Guter Jahresbeginn Poleposition für das Handwerk: Konjunktur besser als erwartet

Entgegen der Erwartung konnte das Handwerk seinen Umsatz im ersten Quartal 2015 steigern. Die Zahlen lassen auf ein insgesamt sehr gutes Jahr hoffen. Der Fachkräftemangel bleibt allerdings ein Dauerthema.

Poleposition für das Handwerk: Der Start in 2015 ist sehr gut ausgefallen - © Foto: Hockenheim-Ring GmbH

Die rund eine Million Handwerksbetriebe sind besser als erwartet ins Jahr gestartet. Das Handwerk hat seinen Umsatz im ersten Quartal unterm Strich um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern können. Das hat jetzt das Statistische Bundesamt mitgeteilt. Bisher war damit gerechnet worden, dass der Handwerksumsatz wegen der schlechten Witterung zu Jahresbeginn gegenüber dem Vorjahreszeitraum schrumpfen würde. Diese positive Überraschung lässt nun für den weiteren Jahresverlauf hoffen.

Einen Wermutstropfen allerdings gibt es auch: Die Beschäftigung ist in dem Zeitraum leicht gesunken statt gestiegen. Ende März 2015 waren im zulassungspflichtigen Handwerk 0,4 Prozent weniger Personen beschäftigt. Experten führen dies auf den Fachkräftemangel zurück.

Den größten Umsatzsprung schaffte das Kraftfahrzeuggewerbe mit einem Plus von 4,9 Prozent. Höhere Umsätze erzielten auch die Handwerke für den privaten Bedarf (plus drei Prozent), das Gesundheitsgewerbe (plus 2,6 Prozent) und das Lebensmittelgewerbe (plus 2,1 Prozent). Vier von sieben Gewerbegruppen sind demnach gewachsen.

Etwas mehr Ruhe am Bau

Das größte Minus gegenüber dem Vorjahr hat es im Bauhauptgewerbe (minus sechs Prozent) gegeben. Jedoch waren im ersten Quartal 2014 die Umsätze aufgrund der sehr guten konjunkturellen Lage im Bauhauptgewerbe und der damals recht milden Witterung auf sehr hohem Niveau. Geringere Umsatzrückgänge verzeichneten auch das Ausbaugewerbe (minus 0,7 Prozent) und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (minus 0,2 Prozent).

Ausreichend Personal für das Wachstum zu finden, fällt den Betrieben immer schwerer. Den größten Rückgang der Beschäftigtenzahlen gab es zu Jahresbeginn im Bauhauptgewerbe (minus 1,4 Prozent). In zwei der sieben Gewerbegruppen waren Ende März 2015 allerdings mehr Personen tätig: Die Zahl im Gesundheitsgewerbe stieg um 1,7 Prozent. Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf haben 0,2 Prozent mehr eingestellt.

Mitte Mai hatte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mitgeteilt, dass das Handwerk trotz mancher politischer Unsicherheiten an seiner Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für 2015 festhalte. Vor allem die Konsumfreude der Verbraucher befördere das Geschäft vieler Gewerke. Mit einem Beschäftigungsaufbau werde in dem Jahr aber nicht gerechnet, wie ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke ergänzte.

Wirtschaft ist robust

Auch insgesamt geht es der deutschen Wirtschaft besser, als ursprünglich erwartet. Das ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für 2015 jetzt auf 1,9 Prozent angehoben. Noch im Dezember hatten die Forscher nur mit 1,5 Prozent für 2015 gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in einem kräftigen Aufschwung“, sagt ifo-Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser. Der private Konsum bleibe die Stütze des Aufschwungs. Für das kommende Jahr erwartet das ifo-Institut ebenfalls ein gutes Plus von 1,8 Prozent.