Für die Deutsche Energie-Agentur (dena) ist die energetische Gebäudesanierung ein Teil der Energiewende. Mehr Energieeffizienz reduziert die Abhängigkeit von Energieimporten und schafft Arbeitsplätze im Handwerk. Öffentlich nimmt die dena Stellung zu den Vorteilen – denn diese wurden in einem Zeitungsbericht in Zweifel gestellt.

"Wir haben in unseren zahlreichen Modellvorhaben Modernisierungen und Neubauten systematisch begleitet und ausgewertet. Die Maßnahmen sind wirtschaftlich und der Energieverbrauch nach Fertigstellung wird signifikant gesenkt", schreibt Stephan Kohler, der Vorsitzende der dena-Geschäftsführung in einer Stellungnahme zu einem Bericht Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. Oktober 2014.
Oliver Arentz, Wissenschaftler an der Universität zu Köln stelle im Artikel "Der zweifelhafte Nutzen der Klimaauflagen für Hausbesitzer" alle Vorteile der energetischen Gebäudesanierung infrage. Dagegen wehrt sich die dena nun öffentlich.
Konkret geht es um die Wirtschaftlichkeit der Sanierungen, um den Einfluss, den das Nutzungsverhalten der Bewohner eines Gebäudes hat und darum, wie stark Gebäudesanierungen gefördert werden sollten. Oliver Arentz spricht in seinem Bericht von mangelnder Rentabilität, zu starren Vorgaben und realitätsfremden Rechenmodellen, die dem derzeitigen Vorgehen zugrunde liegen.
Für die dena ist die Steigerung der Energieeffizienz in Deutschlands Gebäuden dagegen ein zentrales Element für das Gelingen der Energiewende. Als weitere Vorteile von mehr Energieeffizienz nennt sie in der Stellungnahme:
- die kostengünstige Reduktion von CO2-Emissionen ,
- mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Handwerk und Industrie,
- weniger Abhängigkeit von Energieimporten/ mehr Versorgungssicherheit,
- die Sicherung von bezahlbarem Wohnen für Mieter und Hausbesitzer,
- und die Steigerung des Wohnkomforts und des Werts der Immobilie.
Die Widersprüche
Wirtschaftlichkeit von Sanierungen
Anders als Oliver Arentz sieht die dena energetische Gebäudesanierungen als durchaus lohnenswerte Investitionen an. Viele Gebäude in Deutschland seien energetisch in unzureichendem Zustand. 75 Prozent wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1978 gebaut, als es noch keinerlei energetische Standards gab. Als Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit sollten Modernisierungsmaßnahmen jedoch im normalen Sanierungszyklus eines Gebäudes durchgeführt werden, also beispielsweise dann, wenn eine Fassade sowieso renoviert wird.
Einfluss des Nutzungsverhaltens
Unterschiedliche Meinungen haben der Wissenschaftler und die dena auch darin, was den größten Einfluss auf den Energieverbrauch hat: das individuelle Nutzungsverhalten oder die Eigenschaften des Gebäudes. Arentz setzt auf den Verbraucher und darauf dass das Gebäude noch so gut gedämmt sein kann, wenn die Bewohner ständig die Heizung auf stark aufdrehen. Doch das widerspricht laut Stephan Kohler jeglichen bauphysikalischen Grundlagen: „Ein unsaniertes Haus mit einem hohen Energiebedarf wird immer mehr Energie verbrauchen als ein modernisiertes Niedrigenergiehaus. Unabhängig davon, ob die Nutzer sparsam oder großzügiger heizen.“ In die Berechnungen der dena sei trotzdem das Verbraucherverhalten berücksichtigt worden, das das Einsparpotenzial nach Sanierungen etwas senkt.
Derzeitige Förderung der Gebäudesanierung
Als dritten Streitpunkt identifiziert die dena die aktuelle Förderpolitik und widerspricht dem Wissenschaftler, der behauptet, dass die strikten politischen Vorgaben Sanierungen verhindern. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 einen weitgehend klimaneutralen Gebäudebestand zu realisieren. Als Anreiz für Modernisierungen hat sie das CO2-Gebäudesanierungsprogramm geschaffen.
Statt auf den Steuerbonus, der im Bundesrat gescheitert ist, setzt sie auf Förderkredite. Hausbesitzer sollen zu Sanierungen ermuntert und damit auch die Wirtschaft angekurbelt werden. Laut der dena löst jeder eingesetzte Fördereuro derzeit acht bis zwölf Euro an privaten Investitionen aus. Dabei lasse die Bundesregierung bewusst sehr flexible Lösungen zu, die technologieoffen, neutral und ohne Zwang zur Sanierung sind.
"Ziel der Sanierungsstrategie der Bundesregierung ist es nicht, den gesamten deutschen Gebäudebestand in Höchstgeschwindigkeit rundum zu sanieren – das wäre in vielen Fällen weder notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll", heißt es in der Stellungnahme. Bis 2050 würden bei praktisch allen Bestandsgebäuden ohnehin Modernisierungsmaßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik fällig.
Das Fazit der dena lautet deshalb: "Energieeffizientes Bauen und Modernisieren ist heute also mit gesicherter Qualität möglich, wirtschaftlich umsetzbar und eine gute Investition in die Zukunft." Als wichtigen Partner setzt sie dabei auch auf das Handwerk. So hat die dena mit Partnern aus der Wirtschaft, dem Handwerk und der Forschung die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) gegründet, um Hausbesitzer über Motivation, Beratung und Markttransparenz zu informieren. Die Energieeffizienz-Expertenliste unter energie-effizienz-experten.de weist ihm den Weg zu mehr als 12.000 qualifizierten Fachleuten vor Ort. dhz