Gold wird wieder beliebter Steigender Goldpreis: Goldschmiede müssen nachkalkulieren

Erst rauf, dann wieder runter: Während der Goldpreis 2014 zwischenzeitlich stark gesunken ist, wird Gold bei Anlegern in den vergangenen Monaten wieder beliebter. Welche Anlagemöglichkeiten es gibt und was Kursschwankungen für Goldschmiede bedeuten.

Bei sprunghaft steigenden Goldkursen, müssen Goldschmiede nachkalkulieren. - © Foto: colourbox.de

Auf der Suche nach einer soliden Geldanlage legen sich viele Menschen wieder Gold in den Tresor. Nach einer Flaute im vergangenen Jahr nahm der Goldverkauf in den vergangenen Wochen wieder sprunghaft zu. Der Edelmetallhändler Pro Aurum meldet für den Januar 2015 ein Plus von mehr als 60 Prozent, bei der BayernLB verdoppelte sich der Goldhandel im Vergleich zum Dezember sogar. Spekulationen um einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro und der Schweizer Franken-Schock haben Barren, Münzen und Schmuck aus Gold zu einem überraschenden Comeback verholfen.

Goldschmiede müssen nachkalkulieren

Je unsicherer die Zeiten, desto lieber greifen die Anleger zu Gold. Nach der Finanzkrise gab es einen regelrechten Ansturm auf das Edelmetall, der den Preis im Jahr 2011 auf das Rekordhoch von 1.921 Dollar je Feinunze (31 Gramm) trieb. Im vergangenen Jahr ging es mit dem Goldpreis zwar lange bergab. Im Jahresverlauf ist er jedoch um insgesamt zwölf Prozent (in Euro gerechnet) gestiegen. Von der Höchstmarke von 2011 ist der Preis mit derzeit um die 1.200 Dollar immer noch weit entfernt - zum Jahresbeginn legte er aber spürbar zu.

Was für Anleger meist eine gute Entwicklung ist, macht die Arbeit für Goldschmiede häufig komplizierter. Steigt der Goldpreis beispielsweise in großen Sprüngen, kann das unter Umständen problematisch werden. Denn ist das Lager gerade gut gefüllt, müssen Betriebsinhaber zum Telefon greifen und ihre Versicherung informieren - und die Police steigt.

Auch die ursprüngliche betriebswirtschaftliche Kalkulation stimmt bei sprunghaften Kursveränderungen nicht mehr. Dann heißt es für Betriebsinhaber nachberechnen. Denn alte Aufträge müssen zum damals kalkulierten Preis abgearbeitet werden, obwohl der Rohstoff inzwischen deutlich teurer ist. "Wenn Goldschmiede für den Handel produzieren, ist es zwar möglich, Schwankungen bei den Materialkosten in die Verträge mitaufzunehmen", erläutert Hans-Ulrich Jagemann, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Bei Privatpersonen gehe das natürlich nicht.

Interesse an Gold steigt wieder

Doch nicht nur der Goldkurs ist für die Berechnungen ausschlaggebend. Wenn sich Goldschmiede neues Material beschaffen, müssen sie neben dem Goldpreis auch den Wechselkurs in ihre Kalkulation miteinbeziehen, denn Gold wird in Dollar gehandelt. Unterliegt beides starken Schwankungen, ist das ein Unsicherheitsfaktor. Die derzeitigen Schwankungshöhen seien jedoch noch kein Problem, sagt Jagemann.

Aufgrund der Kursschwankungen in den vergangenen Jahren hatte auch das Interesse der Anleger am Gold deutlich nachgelassen und die Umsätze der Händler stagnierten oder gingen zurück. "2014 war ein schmerzhaftes Jahr", sagt Benjamin Summa von Pro Aurum. Seit Jahresbeginn freut sich der Goldhändler wieder über reichlich Aufträge. Bestseller ist der Krügerrand: Von der 31-Gramm-Münze gingen im Januar 15.000 Stück über die Theke. Bei dem aktuellen Goldpreis ist der Klassiker für rund 1.100 Euro zu haben.

Goldschmuck gegen die Inflation

Für das kleine Budget gibt es Mini-Barren mit ein paar Gramm Gewicht, für den pralleren Geldbeutel liegen auch kiloschwere Barren im Lager. Die meisten Kunden legen aber gleich größere Summen an: Im Durchschnitt bestellen sie Gold für 10.000 bis 15.000 Euro. "In den letzten Wochen waren die Einzelorder im Schnitt sogar doppelt so hoch." Ähnlich auch bei der BayernLB, die die Edelmetalle vor allem an Sparkassen, andere Banken und Unternehmen verkauft. "Im Januar ist sowohl die Anzahl der Orders angestiegen als auch deren Durchschnittsvolumen", sagt Michael Eubel, der die Abteilung Sorten & Edelmetalle leitet.

Früher habe man auch qualitativ hochwertigen Goldschmuck noch als Wertanlage gesehen, sagt Goldschmiedemeister Jagemann. "Da hieß es: 'Wenn ich in ein paar Jahren mal Geld brauche, zum Beispiel für eine Autoreparatur, kann ich zur Not mein goldenes Armkettchen verkaufen'", so der Handwerker. Diese Einstellung habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Langsam komme dieser Gedanke aber wieder zurück. "Wenn die Leute in Goldschmuck investieren, dann um die Inflation auszubremsen." Der ideelle Wert wiege beim Kauf jedoch mehr als der wirtschaftliche Effekt. dhz/ dpa

Gold für das Depot

Gold ist einigermaßen krisenfest. Denn auch wenn der Preis mitunter stark schwankt, wertlos wird das Edelmetall nicht. Nicht zuletzt deshalb sind Anleger von Gold so angetan. "Allerdings ist Gold nicht unbedingt immer die beste Geldanlage", gibt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zu bedenken. Worauf es beim Investieren in Gold ankommt:
  • Preisentwicklung: Gold wirft keine Zinsen ab. Rendite erzielen Anleger nur über den Preis. 2014 hat sich ein Investment in Gold in diesem Punkt ausgezahlt: Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken stieg der Goldpreis in Euro im vergangenen Jahr um etwa neun Prozent. Allerdings half dabei auch der schwache Euro- Wechselkurs. Denn der in Dollar notierte Goldpreis fiel im gleichen Zeitraum sogar leicht. Wichtig zu bedenken: "Der Goldpreis kann auch wieder deutlich fallen", warnt Nauhauser.
  • Nebenkosten: Wer physisches Gold kauft, muss es irgendwo lagern. Wenn die Münzen oder Barren zu Hause gelagert werden sollen, müssen sie sicher aufbewahrt werden. "Sie sollten das auch mit ihrer Versicherung besprechen", rät der Verbraucherschützer. Wer sein Gold zur Bank bringt, muss für ein Bankschließfach extra zahlen. Allerdings ist es dort meist auch sicher aufgehoben.
  • Aufteilung: Auch wenn es manche anders empfinden, ist Gold eine spekulative Anlage. Anleger sollten deshalb nicht ihr ganzes Vermögen in das Edelmetall investieren. "Als Beimischung für ein Depot kann es sich allerdings durchaus lohnen." Denn grundsätzlich gilt: Verschiedene Geldanlagen entickeln sich in der Regel auch unterschiedlich. Das heißt: Sinken zum Beispiel Aktienkurse kann ein gleichbleibender Goldpreis für Stabilität im Depot sorgen. "Mehr als 10 Prozent ihres Vermögens sollten Sie aber nicht investieren", rät Nauhauser. dpa