Die Ausbildungsordnungen von sechs Handwerksberufen wurden modernisiert. Vor allem die Elektronik verändert viele Berufe.

Zum 1. August, rechtzeitig zum Start des Ausbildungsjahres, ist die Ausbildung von sechs Handwerksberufen modernisiert worden. Praxisnah und arbeitsmarktrelevant sollen sie sein, sagt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Beleg für diese Anforderungen ist nach Auffassung von Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident des BIBB, die niedrige Jugendarbeitslosigkeit.
Insgesamt sind es neun Berufe, die eine Runderneuerung erfahren haben. Zu den sechs Handwerksberufen kommen aus Industrie und Handel noch der Kaufmann für Versicherungen und Finanzen, der Polsterer und der Süßwarentechnologe hinzu.
Baumaschinen-Mechatroniker
Neu ist die Berufsbezeichnung des Land- und Baumaschinen-Mechatronikers für Land- und Baumaschinentechnik. Da auch Bau- und Erntemaschinen heute Hightech-Geräte sind, wird künftig auf die Wartung und Instandsetzung von mechatronischen Systemen ein weiterer Schwerpunkt gelegt.
Mehr Auswahl durch Spezialisierung
Bürokaufleute für Büromanagement
Modernisiert wurden ebenfalls die Büroberufe im Handwerk. Bürokaufleute und Kaufleute für Bürokommunikation ebenso wie die Fachangestellten für Bürokommunikation werden künftig zu "Kaufleuten für Büromanagement" ausgebildet. 90.000 Jugendliche haben zum 1. August ihre Ausbildung in diesem Beruf begonnen. Sie können künftig zwischen zehn Spezialisierungsbereichen wählen. Hierzu gehören unter anderem die Felder Marketing und Vertrieb oder auch Einkauf und Logistik.
Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker
Die Arbeiten im Fahrzeugbau und in der -instandsetzung haben sich aufgrund neuer Leichtbaumaterialien und einer stärkeren Vernetzung der Einzelkomponenten innerhalb eines Fahrzeuges sowie der Hochvolttechnik verändert. Mit der Novellierung des Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikers werden angehende Gesellen auf diese neuen Anforderungen vorbereitet. Dabei bietet die Ausbildungsordnung Betrieben und Lehrlingen die Möglichkeit, am Ende die Ausbildung in einer der Fachrichtungen Karosserie- und Fahrzeugbautechnik oder Karosserieinstandhaltungstechnik zu vertiefen.
Seite 2: Warum der Speiseeishersteller mit einem neuen Namen für mehr Qualität steht.
Fachkraft für Speiseeis
Qualität bei der Eisherstellung und bei Dienstleistungen ist auch für die Kunden sehr wichtig. Der zweijährige Ausbildungsberuf „Speiseeishersteller/in“ wird daher durch eine dreijährige Ausbildung „Fachkraft für Speiseeis“ abgelöst. Die Ausbildung vermittelt in den ersten beiden Jahren vor allem dienstleistungsorientierte Qualifikationen, angelehnt an die Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. Im dritten Ausbildungsjahr geht es dann um die Produktion von Speiseeis. Damit eröffnen sich Jugendlichen vielfältigere Möglichkeiten fürs Berufsleben, etwa in einem anderen Gastgewerbeberuf.
E-Bike und E-Gitarre sorgen für neue Fachgebiete
Zweiradmechatroniker
Aus dem Zweiradmechaniker wurde der Beruf des Zweiradmechatronikers. Die neuen Auszubildenden werden fit gemacht für neue Technologien. „E-Bikes“ oder „Pedelecs“ revolutionieren die Fahrradbranche, elektronische Assistenzsysteme und neue Leichtbaumaterialien den Motorradbau. Auf neue Diagnoseverfahren und Reparaturarbeiten wird der Nachwuchs ebenfalls vorbereitet.
Zupfinstrumentenmacher
Durch die Neuordnung des Berufes des Zupfinstrumentenmachers besteht erstmalig die Möglichkeit, sich entsprechend seinen Neigungen in der Fachrichtung Gitarrenbau oder Harfenbau ausbilden zu lassen. Auch auf den Bau von E-Gitarren spezialisierte Betriebe können nun leichter ausbilden, da die Ausbildung um den Einbau von Elektronik in diese Instrumente erweitert wurde.
Insgesamt gibt es 328 duale Ausbildungsberufe, zwischen denen Jugendliche wählen können. Seit 2003 sind vom BIBB 180 Ausbildungsordnungen modernisiert und 37 Ausbildungsberufe neu geschaffen worden. Laut Angaben des Instituts sind 2013 rund 26.700 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden.
Derzeit arbeitet das BIBB an der Modernisierung von 13 weiteren Ausbildungsberufen, die voraussichtlich mit Beginn des Ausbildungsjahres 2015 in Kraft treten sollen. Auch die Ausbildung zum Dachdecker ist davon betroffen.
Das BIBB hat alle neuen Berufe auf seiner Internetseite auf bibb.de zusammengefasst.