Mehrere Dämmstoffhersteller sind ins Visier des Bundeskartellamts wegen Verdachts auf verbotene Preisabsprachen geraten. Die Branche gerät zunehmend unter Druck. Haben Bauherren zu viel bezahlt?

Das Bundeskartellamt ermittelt derzeit gegen 20 Unternehmensgruppen und zwei Verbände aus der Dämmstoff-Branche wegen Preis- und Kundenschutzabsprachen. Das hat die Behörde gegenüber einem Bericht im Westdeutschen Rundfunk (WDR) bestätigt.
Bundesweite Durchsuchungsaktion
Demzufolge sollen sie sich beim Vertrieb von Dämmstoffen aus Hartschaum (Styropor) bereits seit 1998 abgesprochen haben. Laut weiteren Informationen des WDR wurde eine bundesweite Durchsuchungsaktion bereits am 12. März durchgeführt. Dabei hätten 59 Mitarbeiter des Kartellamts sowie Kräfte der örtlichen Kriminalpolizei Büro- und Wohnräume durchsucht. Ziel der Durchsuchung sei laut WDR die die Sicherung von Beweismitteln gewesen.
Neben illegalen Preisabsprachen werden die jeweiligen Unternehmen und Verbände auch der Kundenschutzabsprache bezichtigt. Darunter versteht das Kartellamt, dass Hersteller untereinander Kunden aufteilen und die Kunden des Wettbewerbs nicht abwerben. Beispielsweise können diese Vereinbarungen Gebietsabsprachen sein.
Bauherren warten ab
Laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) würden die Entwicklungen die Branche in einer heißen Phase treffen. Derzeit würde das Geschäft unter der Zurückhaltung der Kunden leiden. Auch hätte die Dämmlust in Deutschland merklich nachgelassen. So würden die Spekulationen vieler Bauherren auf steuerliche Vorteile beim Dämmen abzielen. Auch würden viele Bauherren auf Direktzahlungen der bundeseigenen KfW-Bank hoffen und warten deshalb ab.
Geschäftseinbußen um zehn Prozent
Darüber hinaus hätten laut Informationen der FAZ Kritik an den Umwelteigenschaften, vereinzelte Brände von Styroporfassaden und steigende Zweifel an der Wirtschaftlichkeit viele Bauherren zusätzlich verunsichert. Gegenüber der FAZ erläutert Klaus Franz, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbandes Dämmstoffindustrie, dass das Geschäft mit der Fassadendämmung im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent zurückgegangen sei.
Laut dem Fachverband "Wärmedämm-Verbundsysteme" (WDV) besitzen Dämmstoffe aus Polystyrol in Deutschland einen Marktanteil von rund 75 Prozent. Wie der WDV weiter mitteilt, wurden rund 850 Quadratmeter Hausfassaden bis heute in Deutschland gedämmt. Durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) aus dem Jahr 2002 hat die Fassadendämmung hierzulande einen rasanten Aufstieg erlebt.
Gift für Branche
Wie die FAZ weiter berichtet, fürchten die Dämmstoffhersteller einen grundlegenden Sinneswandel unter den Bauherren. Zweifel, sie könnten zu viel für ihre Dämmung bezahlt haben, seien in dieser Situation Gift. Die Branche, in der hinter den Kulissen ein Kampf um Marktanteile zwischen den Herstellern von Styropor und Mineralwolle stattfindet, befinde sich seit mehr als zwei Jahren in einer Konsolidierung. Viele Hersteller müssen deshalb verstärkt um Kunden kämpfen. Bislang hat sich das Kartellamt weder gegenüber dem WDR noch der FAZ dazu geäußert, wer die beschuldigten Unternehmensgruppen und Verbände sind. dhz