55 junge Handwerker aus ganz Deutschland haben im Kompetenzzentrum der südbadischen Bauwirtschaft in Bühl ihre Besten ermittelt. Medaillen gab es in sieben Gewerken (Beton- und Stahlbetonbauer, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Maurer, Straßenbauer, Stuckateure, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, Zimmerer).
Ulrich Steudel

Mehr als 33.000 junge Leute absolvieren derzeit ihre Ausbildung in einem der 18 Bauberufe. Die Branche investiert laut Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) dafür rund 600 Millionen Euro jährlich. Rund 10.000 junge Menschen starteten im Herbst 2014 ihre Ausbildung am Bau, ein Plus von über zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Sieger in sieben Baugewerken
Maurer
Bei den Maurern ging die Goldmedaille an Florian Voigt (21 Jahre) aus Langwedel in Niedersachsen. Silber errang Marco Bauschke (21) aus Dreisdorf (Schleswig-Holstein) vor Kai Kunath (20) aus Dresden in Sachsen.
Die Maurer mussten während des zweitägigen Wettbewerbs ein Mauerwerk aus Klinkern und Kalksandsteinen erstellen, das vier Module umfasste. In jedes Modul wurden Motive mit verschiedenfarbigen Klinkermauerziegeln eingearbeitet. Außerdem wurde ein Pfeilermauerwerk in den Deutschlandfarben erstellt.
Die drei Medaillengewinner zeigten sich sehr erfreut über ihren Erfolg. "Es ist überwältigend, was man in zwei Tagen leisten kann", sagte der Drittplatzierte Kai Kunath, der bei Schornsteinbau Forker in Dresden ausgebildet wurde.
Zimmerer
Bei den Zimmerern gewann Florian Kaiser (21) aus Kirchhundern in Nordrhein-Westfalen vor Wanja-Sören Grimm (21) aus Freiburg und Kevin Hofacker (19) aus Steinau in Hessen.
Die Zimmerer mussten in drei Tagen ein Pultdach über einem stumpfwinkligen Grundriss mit aufgesetzter Gaube errichten. Die Aufgabenstellung umfasste drei Module mit insgesamt 24 Hölzern.
Der Zweitplatzierte Wanja-Sören Grimm meinte nach der Siegerehrung, dass es "noch besser für ihn hätte laufen können". Er hatte einen Fehler gemacht und war erst einmal froh, dass die Herausforderung des Wettbewerbs vorbei war. Ausbildungsbetrieb von Grimm war Rombach Holzbau in Kirchzarten.
Der Drittplatzierte Kevin Hofacker (19) wurde bei der Bernd Hergenröder Holzbau GmbH in Steinau ausgebildet.
Straßenbauer
Deutscher Meister der Straßenbauer wurde der 23-jährige Julian Ginter aus Lauterbach in Baden-Württemberg. Silber ging an Niklas Kaiser aus Mechernich in Nordrhein-Westfalen vor Tim Raschke (20) aus dem hessischen Haiger.
Die Straßenbauer mussten an einem Tag eine Gehwegbefestigung zwischen zwei Pflanzbeeten erstellen, die mit verschiedenen Steinen gepflastert wurde. Eine besondere Herausforderung stellte das gleichmäßige Gefälle dar.
Für Julian Ginter, ausgebildet von der Gebr. Bantle GmbH & Co. KG Tiefbau - Straßenbau in Bösingen, hätte die Aufgabe durchaus schwerer sein dürfen. "Das war gut machbar, aber ich freue mich dennoch sehr über meinen Sieg."
Der Drittplatzierte Tim Raschke fand den Wettbewerb eher anstrengend. Der von der Karl Fey GmbH & Co. in Haiger ausgebildete Junggeselle wollte aber sein Ding durchziehen. "Das hat geklappt, super!"
Fliesenleger
Im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk ging die Goldmedaille an Sven-Oliver Roller (23) aus Pliezhausen (Baden-Württemberg). Den zweiten Platz erkämpfte Steffen Kaul (25) aus Greiz in Thüringen vor Tim Welberg (19) aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen.
Die Fliesenleger mussten in zwei Tagen zwei Wände und einen Boden fliesen. Dabei drehte sich alles um die Schwarzwaldregion: Auf den Wandflächen wurden die Sonne, zwei Tannenbäume und eine typische Kuckucksuhr abgebildet. Viele Fliesen mussten geschnitten werden mussten, auch Rundschnitte waren gefordert.
Für den Deutschen Meister Sven-Oliver Roller war die Goldmedaille die Bestätigung seines Gefühls. "Ich wusste, dass ich gut im Rennen lag und hoffte auf Gold oder Silber", sagte der 23-Jährige, der von Markus Jan Murschel in Filderstadt ausgebildet wurde.
Sprachlos war dagegen der Zweitplatzierte Steffen Kaul. "Ich habe geschnitten und geklebt und dann alles auf mich zukommen lassen. Dass es Silber wird hätte ich nicht gedacht", sagte der Junggeselle, der von der UHNAG GmbH in Greiz ausgebildet worden war.
Stuckateure
Deutscher Meister der Stuckateure ist der 21-jährige Tizian Tüchert aus Kleines Wiesental-Sallneck (Baden-Württemberg). Die Silbermedaille ging an den 26-jährigen Andre Balzter aus Eichenzell in Hessen. Bronze errang Pascal Böhm (18) aus Neuwied in Rheinland-Pfalz.
Die Stuckateure erstellten während des zweitägigen Wettbewerbs einen Eingangsbereich mit Türöffnung und Segmentbogen in Trockenbau, der zusätzlich mit Stuckverzierungen versehen werden musste. Die Aufgabe war in drei Module aufgeteilt.
Der Bundessieger Tizian Tüchert hatte den Sieg nicht erwartet. "Ich war schon froh, Landessieger in Baden-Württemberg geworden zu sein", sagte der Junggeselle, der beim Gipser- und Stuckateurbetrieb Mattes in Wehr ausgebildet worden war.
Auch der Silbermedaillengewinner Andre Balzter hatte nicht mit seinem Erfolg gerechnet: "Ich hatte am Anfang große Probleme, in die Aufgabe und somit in den Wettbewerb zu finden". Balzter wurde von der Firma Witzel in Eichenzell ausgebildet.
Beton- und Stahlbauer
Die Goldmedaille im Beton- und Stahlbetonbauerhandwerk ging an Dennis Behrens (20) aus Scheeßel in Niedersachsen. Zweiter Bundessieger wurde Luca Rosenkranz (23) aus Hamburg vor Fin Lange (22) aus Odderade in Schleswig-Holstein.
Die Beton- und Stahlbetonbauer mussten an einem Tag eine Holzschalung für eine achteckige T-Stütze mit darüber horizontal verlaufendem, ebenfalls achteckigem Unterzug errichten. Das Objekt war liegend als Betonfertigteil ohne Bewehrung betonierfertig mit den erforderlichen Abspannungen einzuschalen.
Isolierer
Deutscher Meister der Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer ist Kevin Eppinger (23) aus Schenefeld in Schleswig-Holstein. Die Silbermedaille ging an den 21jährigen Dirk Lösch aus Müllheim in Baden-Württemberg, Bronze an Hannes Böther (20) aus Echem in Niedersachsen.
Die Isolierer mussten innerhalb von zwei Tagen an einem komplex geformten Rohrgestell mit verschiedenen Materialien vier verschiedene Rohrisolierungen ausführen. Als besonders schwierig galten die Blechummantelungen.
Der Zweitplatzierte Dirk Lösch freute sich nicht nur über sein gutes Abschneiden, sondern auch über die Hilfsbereitschaft unter den Teilnehmern. Er hat seine Lehre bei der Isotec Isoliermontage GmbH in Badenweiler absolviert.
Hohe Ausbildungsleistung im Baugewerbe
Die Bauwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und beschäftigt in rund 70.000 Unternehmen insgesamt über 765.000 Beschäftigte. Dabei werden ca. 80 Prozent der Lehrlinge in den Betrieben des Baugewerbes ausgebildet.
"Eine Ausbildung in einem Bauberuf ist kein Notnagel, sondern eine Berufung! 93,5 Prozent der Lehrlinge sind laut einer Umfrage mit ihrer aktuellen Berufsausbildung am Bau zufrieden", sagte Klaus-Dieter Fromm, Vorsitzender des ZDB-Berufsbildungsausschusses.