller von alternativen Materialen weisen darauf hin, dass die Artikel nicht lange genug auf dem Markt sind, um beispielsweise nach allen Brandschutz-Vorgaben bewertet sein zu können. Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern.

Davon abgesehen sind umweltfreundliche Baustoffe eine adäquate Alternative zum konventionellen Gips. Weil die Preise je nach Her­steller und Ausführung schwanken, sind Preis-Vergleiche schwer möglich. Zudem lassen sich höhere Kosten teils durch geringere Arbeitszeit relativieren. Vor allem sensible ­Bauherren loben: Die Verarbeitung wäre angenehmer, das Raumklima besser.