Leben im Alter und technische Assistenzsysteme Kongress "Zukunft Lebensräume" gestartet

Wie wollen wir leben, wenn wir alt sind? Und welche technischen Hilfssysteme wollen wir nutzen? Diese Fragen stellt sich der zweitägige Kongress "Zukunft Lebensräume", der - erstmals gemeinsam mit dem Kongress AAL (Ambient Assisted Living) - am Mittwoch in Frankfurt gestartet ist.

Frank Muck

Diskutierten, wie technische Assistenzsysteme und Lösungen für das Leben im Alter ihren Eingang in die Gesellschaft finden können (v.l.n.r.): Prof. Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Jürgen Gohde vom Kuratorium Deutsche Altershilfe, Moderator Cord Schlötelburg vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, Axel Gedaschko vom Bundesverban deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und Thomas Ballast von der Techniker Krankenkasse. - © Foto: Frank Muck

Gleich zu Beginn der Eröffnungs-Pressekonferenz stellte ein Kollege der Wochenzeitung "Die Zeit" eine ganz entscheidende Frage: Zum achten Mal berichte er vom Kongress AAL und jedes Mal werde auf dem Podium dasselbe diskutiert. Was habe sich seitdem denn tatsächlich verwirklicht von dem, was damals schon technisch angedacht war? Was komme wirklich in der Gesellschaft an? Ganz praktisch.

Die Herren, die in diesem Jahr auf dem Podium saßen, hatten darauf schon ganz konkrete Antworten. Professor Wolfgang Wahlster, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) etwa verwies auf die heute vorhandenen technischen Systeme, die zum Beispiel alltägliche Aktivitäten von alten Leuten überwachen können oder auch die inzwischen auch in günstigeren Fahrzeugen angekommenen Fahrerassistenzsysteme.

Politik muss Um- und Neubau fördern

Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, hält Wohnungen, die vor ein paar Jahren noch Vorzeigeobjekte waren, in absehbarer Zeit für die Masse leistbar. Allerdings müsse sich die Politik stärker mit Förderung engagieren. "Die Politik stellt keinen Cent zum altersgerechten Umbau zur Verfügung", beklagte Gedaschko und forderte deutlich mehr Zuschüsse statt zinsvergünstigter Darlehen, die in einem Niedrigzinsumfeld eh keine Wirkung hätten.

Womit der zweite große Komplex der Diskussion markiert war: Wer bezahlt das alles? Technische Systeme wie Bewegungssensorik in Fußböden oder das viel zitierte barrierefreie Bad kosten schließlich viel Geld und werden schon allein deshalb nicht grenzenlos nachgefragt. Doch die Runde war sich einig, dass mit verstärkter Entwicklung, wachsender Nachfrage aus dem Ausland und dem Eindringen in den Markt auch die Preise sinken werden.

Größter Bedarf ist der Kontakt zum Arzt

In Sachen Finanzierung war Thomas Ballast gefragt. Der Vorstand der Techniker Krankenkasse sieht die Kranken- und Pflegeversicherung nur so lange in der Pflicht, wie die Versichertengemeinschaft auch ihren Nutzen daraus ziehen kann, etwa wenn es um Prävention geht und die Kassen damit auch Kosten vermeiden könnten. Fortschritt sieht Ballast sehr wohl. Etwa bei der zunehmenden Akzeptanz der technischen Assistenzsysteme unter alten Leuten.

Wolfgang Wahlster wand ein, dass es den Menschen gar nicht so sehr um die Verfügbarkeit technischer Hilfsmittel gehe, sondern viel mehr um ganz banale soziale Fragen. "Der größte Bedarf für den Alten ist der Kontakt zum Arzt", sagte Wahlster und stützt sich dabei auf Umfragen. Letztlich führte dieser Einwand zur grundlegenden Überlegung, welche Lösungen es für soziale Fragestellungen gibt, die unabhängig von aber auch rund um die Entwicklung technischer Lösungen entstehen und ebenfalls einer Beantwortung bedürfen.

Kommunen sind bei Quartiersentwicklung gefordert

Neben der Frage, wie wir leben wollen, muss zum Beispiel auch immer die Frage nach dem Wo beantwortet werden. Möglichst lange in der vertrauten Umgebung, heßt es dann. Aber wie, wenn kein Arzt mehr in der Nähe ist, die Wohnung nicht oder nur sehr teuer barrierefrei umgebaut werden kann oder fußläufig kein Supermarkt mehr erreichbar ist. Hier wiederum seien die Kommunen gefordert, Konzepte für ihre Stadtentwicklung vorzulegen. Lösungen können so genannte Quartiere sein, wo sich städtebaulich das Wohnen in neuen sozialen Gefügen (Jung und Alt etwa) und mit Anbindung an Pflegedienste und Einkaufsmöglichkeiten verwirklichen ließen. Auch hier hinken die Kommunen deutlich hinterher.

Fazit: Noch gibt es nicht auf jede dieser komplexen Fragen eine Antwort. Zwei Tage haben 500 Besucher und Experten Zeit, welche zu finden. Und vielleicht werden beim Kongress im nächsten Jahr wieder ein paar mehr beantwortet sein.

"Zukunft Lebensräume" mit AAL-Kongress

29. und 30. April in Frankfurt am Main
Themen: Stadt- und Quartiersentwicklung, Barrierefrei Bauen und Sanieren, Smart Home, Ambient Assisted Living, Licht, innovative Wohn- und Lebenskonzepte, Architektur und Demenz, Pflekonzepte/Home Care, Wohnug als Gesundheitsstandort, Investments, Finanzierung und Fördermittel, Recht Rechtssicherheit, Handwerk, Aus- und Weiterbildung
55 Aussteller
976 Messe- und Kongressbesucher

Themenpaket "Barrierefrei und altersgerecht"