Bahar Krahn setzt mit ihrem Kosmetiksalon auf ganzheitliche und natürliche Behandlung. Dafür hat sie den Gründerpreis der Region Wiesbaden gewonnen.
Ellen Kugler
Sanft streichen die rosenölbenetzten Finger von Bahar Krahn über den Kopf. Den Nacken herunter. Verweilen einen Moment auf den Schulterblättern. Im Hintergrund spielt sanfte Musik. Draußen tobt das Leben in der Wiesbadener Fußgängerzone. Hier oben im ersten Stock ist es wie auf einer einsamen Insel.
Bei „be Organic“ werden Haut und Haare mit hochwertiger Naturkosmetik gepflegt. Seit zweieinhalb Jahren ist Inhaberin Bahar Krahn mit ihrer Geschäftsidee selbstständig. Die staatlich geprüfte Kosmetikerin, Pflanzenfarbexpertin und Make-up-Artistin hat sich beim Gründerpreis in Wiesbaden mit ihrer Geschäftsidee in der Kategorie Handwerk den ersten Platz gesichert.
Alles nachhaltig
Ausgezeichnet wurde ihr Konzept, weil sie vollständig auf Nachhaltigkeit und zertifizierte biologische Produkte setzt. Krahn verarbeitet mehr als 300 verschiedene Kräuter. Neben den gesundheitsbewussten Kunden kommen auch Schwangere, Kranke oder Allergiker zu ihr. Die drei Friseurinnen, die sie inzwischen beschäftigt – eine davon ist Meisterin –, machen eine Zusatzausbildung als Naturfriseurin. Zudem arbeiten zwei Naturkosmetikerinnen für sie. In beiden Berufen bildet sie inzwischen auch einen Lehrling aus.
Das Preisgeld vom Gründerpreis nutzte sie, um anderen Gutes zu tun. Zusammen mit einer Friseurin stahl sie sich für ein paar Stunden aus ihrem Salon und bereitete den Kindern und Jugendlichen im Kinderdorf Bethanien im Rheingau eine Wellness-Auszeit. „Da bekomme ich ganz viel Liebe und Zuneigung zurück. Im Kinderdorf kann ich mich erden“, sagt Bahar Krahn.
Sie wirkt natürlich schön und ist blitzschnell im Kopf
Die Naturkosmetikerin verkörpert ihren Beruf mit Haut und Haar. Bahar Krahn ist ihre beste Visitenkarte, sie strahlt positive Energie aus, wirkt natürlich schön und ist blitzschnell im Kopf. Ihr Vorname stammt aus dem persischen Sprachraum und bedeutet Frühling, Jugend, Schönheit. Ihre Mutter stammt aus Persien, sie selbst hat armenische Wurzeln.
Schon als junges Mädchen entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Handwerk Kosmetikerin. Doch die Karriere nahm noch einen Umweg. Krahn machte Fachabitur und auf Wunsch des Vaters eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen-Assistentin, arbeitete in einer Apotheke. Und war kreuzunglücklich. Ihre Erkenntnis: „Es reicht nicht aus, gut zu sein. Es gehört Leidenschaft dazu.“
Also hängte sie den erlernten Beruf an den Nagel, ließ sich zur Kosmetikerin ausbilden, besuchte über ein Stipendium die Famous-Face-Academy in Frankfurt, arbeitete in Wiesbaden in einem Naturkosmetikstudio. Sie bildete sich zur Pflanzenfarbexpertin weiter, verdiente ein Jahr lang Geld mit einem Job im Marketing, schminkte unter anderem auch bei „Germany’s Next Topmodel“ und sparte sich so das Startkapital zusammen für den Schritt in die Selbstständigkeit, den sie bis heute nicht bereut hat. „Es lief reibungslos, dank eines Gründungszuschusses des Arbeitsamtes“, sagt sie. Mittlerweile habe sich „be Organic“ durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen und sie habe gut zu tun.
Genuss der Ruhe
Wallnussschalen, Rote Beete, Kurkuma, Rhabarber und ein Schuss pulverisierter Bernstein – fertig ist die Mixtur aus geschreddertem Pflanzen- und Gewürzmaterial für die Naturhaartönung. Jetzt macht sich Mitarbeiterin Sevim Ünver mit Schere und Holzkamm an die Arbeit. Auf dem Kopf der Kundinnen soll der Energiefluss ins Gleichgewicht kommen.
„Viel Liebe, gute Energie und Leidenschaft“, so lautet das Erfolgsrezept von Bahar Krahn, die oft sechs, auch sieben Tage in der Woche arbeitet. Sie hat ihren Weg gesucht und gefunden, sich durchgeschlängelt, die Antennen auf Empfang gestellt und Stolpersteine als Herausforderungen wahrgenommen.
Es riecht nach nassem Heu, erdig und natürlich. Die Farbpulver sind in heißem Wasser aufgequollen und Sevim bestreicht mit einem dicken Pinsel Strähne für Strähne. Jetzt ist einwirken und abschalten angesagt. Draußen tobt weiter das Leben, hier drin ist Stille. be-organic.de
Jetzt auch meisterlich
Von 1. Juli 2015 an können ausgebildete Kosmetikerinnen die Meisterprüfung ablegen. Die Meisterqualifikation soll einen bundeseinheitlichen Fortbildungsstandard etablieren, heißt es. Voraussetzung zur Selbstständigkeit ist die Meisterprüfung nicht.
Erst seit 2003 gibt es die Ausbildung zur Kosmetikerin im dualen System. Gelernt wird drei Jahre im Betrieb und in der Berufsschule. Auszubildende erhalten eine Ausbildungsvergütung. Dagegen muss der Besuch einer Berufsfachschule in freier Trägerschaft bezahlt werden.
Der Meistertitel kann künftig von beiden Gruppen erworben werden. Der größere Teil der zukünftigen Kosmetiker und Kosmetikerinnen absolviert eine fachschulische Ausbildung, die ein bis zwei Jahre dauert.