Die Bundesbürger investieren und konsumieren. Davon profitierte das Handwerk schon 2014, und auch für 2015 rechnet es sich ordentliche Chancen aus. 1,5 Prozent Umsatzwachstum erwartet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) für das neue Jahr. Fünf Branchen sind die Zugpferde.
Barbara Oberst
Der Wohnungsbau soll es auch 2015 wieder richten. Vor allem im Geschosswohnungsbau erwarten die Verbände noch einmal deutlich mehr Aufträge als im Vorjahr .
Wenn die Umsätze dieser Boombranche im Schnitt trotzdem nur um zwei Prozent steigen sollen, liegt das am verhaltenen Wirtschaftsbau, vor allem aber an zu geringen Investitionen der öffentlichen Hand: "Aus heutiger Sicht müssen wir für den öffentlichen Bau im Bauhauptgewerbe von einem mageren Umsatzplus von lediglich 1,0 Prozent ausgehen", sagten die Präsidenten der Bauverbände Thomas Bauer und Hans-Hartwig Loewenstein bei ihrer Jahresauftaktpressekonferenz in Berlin.
Elektro auf hohem Niveau
Optimistischer klingen die Nachrichten des Elektroverbands. "Seit drei bis vier Jahren bewegen wir uns auf einem sehr hohen Niveau", erklärt Jan Voosen, Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Für volle Auftragsbücher sorgen nicht nur private, sondern vor allem gewerbliche Auftraggeber. Schon 2014 investierten sie stark in moderne, intelligente Energie- und Gebäudetechnik .

Für 2015 erwarten die Elektrobetriebe mindestens ein gleich hohes Niveau. 13 Prozent von ihnen rechnen noch einmal mit einer Steigerung. Besonders oft bauen die Betriebe Lösungen zur Energieeffizienz wie LED-Beleuchtungen ein. Reichlich Umsatz bringen aber auch Anlagen zur dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energien, Automatisierungstechnik und Elektromobilität.
SHK profitiert von demografischer Entwicklung und energetischer Sanierung
Zuversichtlich geben sich auch die Betriebe für Sanitär, Heizung, Klima. Wie im Elektrohandwerk arbeiten ihnen zwei große Trends zu: die demografische Entwicklung und die energetische Sanierung von Immobilien: "Wir haben sehr zukunftsträchtige Geschäftsfelder. Wer soll es umsetzen, wenn nicht unsere Betriebe?", bringt es Frank Ebisch, Sprecher des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima, auf den Punkt.

Aufträge für 8,5 Wochen und immer mehr Beschäftigte spiegeln dies wider. Für 2015 erwarten die Unternehmen, dass der Geschäftsbereich Heizung sogar den bisherigen Umsatzträger Bad und Sanitär überholt. Anschub könnte auch der Staat leisten. Setzt er seine Aktionspläne Energieeffizienz und Klimaschutz 2020 um, dürften noch mehr Eigenheimbesitzer ihre Immobilien energetisch sanieren – Fördermittel machen es möglich.
Friseure profitieren von Konsumlust
Auch die Friseure spüren die aktuelle Konsumlust der deutschen Verbraucher. Selbst wenn sich die deutsche Wirtschaft verlangsamt, rechnet Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Friseure, mit einem Umsatzwachstum um 1,5 Prozent .
"Bei uns kommen die Trends der Wirtschaftskonjunktur immer etwas verzögert an", sagt er. Gerade Salons mit umfassendem Service und gut ausgebildetem Personal könnten 2015 punkten.
Steuerliche Änderungen und der Mindestlohn arbeiten soliden Betrieben zu. Müller: "Wir hoffen auf eine Imageaufwertung der Dienstleistung."

Wie die Friseure setzen auch die Lebensmittelhandwerke auf die Qualitätsansprüche der Kunden. Die Fleischer blicken deswegen mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft .
Im Konkurrenzkampf mit Billiganbietern hat schon im vergangenen Jahr so mancher Betrieb an Boden gewonnen. Zwar gibt es immer noch viele Kunden, die Fleisch beim Discounter kaufen. Aber es gibt auch die gegenläufige Tendenz: zurück zur handwerklichen Qualität. 1,5 Prozent Umsatzplus hält deswegen auch der Deutsche Fleischer-Verband für möglich.
Eher noch optimistischer blicken die gut 3.000 Konditoren in die Zukunft. Ihre Leckereien liegen voll im Verwöhntrend. Auch 2015, so rechnet die Branche, werden die Deutschen Lust auf edles Süßes haben.
