Baugewerbe Baukonjunktur verliert an Schwung

Die deutsche Bauwirtschaft verliert an Schwung. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes hat seine Umsatzprognose für dieses Jahr von 3,5 auf 2,8 Prozent reduziert. Für das nächste Jahr erwartet er nur noch zwei Prozent. Dabei fehlt es nicht nur an öffentlichen Investitionen.

Karin Birk

Trotz leichtem Schwungverlust bleibt die Baubranche das Zugpferd im Handwerk. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Nachdem die deutsche Bauwirtschaft noch mit viel Rückenwind ins laufende Jahr gestartet ist, muss der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) jetzt seine Umsatzprognose für 2014 zurückfahren.

Als Grund nannte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein vor allem die "aktuell" schwache Umsatzentwicklung und die "unbefriedigende Auftragslage im öffentlichen Bau". Ein Umsatzwachstum von knapp drei Prozent für 2014 sei im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen zwar noch vergleichsweise gut. Angesichts der "Notwendigkeiten für mehr Bautätigkeit" sowohl im Wohnungsbau wie bei der Infrastruktur könne die Branche aber nur "mäßig zufrieden sein".

Von der Politik forderte Loewenstein deshalb neben verbesserten Abschreibemöglichkeiten im privaten Wohnungsbau eine deutlich bessere Finanzausstattung der Kommunen. Dies gelte umso mehr, da zwei Drittel der Investitionen in Straßen und Brücken von Kommunen angeschoben werden müssten. Gleichzeitig warnte Loewenstein davor, Bundesfernstraßen verstärkt über öffentlich-private Partnerschaften zu finanzieren. Derlei Projekte könnten nur von großen internationalen Unternehmen gestemmt werden. Die deutsche Bauwirtschaft würde so nahezu ausgeschlossen, warnte er.

Wohnungsbau bleibt Stütze

Impulsgeber der Baukonjunktur bleibt der private Wohnungsbau, wie Loewenstein weiter sagte. Die Baugenehmigungen – insbesondere bei Mehrfamilienhäusern – hätten weiter zugenommen. Insgesamt werde im privaten Wohnungsbau ein Umsatzplus von 4,5 Prozent auf 35,2 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Anfang des Jahres war der Verband noch von einem Plus von fünf Prozent ausgegangenen. Für 2015 rechnet der Verband jedoch nur noch mit einem Plus von 2,5 Prozent. Auch deshalb hält Loewenstein eine Erhöhung der Abschreibung von zwei auf vier Prozent für notwendig.

Im Wirtschaftsbau zeichnet sich Stagnation ab

Im Wirtschaftsbau zeigt sich der Abschwung dagegen deutlicher: "Für das nächste Jahr erwarten wir aufgrund der derzeitigen Ausgangslage nur ein ähnliches Umsatzniveau wie 2014", sagte Loewenstein mit Blick auf aktuelle Umfragen und eine deutlich gesunkene Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Insgesamt rechnet der Verband dank des guten Jahresauftakts aber immer noch mit einem Umsatzplus 2,5 Prozent auf 35,35 Milliarden Euro für dieses Jahr.

Deutlicher Umsatzrückgang im öffentlichen Bau

Deutlich mehr Impulse hätte sich die mittelständische Bauwirtschaft vom öffentlichen Bau erwartet: "Es kommen zu wenig Ausschreibungen auf den Markt", klagte Loewenstein. Leider bestätige sich auch in diesem Jahr, dass eine verbesserte Kassenlage bei den Kommunen nicht zwangsläufig zu höheren Investitionen führe. Dies sei umso besorgniserregender, da sich die Finanzlage vieler Kommunen angesichts der wachsenden Sozialausgaben nicht verbessere. Wie Loewenstein weiter sagte, werden nach Einschätzung der Kommunen deren Ausgaben für Soziales ab 2016 dreimal so hoch sein wie die für Baumaßnahmen. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Umsatzplus im öffentlichen Bau von einem Prozent auf 27,6 Milliarden Euro, nachdem Anfang 2014 noch ein Plus von 3,5 Prozent erwartet wurde. Für 2015 sieht der Verband "ein Steigerungspotenzial" von 2,5 Prozent.